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Zum Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe: Aktion 'Roses Revolution'

25.11.15 12:02
Tag gegen Gewalt in der Geburtshilfe
Bildquelle: iStock
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Am 25. November ist 'Tag gegen Gewalt bei der Geburtshilfe'

Gewalt im Kreißsaal oder im Wehenzimmer – gibt es das wirklich? Eigentlich unvorstellbar, vor allem in einem hochentwickelten Land wie Deutschland. Und doch gibt es Frauen, die sagen: "Mir wurde bei der Geburt meines Babys Gewalt angetan". Die Initiative 'Roses Revolution' ruft deshalb weltweit betroffene Mütter dazu auf, in ihrer Geburtsklinik eine rosa Rose niederzulegen – als Symbol dafür, dass in diesem Hause zumindest eine Gebärende etwas durchleben musste, was für sie traumatisierend war. Die Rose soll einen Umdenkprozess in Gang setzen: Bitte, redet darüber, wie ihr in Zukunft anders, besser auf die Bedürfnisse und Gefühle der Gebärenden Rücksicht nehmen könnt.

Von Ursula Willimsky

"Oft wird aus Routine Gewalt: Für die Geburtshelfer kann ein Ablauf völlig normal sein, der von der betroffenen Frau als traumatischer Übergriff auf ihren Körper empfunden wird. Ein klassisches Beispiel dafür sind die vaginalen Untersuchungen zur Feststellung des Geburtsfortschrittes oder auch das erzwungene Stillliegen während der CTG-Überwachung", formuliert es Dr. Katharina Hartmann, Initiatorin der Roses Revolution Deutschland, in einer Presseerklärung.

"Die Geburt verlief für die werdende Mutter traumatisierend". Der erste Reflex auf diesen Satz kann durchaus robust sein: Die soll sich mal nicht so haben, eine Geburt ist nun mal keine Wellness-Veranstaltung. Ihr habt Euch den Ärzten, Geburtshelfern, Hebammen hilflos ausgeliefert gefühlt? Seid froh, dass Ihr in einem Land lebt, in dem es Ärzte, Geburtshelfer und Hebammen gibt, die noch dazu einem hygienisch akzeptablen Umfeld arbeiten! Denkt nur mal an die niedrige Kindersterblichkeitsrate!

DIESE Sätze will keine Frau im Kreißsaal hören!

Laut Roses Revolution empfinden 10 Prozent der Mütter die Geburt als traumatisierend

Ja. So kann man auf das Thema reagieren (und sich dabei in Erinnerung rufen, auf welch hohem Standard unsere medizinische Grundversorgung ist). Aber laut 'Roses Revolution' empfinden dennoch 10 Prozent der Mütter die Geburt als traumatisierend - nicht nur wegen der Schmerzen: "Für eine gesunde Geburt reicht es nicht, dass Mutter und Kind leben – es ist an der Zeit, dass wir endlich achtsam mit den werdenden Müttern und ihren Kinder umgehen!" Die rosa Blume als Symbol für ein großes Thema: Mehr Menschlichkeit in der Medizin.

Der Deutsche Hebammen-Verband konstatiert in seinen "Empfehlungen für traumasensible Begleitung durch Hebammen", dass sich Mütter und Kinder in der Geburtshilfe mit einem System konfrontiert sehen, "das wirtschaftliche Ausrichtung und haftungsrechtliche Absicherung über Ihre Rechte nach Autonomie, Selbstbestimmung und körperlicher Unversehrtheit stellt. Auch das ist Gewalt, auch das führt zu unnötiger Traumatisierung. Es wird begünstigt durch Personaleinsparungen und finanzielles Aushungern empathischer Betreuung."

Die Empfehlungen widmen sich in erster Linie der Frage, wie Geburtshelfer Frauen unterstützen können, die in der Vergangenheit Opfer von Gewalt wurden. Doch auch ohne Vorgeschichte können die Begleitumstände der Geburt sehr belastend sein: "Fehlende oder nicht ausreichende Information, … körperliche Eingriffe, insbesondere ohne ausdrückliche Einwilligung der Frau, Übergriffe wie Festhalten, Lautwerden oder Anschreien, Vorenthalten von Schmerzmitteln oder eine anhaltend lieblose oder unfreundliche Behandlung bergen ein hohes Risiko, eine Frau (erneut) zu traumatisieren. Wenn die Frau zu viel allein gelassen wird, in der Betreuung vernachlässigt oder auch zu viel beobachtet wird, kann das von ihr als verletzend empfunden werden."

Jede Geburt ist eine Ausnahmesituation. Jede Gebärende hat größtmöglichen Respekt und Achtsamkeit verdient, so fordert es auch die WHO. Eine funktionierende Apparatemedizin allein kann das wohl nicht leisten. Katharina Hartmann tritt unter anderem für eine 1:1-Betreuung durch eine Beleghebamme ein: "Die seit Monaten vertraute Frau Müller, deren Sorgen und Ängste ich als Geburtshelfer kenne, behandle ich ganz anders als die unbekannte 'Erstgebärende aus Kreißsaal 2' oder die 'PDA in Kreißsaal 1'."

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