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Gehen den Tafeln jetzt die Brötchen aus?

20.07.2012, 09:16
Frauenzimmer
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Roland Ermer bezeichnet sich als ehrlich und gesetzestreu. Als das Finanzamt bei ihm vor der Tür steht, muss der Bäcker aus Sachsen nichts fürchten - glaubt er zumindest. Was der Bäckermeister nicht wusste: Er hatte sich des Schwarzspendens schuldig gemacht.
Von den Tonnen an altem Brot und trockenem Gebäck, die er Bedürftigen schenkt, will der Staat auch noch ein paar Brocken haben: Sachspenden an gemeinnützige Organisationen unterliegen der Umsatzsteuer - Paragraph 3 des Umsatzsteuergesetzes. Bemessungsgrundlage sind die Herstellungskosten der Brötchen, die das Finanzamt mit der Hälfte des Verkaufspreises angesetzt hat. Und weil Ermer schon jahrelang unversteuerte Geschenke gemacht hat, muss er rückwirkend zahlen: Das macht zusammen 5000 Euro.
Denn auf seine Vorprodukte wie Mehl, Zucker oder Hefe zahlt der Bäcker ebenfalls eine Umsatzsteuer. Und die zieht er später von seiner eigenen Umsatzsteuerschuld ab. Wenn aber Materialien und ihre Produkte nicht verkauft, sondern verschenkt werden, gilt dieser sogenannte Vorsteuerabzug nicht. An sich logisch, findet Ermer - und trotzdem ungerecht: "Wenn ich das Essen wegwerfe, dann muss ich gar nichts bezahlen."
Denn Kuchen auf der Müllkippe ist keine Leistung und ohne Leistung keine Steuern, erklärt Matthias Lefarth, Leiter der Abteilung Steuer- und Finanzpolitik beim Zentralverband des Deutschen Handwerks: "Werden Bedürftige dagegen mit Brötchen versorgt, dann ist das unzweifelhaft eine Leistung." 1000 Euro pro Jahr zahlt Roland Ermer jetzt dem Fiskus - für die von ihm erbrachte Leistung an der Gesellschaft. Wird er die Brötchen in Zukunft lieber wegwerfen? "Nicht eine Sekunde habe ich das in Betracht gezogen."
Andere schon. Berufskollegen, die von dem Fall Roland Ermer Wind bekommen haben, fürchten hohe Steuernachzahlungen. Einige Bäckereien haben bereits ihre Spenden bei den Tafeln eingestellt, berichtet der Bundesverband Deutscher Tafeln. Dessen Vorsitzender Gerd Häuser versucht seine Lieferanten zu beschwichtigen. Der Paragraph werde in der Praxis kaum angewandt, weil die Finanzämter die Essensspenden meist als wertlos einstuften.
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Plan A: Weltherrschaft...Plan B: Schaukeln...:):(
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Chancengleichheit besteht nicht darin, dass jeder einen Apfel pflücken darf, sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt
20.07.2012, 09:16
Frauenzimmer
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"Das Gesetz ist Unsinn"
"Einige führen die Steuern ab, andere nicht", weiß auch Roland Ermer von seinen Berufskollegen. Auch von rebellischen Finanzbeamten hat Ermer schon gehört: "Die sagen, so einen Schwachsinn kontrolliere ich nicht." Für den Bäckermeister ist dieser Schwebezustand dennoch keine Lösung. "Das Gesetz ist Unsinn und muss geändert werden", fordert er.
Das sieht das Bundesfinanzministerium angeblich genauso: "Das Problem ist erkannt", sagt Pressesprecher Johannes Blankenheim. Allerdings handele es sich um europäische Vorgaben. "Wir arbeiten gemeinsam mit den anderen Ländern daran, dieses Problem zu beseitigen." Eine Lösung könne darin besetehen, dass der Wert der Ware nach Geschäftsschluss mit Null beziffert werde.
Brot, Brötchen und Kuchen für einen Euro
Bis es aber soweit ist, schlagen die Bäcker dem Finanzamt eben ein Schnippchen. Sie verschenken ihre Ware nicht länger, sondern verkaufen sie. Eine Lieferung Brot, Brötchen und Kuchen für einen Euro. Ein Sonderpreis für den guten Zweck. "Dann liegt die Bemessungsgrundlage für die Umsatzsteuer bei diesem symbolischen Euro und nicht bei den Herstellungskosten für die Brötchen", sagt Steuerexperte Lefarth. Er rät seinen Betrieben, auf diese Art und Weise der Spendensteuer zu entgehen. Geld zu nehmen ist in diesem Fall fürs Finanzamt offenbar seliger denn Gutes zu geben.
Quelle: T-online news
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Chancengleichheit besteht nicht darin, dass jeder einen Apfel pflücken darf, sondern dass der Zwerg eine Leiter bekommt
20.07.2012, 11:31
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Da kann man doch mal wieder nur noch den Kopf schütteln :(
(f)Es lebe die Such-Funktion! Wer lesen kann ist klar im Vorteil!(f)
20.07.2012, 12:54
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Natürlich ist das Gesetz Unsinn.
Aber wie immer gibt es auch dabei zum Glück Lücken durch die man schlüpfen kann.




