Zweite Ehe ist glücklicher: Macht Erfahrung Liebe?

Scheidung ist in zweiter Ehe unwahrscheinlicher: Erfahrung macht klug
Scheidungsrate

Macht man in der zweiten Ehe alles besser

Wer sich zum zweiten Mal zum Traualtar wagt, hat eine höhere Chance auf eine funktionierende Ehe. Das belegt eine neue britische Studie. Aber gibt es beim zweiten Mal automatisch eine Glücks-Garantie?

Von Jutta Rogge-Strang

Als mein bester Freund Thomas zum ersten Mal geheiratet hat, war ein Baby unterwegs. Dabei war zu dem Zeitpunkt bei Thomas und seiner Freundin schon von Trennung die Rede. Aber das Kind sollte unbedingt in gesicherten Verhältnissen zur Welt kommen. Letztlich hielt die Ehe dann doch nur drei Jahre. Das zweite Mal traute sich Thomas dann fast 12 Jahre später: Mit seiner „neuen“ Frau hatte er da bereits jahrelang zusammengelebt und das gemeinsame Familienleben ausprobiert. Jetzt hat er eine gute Chance, dass die zweite Ehe auch die letzte ist: Nach einer britischen Untersuchung scheitern immerhin nur 31 Prozent der Zweit-Ehen (gegenüber 45 Prozent der Erst-Ehen).

Tatsächlich war mein bester Freund sehr jung, als er das erste Mal geheiratet hat. Und mit einem kleinen Kind wurde die Liebes-Beziehung zusätzlich belastet. Kein Einzelfall, so der britische Bericht. Dazu kommen oft noch eine knappe Familienkasse, da sind Reibereien und Streitigkeiten vorprogrammiert.

Beim zweiten Mal gehen Paare weit weniger blauäugig an die Ehe heran. Und natürlich sind sie auch älter und können auf eine größere Erfahrung im partnerschaftlichen Zusammenleben zurückblicken. So werden die Vor- und Nachteile bei einer zweiten Heirat sorgfältig abgewogen. Passt der Partner wirklich zu mir? Kann ich mir ein Zusammenleben vorstellen? Und nicht zuletzt: Was kostet mich der Spaß?

Finanzielle Sicherheit löst Probleme

Paare, die sich in einer zweiten Ehe zusammenfinden, profitieren gewaltig von ihren Erfahrungen. Und tatsächlich ist in einer höheren Alter das Einkommen meist auch höher als in jungen Jahren. Natürlich spielt Geld nicht die Hauptrolle, aber dient als Puffer gegen die alltäglichen Schwierigkeiten, mit denen viele Paare konfrontiert werden.

Ein höheres Alter bedeutet aber auch, dass es meist nicht so viele kleine Kinder aus früheren Beziehungen gibt. Das minimiert auch das Konfliktpotential. In ihren Erst-Ehen unterliegen viele Partner den sozialen und familiären Belastungen. Beim zweiten Versuch möchten es alle Beteiligten dann besser machen – und oft gelingt es auch.

Aber leider klappt es nicht immer beim zweiten Versuch. Die britische Beziehung-Expertin Dr. Pam Spurr weiß warum: „Die zweite Ehe kann besonders problematisch sein, wenn es von beiden Partnern Kinder aus früheren Ehen gibt.“ Sexual- und Beziehungstherapeutin Paula Halle signalisiert hingegen Hoffnung: „Diejenigen, die zum zweiten Mal verheiratet sind, scheinen mehr Einsicht und Selbst-Bewusstsein zu haben. Nachdem sie schon ein Mal durch Scheidung und Trennung gegangen sind, haben sie eine größere Motivation, an Problemen zu arbeiten und ihre Ehe zu retten."

Der zweite Partner, das belegen auch Studien, wird mit größerer Sorgfalt und der Überzeugung ausgewählt, den gleichen Fehler nicht noch mal zu machen. Auch verändern sich die Menschen im Laufe der Zeit, Lebensziele und Träume ändern sich, werden erwachsen. Eine Glücks-Garantie gibt es aber auch beim zweiten Mal nicht automatisch. Um es mit Hape Kerkelings Kunstfigur Evje van Dampen zu sagen: „Liebe ist Arbeit, Arbeit, Arbeit!“

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