#YesAllWomen: #Aufschrei gegen Gewalt und Sexismus

#YesAllWomen: #Aufschrei gegen Gewalt und Sexismus
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#YesAllWomen: Was bewirkt der #Aufschrei?

Nach dem Amoklauf eines US-Studenten, bei dem sieben Menschen starben, formierte sich ein neuer so genannter Hashtag gegen Seximus und Gewalt ähnlich wie der Hashtag #Aufschrei, der vor über einem Jahr hier für Furore sorgte. Der vermeintlich psychisch kranke Täter aus den USA gab als Grund für seine Tat Frauenhass an. Jetzt wehren sich überall auf der Welt Frauen und Männer mit Tweets gegen Frauenfeindlichkeit.

Von Merle Wuttke

Sieben Menschen mussten sterben, 13 wurden schwer verletzt, weil Elliot Rodger, 22 Jahre alt und Student, bis zu diesem Tag noch nie eine Frau küssen, berühren oder mit ihr schlafen durfte. Weil er sich einsam und von Frauen ungerecht behandelt und zurückgewiesen fühlte. Weil er sozial gestört und ich-bezogen durch die Welt ging und Frauen hasste. Krank? Ja, aber leider auch kein Einzelfall. Immer wieder töten Männer, weil sie Frauen verachten, sich nicht von ihnen anerkannt fühlen oder – wie in den meisten Beziehungstaten – der Fall, weil der Mann selbstbestimmtes Handeln der Frau nicht erträgt.

Regelrecht alltäglich sind darüber hinaus Sexismus und Gewalt gegen Frauen. Darauf macht jetzt auch der aktuelle amerikanische Hashtag #YesAllWomen aufmerksam – Frauen und Männer berichten darin über ihre Erfahrungen und Beobachtungen. Weltweit. Darin fallen Sätze wie "Ich weiß buchstäblich nicht, wie es ist, eine dunkle Straße entlang zu gehen, ohne Angst zu haben." Oder: "Ich möchte anziehen, was ich will, ohne Angst zu haben." Das Ganze erinnert an die #Aufschrei-Aktion der Feministin Anne Wizorek, durch die im letzten Jahr auch hierzulande nach langer Zeit endlich öffentlich wurde, wie verbreitet misogyne Ansichten in unserer Gesellschaft immer noch sind und wie verharmlosend Alltags-Sexismus betrachtet wird. Wochenlang ging es damals in den Medien darum, wie Männer und Frauen besser miteinander und ohne Sexismus leben können. Und dann? Standen die ersten Schoko-Weihnachtsmänner in den Läden und die Debatte verschwand – so schien es – aus der öffentlichen Wahrnehmung.

Wehrt euch!

Zumindest aus der üblichen Medienmischung von TV, Magazinen und Tageszeitungen. Im Netz und in feministisch orientierten Magazinen werden Frauen nicht müde, weiter auf das Thema aufmerksam zu machen. Zum Glück. Denn aus den Köpfen verschwunden ist es natürlich nicht, das komische Bild, das einige Männer von Frauen haben. Sogar unsere Verteidigungsministerin ist nicht davor gefeit: "Mutter der Kompanie", " Kommandos in Sopran", waren nur einige Formulierungen zu denen sich seriöse Medien bei von der Leyens Amtsantritt verstiegen. Und die große Regisseurin Jane Campion stellte gerade erst beim Filmfest in Cannes wieder einmal fest, dass "in dieser Industrie Sexismus wie angeboren ist."

Ja, es ist noch ein langer, langer Weg bis Herrenwitze und Grapschereien so verpönt sind wie der Begriff "Negerkuss". Bis dahin bleibt Frauen nur übrig, immer wieder auf Alltagssexismus hinzuweisen und sich zu wehren. Oft ist den Tätern ja erschreckenderweise nicht mal bewusst, was an ihrem Spruch so demütigend war. In der lustigen Kollegenrunde am späten Abend, kann und sollte man bei verbalen Anzüglichkeiten oder tiefen Blicken deshalb sofort die Reißleine ziehen und mit einem knappen "Das ist nicht witzig, sondern beleidigend" oder "Sprechen meine Brüste mit Ihnen oder ich?" dem Betreffenden seine Grenze aufzeigen. Und somit allen anwesenden Männern auch. Das erfordert Mut und Selbstbewusstsein, aber anders wird sich wohl nicht viel ändern. Und bei Anzüglichkeiten oder Tätlichkeiten im Büro sollte man sich sofort an den Betriebsrat oder die Gleichstellungsbeauftragte wenden.

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