    "Disziplin ist die Brücke zwischen Zielen
    und ihrer Verwirklichung."
20.07.2012, 21:09
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Zitat von piper72:
"Wenn ich das Essen wegwerfe, dann muss ich gar nichts bezahlen."


das ist doch zum aus der haut fahren....
wir werden gemolken wie die dummen kühe.... wehe man schuldet dem staat auch nur einen cent !!
wenn WIR das VOLK mal so pingelig wären, beim verschwenden unserer steuern (jedes jahr im schwarzbuch der steuerzahler einzusehen) dann hätten wir eine heftige revolution... aber nein... mit uns kann man ja alles machen :(
Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte nicht vergessen,
dass dabei immer drei Finger seiner Hand auf ihn selbst gerichtet sind...
20.07.2012, 22:13
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Und warum ist das so? Weil WIR das "Volk" keine Macht hat, von wegen Demokratie und so... wer frägt mich denn, ob Spanien oder Griechenland Geld bekommen soll? (nur ein Beispiel von tausenden, fiel mir gerade so ein) ... die Politiker nennen sich "Volksvertreter" aber die sind vom Volk so weit weg wie der Mars von der Erde. Und da sieht man mal wieder, was die für idiotische Gesetze erlassen... wer hat denn davon im Endeffekt was? Die Tafel schon gar nicht, der Bäcker nicht, weil er Schiss hat... das Finanzamt (der Staat) hat ein paar Kröten mehr, die man dann gleich in irgendwelches weltfremdes Zeugs weiterinvestieren kann... kranke Welt!
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20.07.2012, 22:53
Jany82
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Zitat von kasteffi:
die Politiker nennen sich "Volksvertreter" aber die sind vom Volk so weit weg wie der Mars von der Erde.


Tja weil sie wissen, dass das Volk anderer Meinung ist, gerade wenn es um ihr erarbeitetes Geld geht und genau deswegen lehnen die Politiker (wie Angie) Volksbefragungen ab :(

Ich finde die Tafel ist eine tolle Einrichtung und die sollte man unterstützen (auch der Staat), viele Menschen sind darauf angewiesen, leider...
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20.07.2012, 23:01
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Zitat von kasteffi:
Spanien oder Griechenland


genau desw habe ich das schwarze buch der steuerzahler erwähnt... das existiert schon jahrzehnte und kommt jedes jahr neu raus...aber man kann sich auch auf dieses bankenkrisengewäsch fixieren... denn davor wurde unser geld ja immer sinnvoll verplempert ;);)
Wer mit dem Finger auf andere zeigt, sollte nicht vergessen,
dass dabei immer drei Finger seiner Hand auf ihn selbst gerichtet sind...
20.07.2012, 23:03
Frauenzimmer
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in einem ort nahe hamburg ist auch eine tafel... sind mit ehemaligen kolleginnen u freundinnen oft hin... um was dort abzugeben.. (keinen müll)... und es machte uns jedesmal traurig... aber tat auch gut, gutes zu tun.. auch wenns nur ein tropfen aufm heißen stein ist... aber leider nutzen das auch einfach nur geizige menschen, die gar nicht in not sind. wie auch immer... tolle sache und sollte weiter gefördert werden ohne ballast.
auch was uschi glas auf die beine stellt für schulkinder : respekt !!
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21.07.2012, 08:50
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Ist ja nicht so, dass wir mit den Lebensmitteln (oder Nicht-Lebensmitteln), die wir produzieren rund 12 Mrd. Menschen ernähren könnten und noch immer 1Mrd. hungert. Und auch nicht so, dass knapp 2/3 der "Ware" weggeworfen werden, zum Teil nicht mal beim Konsumenten ankommen. Nein, da muss mensch sich auch noch dafür rechtfertigen, dass er nichts wegwirft. Ich find's unglaublich! Nur weil Menschen hier zum Teil echt nicht das Geld haben, sich im Supermarkt versorgen zu können, muss der Staat auch noch daraus seinen Profit schlagen. Wer nicht konsumiert - oder hier konsumieren kann - muss drauf zahlen, da ist jede Moral völlig wertlos. Ich habe mich länger mit dem Thema Lebensmittelverschwendung auseinandergesetzt, auch eine Zeit lang mit Freeganismus - grausam! Wir produzieren als gäbe es kein Morgen mehr und werfen weg, verbrennen, exportieren z.T. sogar illegal, weil wir nicht mehr wissen wohin mit den Lebensmitteln...und in 30-40 Jahren wird Wasser wie das wohl so aussieht zum Luxus, genau wie Getreide es jetzt schon ist.