Zu dick für den Stuhl: Friseur verweigert 190-Kilo-Mann den Haarschnitt

"Sie sind zu dick für unseren Stuhl" - das hat sich Martin Sokor in einem Friseur-Salon anhören müssen.
Durfte der Friseur den Mann einfach wegschicken? © picture-alliance/ dpa/dpaweb, Heinz von Heydenaber

Diskriminierung oder gutes Recht?

Martin Sokor wird bei seinem Stammfriseur der Haarschnitt verweigert. Der Grund: Der 190-Kilo-Mann sei zu schwer, der Stuhl könnte unter seinem Gewicht zusammenbrechen. Dabei ist er in dem Hildesheimer Friseur-Salon seit zehn Jahren Kunde. Handelt es sich um eine Diskriminierung von Übergewichtigen?

„Herr Sokor, das ist mir ein bisschen peinlich, ihnen jetzt sagen zu müssen: Wir können ihre Haare nicht schneiden“, so eine Mitarbeiterin des Friseur-Salons. Angeblich ist das Gewicht von 190 Kilogramm zu viel für die Stühle, die im besagten Friseur-Salon stehen. Dabei gab es in der Vergangenheit nie Probleme – Martin Sokor ist immerhin seit zehn Jahren Stammkunde.

Der Salon weist die Diskriminierungsvorwürfe zurück: „Unsere Frisierstühle sind bis 140 Kilogramm zugelassen. Wir hatten bereits in der Vergangenheit den Fall, dass ein Stuhl nachgegeben hat und eine Mitarbeiterin verletzt wurde. Da es sich um einen Arbeitsunfall handelte hat die Berufsgenossenschaft eine Prüfung durchgeführt und auf das zulässige Gesamtgewicht der Frisierstühle hingewiesen. Den Vorwurf der Diskriminierung weisen wir entschieden zurück“.

Was müssen sich Dicke gefallen lassen?

Was müssen sich Dicke gefallen lassen? Darf eine Fluggesellschaft von einem Übergewichtigen mehr Geld verlangen? Darf ein Taxifahrer, ein Zahnarzt oder ein Restaurant jemanden einfach so ablehnen? "Wenn ich zu dick bin, dann darf er sagen, wir haben hier Sachgründe, warum wir dich nicht bedienen können, aber es darf eben nicht eines Abgleitens in diese Beleidigungstatbestände", so der Rechtsanwalt Arndt Kempgens.

Das bedeutet, dass der Dienstleister höflich und diskret bleiben soll – auch bei einem Rauswurf. Jeder Dienstleister hat übrigens ein Hausrecht, das heißt: Er darf bedienen, wen er will, und muss für die Sicherheit Sorge tragen. Rein rechtlich hatte Martin Sokors Friseur also Recht.

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