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Zu Müde für Sex: Wo bleibt die Zweisamkeit im Alltag mit Kind?

Zu Müde für Sex: Wo bleibt die Zweisamkeit im Alltag mit Kind?
© dpa, Jörg Carstensen

Verona Pooth ist zu müde für Sex

Abends habe ich oft „tausend Gedanken im Kopf, aber Sex ist keiner davon“. So einen Satz liest man doch gerne. Selbst wenn man gerade nicht in einer Alle-anderen-haben-ein-ganz-ganz-aufregendes-Leben-nur-ich-nicht-Phase steckt. Und vor allem, wenn er von einer Frau stammt, deren Image irgendwie für Lebenslust und Sexyness steht: Verona Pooth. Sie plauderte bei einem Fotoshooting über die drei großen Ks im Leben einer berufstätigen Mutter: Kinder, Karriere und Kaputtsein. „Wir sind oft zu müde", sagte die Werbe-Ikone, "wenn wir ins Bett gehen, liegen da drei Schnuller und ein Teddy. Und der kleine Rocco ruft zwischendurch "Mamamei" ins Babyphone." Zur Pflege der ehelichen Zufriedenheit entwickeln die Pooths deshalb ab und zu Fluchtinstinkte – und gönnen sich ein Wochenende zu zweit.

von Ursula Willimsky

Die inzwischen 45-Jährige und ihr Mann schaffen sich ganz bewusst einen schnullerfreien Raum, in dem sie mal wieder ein Paar sein dürfen: „Wir lassen Omi und Opi Pooth aufpassen und fahren einfach für ein oder zwei Tage weg. Wir checken in irgendeinem Hotel ein, gehen abends romantisch essen, zappen uns durch das Fernsehprogramm, genießen die Zeit zu zweit", erzählte sie der Illustrieren „Gala“. Auch dieser Satz mag die ein oder andere Mutter beruhigen: Selbst für Frau Pooth mit ihrem aufregenden Glamourleben hat allein schon die Aussicht, einfach mal einen Abend mit dem Mann ungestört vor dem Fernseher zu sitzen einen gewissen Reiz.

Man kennt das ja: Die guten Filme – Filme im „Spätprogramm ab 21.45 Uhr kommen für junge Eltern ja ohnehin kaum in Betracht – beginnen um 20.15 Uhr. Genau zu der Zeit also, in der mindestens ein Elternteil noch damit beschäftigt ist, wahlweise „noch schnell“ die Spülmaschine auszuräumen oder alternativ „bitte-bitte-nur-noch-eine-Seite“ vorzulesen. Für den Ausgang solcher Abende gibt es mehrere Möglichkeiten: Der eine Partner schläft auf dem Sofa vor dem Fernseher ein (weshalb er auch die 20.37-Uhr-Frage „Und, worum geht´s?“ nicht beantworten kann). Oder: Der andere Partner schläft über dem Bilderbuch ein. Oder: Beide schlafen, wo auch immer, ein.

Warum sind Eltern zu müde für Sex?

Dass bei Paaren mit kleinen Kindern die Zweisamkeit oft auf der Strecke bleibt, ist ja eine Binsenweisheit. Doch was soll man tun, damit in der Beziehung noch mehr läuft als nur die Spülmaschine? Experten raten dazu, sich bewusst immer mal wieder vor Augen zu führen, dass man eben nicht nur Eltern ist sondern auch ein Paar. Dazu gehört ein ganzes Bündel an Möglichkeiten, die man ausprobieren kann.

Manche Paare haben ein „Babysitter-Abo“ und gehen an einem Samstag im Monat schick essen oder ins Kino. Andere zelebrieren regelmäßig einen fernsehfreien Abend, den sie sich für den Gedankenaustausch mit dem Partner freihalten (und sich zumindest vornehmen, nicht nur über Alltagsprobleme zu reden!). Manche empfehlen sogar, sich jeden Tag ein paar Minuten in aller Ruhe zusammenzusetzen und über Gott, die Welt, den Job und die eigenen Gefühle reden. Oder, wenn es Geldbeutel und Betreuungssituation zulassen, auch mal für einen Kurztrip wegzufahren, um die Paarbeziehung zu warten und zu pflegen. Und um etwas zu erleben, das sich eben nicht mit einem „war das nicht goldig, wie der Lukas das gemacht hat?“ reflektieren lässt. Achja: Manche Fachleute raten auch dazu, trotz Kinderstress einfach mal wieder dem Partner Aufmerksamkeit zu schenken, ihn zu fragen, wie es ihm geht. Ihn vielleicht sogar in den Arm zu nehmen.

Eine andere Fraktion gehört eher der ausserhäusigen Linie an: Sie findet es vor allem wichtig, dass trotz des ganzen Familienalltags jeder der Partner auch noch sein eigenes Leben führt. Das heißt: Auch wenn man noch so müde ist und wirklich lieber auf dem Sofa sitzen bleiben würde, diesmal eben nicht der besten Freundin kurzfristig absagen, sondern mit ihr rausgehen, neue Eindrücke sammeln und Spaß haben. Damit man sich nicht selbst irgendwann abhandenkommt, sondern ein bisschen die bleibt, die man vor dem Mutterdasein war. Auch so etwas kann ungemein das Wohlbefinden und das Selbstbewusstsein stärken – zwei Punkte, die ja gemeinhin ebenfalls als wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Beziehung gelten.

Bei vielen Paaren funktionieren diese kleinen Fluchten allein oder zu zweit. Und danach freuen sie sich wieder auf ihre Familie. Oder wie es Frau Pooth sagt: Am nächsten Tag können sie und ihr Mann es "als Vollmami und Vollpapi" kaum noch erwarten, „unsere kleinen 'Pooth-Brothers' wieder in den Arm zu nehmen". Nur gegen die Mutti- Müdigkeit scheint auch „Vollmami“ Verona noch kein Patentrezept gefunden zu haben. In einem anderen Interview sagte sie nämlich, dass sie sich über ein Geschenk ganz besonders freuen würde: Nämlich „über einen Gutschein über zehnmal Ausschlafen.“

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