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Wunschgeschlecht: Die meisten Eltern hätten gerne einen Jungen

"Weniger harte Arbeit"
Die meisten Eltern hätten gerne einen Jungen © Alina Isakovich - Fotolia

Hatten Sie ein Wunschgeschlecht?

Die Hälfte aller US-Amerikaner wünscht sich als erstes Kind einen Jungen. Das allein –so viel Ahnung von Statistik haben wir– wäre ja nicht verwunderlich, wenn es denn so wäre, dass sich die andere Hälfte ein Mädchen wünschen würde. Dem ist aber nicht so: Mädchen stehen nämlich in Sachen Wunschgeschlecht nur bei 21 Prozent auf Platz 1. Dem Rest ist es egal. Woher kommt das? Wieso wollen so viele Paare, dass ihr Erstgeborenes ein Junge ist? Bei der US-Umfrage fiel die Antwort eindeutig aus: Weil sie glauben, dass Jungs „weniger harte Arbeit“ bedeuten. So eine Einschätzung schmerzt natürlich, gerade wenn man selbst eine Frau ist. Hatten unsere Mütter wirklich mehr Arbeit mit uns als mit unseren Brüdern?

Von Ursula Willimsky

Spontan könnte uns da höchstens die Wäsche einfallen. Rosa Rüschen-Chi-Chis sind pflegeintensiver als olivfarbene Cargoshorts. Das schon. Aber sonst? Hmmm. Windeln brauchen am Anfang beide Geschlechter. Und was zu essen auch. Und Liebe (sofern man das überhaupt beim Punkt „Arbeit“ anführen darf). Und später? Wenn man Müttern mit heranwachsenden Töchtern glauben darf, sind auch Mädchen durchaus in der Lage, jede Menge Mist zu bauen. Dafür wollen sie, relativ gesehen, vermutlich seltener herausfinden, was passiert, wenn man den von Sylvester übriggebliebenen Knaller unter einen Gully-Deckel schiebt. So gesehen, machen Mädchen doch zumindest nicht mehr Arbeit als Jungs? Was soll das überhaupt heißen: Sie machen mehr Arbeit? Schmutzen sie stärker? Dauert das Föhnen der Haare länger, weil die Haare länger sind? Muss man - statistisch gesehen – eher damit rechnen, dass man ihnen ein Studium finanzieren muss? Oder eine teure Hochzeit ausrichten? Was insofern mehr Arbeit bedeuten würde, als man mehr Geld verdienen muss.

Wie dem auch sei. Das Thema „Wunschgeschlecht“ scheint ein großes zu sein. Im Internet wimmelt es von Foren, in denen munter über Theorien zur „richtigen“ Ernährung und zum „richtigen“ Zeitpunkt für Sex spekuliert wird, damit das zu zeugende Kind ein Junge oder eben ein Mädchen wird. Von Natur aus stehen die Chancen ja ganz gerecht auf 50:50; es gibt allerdings Untersuchungen, nach denen zum Beispiel in Krisenzeiten mehr Mädchen zur Welt kommen. Und angeblich spielt auch die Ernährung eine verschwindend kleine Rolle.

Viele Methoden, um das „richtige“ Geschlecht zu zeugen, funktionieren vielleicht nur deshalb scheinbar, weil die Chancen auf das Wunschgeschlecht einfach so gerecht verteilt sind. Ein Lottogewinn ist deutlich unwahrscheinlicher als die Geburt eines (Wunsch)-Mädchens. Aber warum träumen so viele werdende Eltern eigentlich von einem Jungen oder einem Mädchen? Kaufen vielleicht schon vor der Geburt die Erstausstattung in einer bestimmten Farbe oder machen sich nur auf die Suche nach einem Jungennamen? Selbst wenn sie wissen, dass auch das beste Ultraschallbild in Sachen kleiner Unterschied manchmal fehlinterpretiert werden kann?

Eltern glauben, Jungen passen besser auf ihre Geschwister auf

Viele Frauen wünschen sich zum Beispiel als erstes ein Mädchen – weil es für die vieeeel süßere Babyklamotten gibt. Oder sie wünschen sich einen Jungen – weil sie hoffen, mit ihm ihre Leidenschaft für Technik-Baukästen wieder aufleben lassen zu können. Oder sie wollen ein Mädchen, weil sie glauben, dass die Bande zwischen Mutter und Tochter stärker sind als zwischen Mutter und Sohn. Oder sie wollen einen Jungen, einfach so, weil in ihrem Herzen schon ein Bild von ihm existiert. Oder – ganz pragmatisch – weil ein zweitgeborenes Mädchen prima die Klamotten des großen Bruders auftragen kann, was andersherum ab einem gewissen Alter eher problematisch sein dürfte.

Bei der US-Umfrage wurde noch ein Argument für Jungs in Spiel gebracht: Ein Drittel der Befragten glaubte, dass ältere Brüder einfach besser auf ihre kleinen Geschwister aufpassen. Und 19 Prozent wollten ganz einfach, dass auf jeden Fall der Familienname weiterlebt. Sind es wirklich solche handfesten Gründe, die werdende Mamis von einem Baby in blau oder rosa träumen lassen? Oder ist es nicht eher so, dass viele von ihnen einfach ein inneres Bild in sich tragen – von einem Mädchen, das auf einer sonnenüberfluteten Wiese einen Blumenstrauß für die Mama pflückt oder von einem Jungen, der eine ganz tolle Sandburg baut? Oder umgekehrt. Einige glauben vielleicht einfach, dass sie bessere Mädchen-Mütter sind oder mit Jungs einfach leichter klarkommen. Und manchen ist es tatsächlich egal, wie viele X-Chromosome ihr Kind denn hat. Hauptsache es ist gesund (was auch bei der US-Umfrage übrigens 95 Prozent als wichtigsten Punkt angaben).

Viele Schwangere berichten über ein „schlechtes Gewissen“, weil sie erst einmal enttäuscht waren, als sie erfuhren, dass ihr Baby jetzt doch keine Karla sondern ein Karl wird. Einige haben sich schon so in eine bestimmte Konstellation hineingeträumt, dass es ihnen zunächst schwerfällt, umzuswitchen und sich auszumalen, wie es denn jetzt mit einem Piraten oder einer Prinzessin in der Familie wird. Aber immerhin dauert ja eine Schwangerschaft an die 40 Wochen – Zeit genug, sich auch mit dem „anderen“ Geschlecht anzufreunden. Und nach der Geburt kommt ja noch ein langes, gemeinsames Leben, in dem man mit der Tochter zum Fußball und mit dem Sohn zum Hockey gehen kann. Und so entdeckt, dass genau dieses Kind der Familie noch gefehlt hat.

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