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Zahl der Raucher: Deutschland hält traurigen Spitzenplatz

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Jeder siebte Deuschte stribt durchs Rauchen
Jeder siebte Deuschte stribt durchs Rauchen Mehr Regulierungen werden benötigt 00:00:48
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Jeder siebte Deutsche stirbt an den Folgen des Rauchens

Jeder siebte Deutsche stirbt an den Folgen des Rauchens. Trotzdem darf für Zigaretten weiterhin und in aller Öffentlichkeit geworben werden. Auf dem Weg zur Kita oder in die Schule kommen Kinder und Jugendliche unweigerlich an Plakatwänden vorbei, die schöne, hippe Raucher zeigen. Das Dasein der Zigaretten-Abhängigen wird als bunte, heile Welt präsentiert. Warum? Weil es erlaubt ist. Deutschland ist das einzige Land in der EU, in dem Tabak-Außenwerbung noch ohne Einschränkungen gestattet ist.

Plakatwerbung für Zigaretten: Nur bei uns erlaubt

Eine bizarre Situation: Einerseits gibt es groß angelegte Aufklärungs-Kampagnen. Und andererseits wird nur vergleichsweise wenig getan, um den angeblichen Reiz des Rauchens aus der Öffentlichkeit verschwinden zu lassen. Sehr schön hat das Marion Mortler formuliert, die Drogenbeauftragte der Bundesregierung: „Es kann doch nicht sein, dass wir mit einigen Millionen Euro aus dem Bundeshaushalt Tabakprävention in Schulen machen, es aber gleichzeitig zulassen, dass die Unternehmen mit einem Vielfachen unseres Budgets auf dem Schulweg unserer Kinder Tabakwerbung aufstellen“, sagte sie der dpa.

Mortler und Bundesernährungsminister Christian Schmitz wollen noch in dieser Legislaturperiode ein Verbot der Außenwerbung für Tabak durchsetzen. In Kraft treten soll die neue Regelung 2020 – so viel Zeit muss man der Industrie für die Umstellung zugestehen. Die Schock-Bildchen auf den Zigaretten-Packungen kamen ja auch nicht über Nacht.

Mit dem neuen Gesetz soll die Zigarettenwerbung auch aus den Kinos verschwinden: Nur vor Filmen ab 18 dürfte dann noch für Tabak geworben werden. Seit einem Jahr gibt es um diesen Gesetzentwurf Gerangel. Gegner des Verbots sagen: Diese Einschränkung der Werbefreiheit könnte eine der Grundregeln freier Märkte aushebeln. Sie könnte das Tor öffnen für andere Werbe-Verbote (beliebte Stichwörter in dieser Diskussion: Nanny-Staat, Genuss in Eigenverantwortung, staatliche Bevormundung). Tabakindustrie, Werbewirtschaft und Kommunen befürchten zudem erhebliche Einnahmeverluste.

Da möchten wir gegenhalten: Na und? Dafür gäbe es im Gegenzug ja höchstwahrscheinlich auch erheblich weniger Kosten im Gesundheitswesen. Denn nicht nur das Rauchen ist inzwischen teuer, auch die Behandlung der Folgen ist teuer. Das alles – das viele Geld, die Schmerzen und das Leid – könnte man sich sparen, wenn von vorneherein mehr für ein rauchfreies Leben getan würde, beziehungsweise für dieses Suchtmittel gar nicht erst geworben werden dürfte. 

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Nur relativ wenige hören auf zu rauchen

Weltweit nimmt die Zahl der Raucher stetig ab. Zwischen 1990 und 2015 ist ihr Anteil an der Bevölkerung durchschnittlich um 15,3 Prozent zurückgegangen, so eine internationale Expertengruppe im Fachblatt 'The Lancet'.  Diesen Erfolg begründen die Forscher damit, dass viele Länder mittlerweile den Kampf gegen das Rauchen aufgenommen haben.

Zugegeben. Auch in Deutschland wird weniger geraucht. Allerdings ist der Rückgang hier recht verhalten: Bei den Männern jedes Jahr 0,9 Prozent – bei den Frauen sogar nur 0,3 Prozent. Nimmt man die absoluten Zahlen, gehört Deutschland mit 16,3 Millionen Rauchern zu den Flop-Ten der Länder mit den meisten Rauchern, so die Forscher. Und auch beim Thema Werbung für Tabak steht Deutschland auf einem der hinteren Ränge: Es ist das einzige Land in der EU, in dem Außenwerbung überhaupt noch ohne Einschränkungen erlaubt ist, in allen anderen Mitgliedstaaten ist sie verboten, nur Bulgarien erlaubt sie noch partiell.

Zwar hat sich die Tabakindustrie selbst dazu verpflichtet, auf Werbeplakaten keine Models zu zeigen, die jugendlich aussehen: Sie müssen sichtbar älter als 30 sein. Aber dennoch gibt es viel zu viele jugendliche Raucher. Dazu das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft auf seiner Website: „Trotz des seit Jahren geltenden Abgabeverbots gibt es in Deutschland derzeit über 365.000 jugendliche Raucher. Besonders Kinder und Jugendliche sind empfänglich für Werbung. Gerade sie müssen also vor dem Einfluss von Tabak-, E-Zigaretten- und E-Shisha-Werbung und dem dort vermittelten positiven Image des Rauchens oder Dampfens geschützt werden.“

Das Zeug teuer verkaufen, ist eine Möglichkeit. Der hohe Preis kann Jugendliche abschrecken und für manchen süchtigen Erwachsenen der Kick-Off in ein gesünderes, rauchfreies Leben sein. Aber mindestens genauso wichtig scheint uns eine klare Haltung des Staates und der Gesellschaft zum Thema Rauchen – und dazu gehören auch Verbote und Reglementierungen. Hat ja auch beim Rauchverbot in Restaurants geklappt, das dafür gesorgt hat, dass Kinder ihre Pizza nicht mehr eingenebelt von Zigarettenqualm essen müssen.

Ja. Das klingt nach Nanny-Staat, aber bei diesem Punkt fällt uns tatsächlich kein Argument ein, das gegen ein bisschen Fürsorgepflicht des Staates gegenüber seinen Bürgern spricht. Vor allem wenn man bedenkt, dass laut Universität Heidelberg in Deutschland jeder siebte Mensch an den Folgen des Rauchens stirbt. Weltweit geht jeder zehnte Todesfall auf das Konto des Rauchens. Noch ein trauriger Spitzenplatz.

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