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Zeugnis: Kein Stress bei miesen Noten!

Zeuignis: Kein Stress bei miesen Zensuren
Zeuignis: Kein Stress bei miesen Zensuren © picture-alliance / dpa/dpaweb, Achim_Scheidemann

Fürsorge statt Strafe

In vielen Familien hängt der Haussegen aufgrund schlechter Schulnoten der Kinder schief. Doch die Eltern sollten nicht mit Beschimpfungen oder Strafen reagieren, damit die Kinder trotz schlechter Zensuren oder Zeugnisse ohne Angst nach Hause kommen können. Experten der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie empfehlen stattdessen gemeinsam nach Ursachen und Lösungswegen zu suchen. Wichtig ist dabei, dass Eltern an die Fähigkeiten ihres Kindes glauben und ihm Mut zusprechen.

Schulische Misserfolge können verschiedene Ursachen haben. Nicht jedes Fach liegt jedem Kind gleichermaßen, manchmal fehlt einfach der Zugang. Probleme mit Klassenkameraden oder Lehrern können das Lernen ebenfalls erschweren, genauso wie Ängste.

Reagieren Eltern auf schlechte Noten nur mit Druck und Strafe, wird sich die Problematik weiter verschärfen. Grundsätzlich gilt: Die elterliche Zuneigung darf nicht an die Leistung des Kindes gekoppelt werden. Dem stehen oft die Eltern mit ihren Ängsten um die Zukunft des Kindes im Weg. Bestehen in diesem Bereich Probleme, kann ein Gespräch mit Schulpsychologen oder dem schulpsychologischem Dienst helfen.

Ursachenforschung am besten gemeinsam

Vor allem wenn die schlechten Noten oder ein bescheidenes Zeugnis eine böse Überraschung sind, reagieren Eltern oft hilflos mit Wut. Den Schock können sich Eltern ersparen, wenn sie die Leistungen ihres Kindes über das ganze Schuljahr verfolgen. Wer weiß, was ihn erwartet, kann wesentlich ruhiger und souveräner reagieren. Das bringt allen Beteiligten mehr als eine hitzige Diskussion. Loben Sie gute Leistungen und besprechen Sie mit Ihren Kindern, wie die schlechten verbessert werden können. Lassen Sie Ihr Kind Vorschläge machen, wie es sich Hilfe wünscht. Bieten Sie auch von Ihrer Seite konkrete Unterstützung an, wie zum Beispiel Vokabeln abfragen. Sind die schlechten Noten auf mangelndes Lernen zurückzuführen, muss auch kritisiert werden, am besten ruhig und konstruktiv.

Kinder, Schule, Eltern - alle müssen ran

Es ist wirkungsvoll, wenn Eltern zusammen mit dem Kind Zwischenziele vereinbaren und auch regelmäßig überprüfen. Meist helfen schon kleinere Veränderungen wie verbindliche Hausaufgaben- und Lernzeiten, ein ruhiges Lernumfeld sowie Lernpausen, um den Kopf für neue Aufgaben frei zu bekommen. Die Unterstützung durch die Eltern kann bei manchen Kindern eine ganz entscheidende Rolle spielen.

Nachhilfe ist auf Dauer keine Möglichkeit, das Kind auf Schulniveau zu bringen. Entweder es klappt auch ohne diese extra Unterstützung oder es ist die falsche Schulform. Kinder können nicht vormittags in der Schule und nachmittags bei der Nachhilfe lernen. An der Schule fehlt für spezielle Fördermaßnahmen meist das Personal. Eine Möglichkeit ist, Lerngruppen mit Mitschülern ins Leben zu rufen, in denen die Kinder sich gegenseitig unterstützen.

Ebenfalls muss in der Schule etwas passieren. Auch hier sollten Ansätze gefunden werden, die zu mehr Erfolg führen. Entscheidend ist, dass Gespräche zwischen Eltern, Lehrern und Kindern stattfinden. Die Kinder sollten durchaus bei Gesprächen von Eltern und Lehrern dabei sein. Bei langfristigeren Problemen empfiehlt es sich, in regelmäßigen Abständen (etwa alle vierzehn Tage) in der Schule nachzufragen, wie sich das Kind verhält. Oft hilft es schon, wenn die Kinder merken, dass sich Eltern und Schule verständigen.

Jedes Kind ist einzigartig - Auch beim Lernen

Kinder haben ihr eigenes Lerntempo.
Kinder haben ihr eigenes Lerntempo. © dpa, Michael Löwa

Ob Kinder in der Schule schneller oder langsamer lernen, hat meist nichts mit der Intelligenz des Kindes zu tun. Der Lernerfolg hängt vielmehr mit dem Lernverhalten zusammen. Wichtig ist dabei, zu wissen, welcher Lerntyp das Kind ist. Beim Lernen benutzen wir unsere Sinnesorgane: Augen, Ohren, Geruchs- und Geschmacksinn sowie den Tastsinn. Bei jedem Menschen sind die Sinnesorgane unterschiedlich stark ausgeprägt und das entscheidet, ob man nun ein visueller, auditiver, kommunikativer oder motorischer Lerntyp ist. Allerdings sind Lerntypen in der Regel Mischtypen.

Beobachten Sie sich selbst: Auf welche Art und Weise haben Sie bisher die größten Lernerfolge erzielt? Wann fiel Ihnen das Lernen am leichtesten? In welcher Situation konnten Sie Neues nicht so gut aufnehmen und sich merken?

Verschiedene Lerntypen können individuell gefördert werden

Wenn Sie die Lernerfolge von Kindern verbessern wollen, dann finden Sie heraus, welcher Lerntyp Ihr Kind ist. Nehmen Sie sich einen Lerninhalt, den das Kind schwer versteht und malen dazu ein Bild (visuell), lesen den Lernstoff vor (auditiv), reden mit ihm darüber und lassen es sich erklären (kommunikativ) oder machen Sie ein Experiment dazu. Sie können auch Gesten verwenden und dabei im Zimmer auf und ab gehen (motorisch). Bei welcher Lernmethode hat das Kind den Stoff am besten verstanden?

Den größten Lernerfolg erreicht man allerdings, wenn man möglichst viele Sinne beim Lernen benutzt. Denn durch die unterschiedlichen Methoden kann man sich am Ende auch besser an das Gelernte erinnern.

Nur Hören: 20 Prozent

Nur Sehen: 30 Prozent

Sehen und Hören: 50 Prozent

Sehen, Hören und Diskutieren: 70 Prozent

Sehen, Hören, Diskutieren und selbst aktiv werden: 90 Prozent

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