Zusätzliche Diagnosen: Krankenkassen und Ärzte sollen bei der Abrechnung mogeln

Zusätzliche Diagnosen für mehr Geld
Zusätzliche Diagnosen für mehr Geld Neuer Skandal um Abrechnungen von Ärzten und Kassen 00:02:11
00:00 | 00:02:11

Zusätzliche Diagnosen bringen Ärzten und Kassen mehr Geld

Krankenkassen schummeln offenbar im großen Stil bei der Abrechnung von Leistungen. Laut der Techniker Krankenkasse (TK) soll mittlerweile ein Wettbewerb zwischen den Kassen darüber entstanden sein, wer es schafft, die Ärzte dazu zu bringen, für die Patienten möglichst viele Diagnosen zu dokumentieren. Dann gebe es nämlich für  Kassen und für Ärzte mehr Geld. "Ohne die Manipulationen könnte der Beitragssatz der TK 0,3 Prozentpunkte niedriger liegen", so Jens Baas, Chef der TK, in einem Interview mit der Frankfurter Sonntagszeitung. Am Ende zahlen also die Patien für den Betrug - in Form von höheren Beiträgen.

Steigen jetzt die Beiträge?

Wenn Ärzte Patienten behandeln und eine Diagnose stellen, gibt es dafür Geld von der Krankenkasse, nämlich festgelegte Pauschalbeträge. Stellen sie aber zusätzliche Diagnosen, dann bekommen sie dafür noch mehr Geld von der Kasse. Und die bekommt ebenfalls mehr Kohle - aus einem Fond, der rund 135 Milliarden Euro groß und für eben solche zusätzlichen Ausgaben gedacht ist. Dieses Geld aus diesem Ausgleichsfond setzt sich aus Beiträgen zusammen, die Versicherte einzahlen. Ist das Geld im Fond alle, müssen Beiträge erhöht werden, damit wieder ein Polster entsteht.

Dorothee Meusch von der Techniker Krankenkasse: "Wenn eine Milliarde Euro für die Dokumentation von Diagnosen ausgegeben werden, dann fehlt diese eine Milliarde Euro an anderer Stelle. Wenn dieses über Jahre noch so weitergeht, wird sich das auch auf Beitragssätze auswirken." Die Kassen ließen sich zudem von Unternehmensberatern beraten, damit die Ärzte an der richtigen Stelle das Kreuzchen machen. Besonders intensiv würden die regionalen Kassen diese Schummelei betreiben: "Sie bekommen 2016 voraussichtlich eine Milliarde Euro mehr als sie für die Versorgung ihrer Versicherten benötigen." so Baas.

Die Staatsanwaltschaft überprüft jetzt die Vorwürfe der TK - und die Kassenärztliche Vereinigung beruhigt im Interview mit RTL: "Hierbei ist aber auf jeden Fall festzuhalten, dass keine Diagnosen erfunden werden. Die Patienten werden nicht kränker gemacht als sie sind", meint Dr. Uwe Kraffel.

Da wollen wir doch hoffen, dass am Ende keine höheren Beiträge anfallen - und das nur, weil Diagnosen bezahlt werden müssen, die ein Patient gar nicht hat.



Anzeige