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Zum Tag des Kindergartens: "Eltern müssten vor allem mal Danke sagen"

Zum Tag des Kindergartens: "Eltern müssten vor allem mal Danke sagen"
Autorin Merle Wuttke fodert von Eltern mehr Wertschätzung des Kindergartens © BlueOrange Studio - Fotolia

Eltern sehen in der Kita einen Dienstleister

Heute ist der Tag des Kindergartens. Ein Pädagoge namens Friedrich Fröbel entwickelte vor langer Zeit Ideen, wie man junge Kinder fördern kann, und aufgrund dieser wurde vor 175 Jahren die erste Einrichtung gegründet. Seitdem hat sich viel verändert, Erzieher und Kindergärten müssen heute enorm flexibel und modern sein. Eins aber gilt nach wie vor: Wir als Eltern sollten froh sein, dass es überhaupt so etwas wie Kitas gibt

Von Merle Wuttke

Eigentlich mag ich den Kindergarten meiner Kinder sehr. Es ist eine städtische Einrichtung mit vielen Kindern, aber wenig ChiChi, mit einem großen Garten und mittags gibt es zum Essen noch so etwas Bodenständiges wie Senf-Eier. Seit zehn Jahren kenne ich diese Kita, meine Jüngste ist das Dritte meiner Kinder, das hier jeden Morgen fröhlich hingeht und mir nachmittags beim Abholen stolz seine Krickel-Krackel-Bilder zeigt. Im Moment wird meine Zuneigung allerdings etwas strapaziert. Das aber liegt weder am Kindergarten noch an den Erziehern, sondern, wenn ich ehrlich bin, an den anderen Eltern.

An Eltern, die sehr viel erwarten und die in einem Kindergarten wohl vor allem so etwas Ähnliches sehen wie einen gut sortierten Bio-Supermarkt. Als Service-Einrichtung. Ich bin darüber nach wie vor etwas erstaunt.

Als mein erster Sohn vor zehn Jahren in unserem Kindergarten in die Krippe kam, waren die Mütter um mich herum (und ich) nämlich heilfroh, überhaupt einen Krippenplatz ergattert zu haben, einen Platz in einer Kita, die glücklicherweise, auch einen Elementarbereich (ab drei Jahre) vorweisen konnte, in den das Kind nach der Krippe problemlos wechseln konnte. Einmal drin, musste ich mir also um die Kinderbetreuung bis zur Einschulung keine Sorgen mehr machen. Herrliches Gefühl.

Auch herrlich fand ich, dass die Erzieherinnen, obwohl größtenteils nur teilzeitbeschäftigt und personaltechnisch sowie finanziell unterversorgt, sich so um die vielen Kinder kümmerten als wären es ihre eigenen. Später, als mein erster und danach der zweite Sohn in die Gruppe der ab Dreijährigen wechselte, gab es zwar auch paar besondere pädagogische Angebote, aber an und für sich bestand der Tagesablauf aus Spielen, Malen und 'Machen-worauf-man-Lust-hat'.

Meinen Söhnen genügte das, meiner Tochter genügt das bis heute. Den heutigen Eltern genügt das offenbar nicht mehr. Leider. Heute müssen dieselben Erzieherinnen, die vor einigen Jahren mir in einem kurzen Gespräch einmal im Jahr erzählten, wie meine Kinder sich so im Kindergarten machen – ein Gespräch, das im Übrigen völlig ausreichte, um sicher zu sein, dass es dem Kind gut geht – heute müssen diese Erzieherinnen 'Portfolios' anlegen, in denen die Fortschritte jedes einzelnen Kindes möglichst akribisch aufgeschrieben werden.

Als meine Tochter das erste Mal von ihrem 'Fofolio' sprach, dachte ich, sie spräche sie von einem Plüsch-Pony. Ich meine ehrlich, sollten die Erzieherinnen die Zeit nicht lieber für etwas anders nutzen können? Für unsere Kinder zum Beispiel?

Statt zu fordern, sollte man auch einmal Danke sagen

Auch, was den Speiseplan angeht, reicht es in unserer Kita heute nicht mehr aus, dass dieser von Ernährungswissenschaftlern entwickelt und demnach nach bestimmten Vorgaben zusammengestellt wurde (immerhin haben wir das Glück, dass bei uns das Essen noch selbst zubereitet wird) – nein, auch hier mischen sich besorgte Eltern, denen Senf-Eier nicht so zusagen wie mir, regelmäßig ein.

Das Nachmittags-Eis im Sommer einmal in der Woche wurde deshalb für die unter Dreijährigen schon gestrichen. Ich hoffe nur, dass der Lese-Raum nicht bald in ein Yoga-Studio umgewandelt wird...

Ernsthaft, ich verstehe das nicht. Sollten wir uns nicht lieber alle daran freuen, dass die allermeisten Kindergärten in diesem Land und insbesondere die Menschen, die dort arbeiten, in erster Linie daran interessiert sind, unseren Kindern einen schönen Start ins Leben zu ermöglichen und dass es überhaupt Kindergärten gibt, die sich bemühen, den vielen neuen Ansprüchen gerecht zu werden?

Ich finde, Eltern müssten statt immer zu fordern vor allem einmal Danke sagen. Das vergessen nämlich viele über die Diskussion wie viel Zucker nun schädlich ist oder ob man Englisch-Unterricht für die Zweijährigen braucht. Und ein Tag wie heute, der ist doch geradezu perfekt für ein Dankeschön. Auch, wenn es Senf-Eier gab.

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