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'Young Urban Creative': Darum ist der Yuccie nicht besser als der Hipster

'Young Urban Creative': Der Hipster ist tot - jetzt kommt der Yuccie
David Infante hat den Begriff 'Hipster' neu definiert

Yuccie - eine Mischung aus Hipster und Yuppie

Sie sitzen Soja-Latte schlürfend in veganen Cafés, flitzen mit ihren Fixies durch die Straßen und stellen dabei gerne ihre neuesten Tattoo-Errungenschaften zur Schau. Ja, jeder kennt sie: die Hipster. Doch in den letzten Jahren wurde der Begriff so inflationär gebraucht, dass man schon zum Hipster wird, wenn man nur Hornbrille und Jutebeutel trägt. Für den Schriftsteller David Infante aus dem New Yorker Szene-Stadteil Brooklyn Grund genug, den Begriff neu zu definieren.

Von Mariana Jang

Denn als Hipster, wie man den Bart tragenden und Single-Speed-Bike fahrenden Mann auf den ersten Blick beschreiben würde, sieht sich David Infante nicht. Stattdessen bezeichnet er sich auf 'Mashable.com' als Yuccie - eine Wortneuschöpfung, die sich aus "Young Urban Creative" zusammensetzt. Nach Infantes Definition sind Yuccies eine Mischung aus Yuppies und Hipster - erfolgreich wie Yuppies, aber kreativ wie Hipster. Sie sind Startup-Unternehmer, koordinieren Instagram-Kampagnen für Lifestyle-Produkte, bringen Tinder für Hunde heraus oder stellen Sonnenbrillen aus Bambus her - lebenswichtige Sachen also. Vor allem geht es ihnen aber darum, ihren Idealismus und ihre Kreativität zu wahren. Denn Yuccies wollen nur mit ihren eigenen Ideen Geld verdienen und nicht nur die eines anderen ausführen.

Dass der Hipster endlich mal für tot erklärt werden musste, da stimme ich voll und ganz zu. Denn mit seiner Ursprungsform hat der 'Club Mate' trinkende und (pseudo-)individuelle Hipster nichts mehr zu tun. Damals lehnte er die Konsumkultur ab, heute nur noch den Mainstream. Doch gegen den Mainstream zu sein, ist schon längst zum Mainstream geworden. Und genau darin liegt der Widerspruch, wie Infante in seinem Essay richtig stellt: "Wenn jeder gegen den Mainstream ist, ist es niemand. Wenn jeder ein Hipster ist, ist es niemand."

Stimmt. Doch muss jetzt wirklich ein neuer Begriff aus dem Boden gestampft werden, der sich aus zwei nicht wirklich erstrebenswerten Subkulturen zusammensetzt? Da kann der Yuccie noch so autonom und kreativ sein und hinter dem stehen, was er macht, wie Infante immer wieder betont. Denn außer der Tatsache, dass er durch seine ach so kreativen Ideen etwas mehr Geld auf dem Konto hat, unterscheidet er sich kaum von dem von ihm verpönten Hipster. Darum ist die Yuccie-Bewegung meiner Meinung nach nur der erneute Versuch, sich von einer Masse abzuheben, in die sie selbst bald wieder versinken wird.

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