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Working Mom: Morgens Büro, nachmittags Kinderturnen

Working Mom - der doppelte Alltag
Britta Dorn ist sieben Monate nach der Geburt ihres Sohnes wieder in den Job eingestiegen - und bereut es nicht. © RTL interactive

Working Mums brauchen viel Planung

Bin ich eine Rabenmutter? Ab und an stelle ich mir diese Frage. Ich habe einen vierjährigen Sohn und arbeite fünf Tage in der Woche. Auch wenn es eine bewusste Entscheidung war, sieben Monate nach der Geburt meines Sohnes zu 80 Prozent wieder in den Beruf einzusteigen, habe ich sie damals häufig hinterfragt. Warum? Weil ich in Deutschland lebe. Hier ist es nicht normal, weniger als ein Jahr lang in die Babypause zu gehen. Im Gegenteil, die meisten Mütter, mit denen ich befreundet bin, bleiben sogar noch länger zu Hause – manche steigen gar nicht wieder ein.

Von Britta Dorn

Ob ihnen denn ihr Beruf keinen Spaß macht – das habe ich sie alle gefragt. Doch, aber jetzt sei erst einmal das Kind wichtiger. Schließlich habe man ja schon jahrelang geackert und es sei doch auch ganz schön, wenn man nicht arbeiten müsse.

Faul sind diese Frauen sicher nicht. Ich weiß, dass ein Tag mit Kind mindestens genauso anstrengend sein kann wie ein Tag im Büro. Beides zu vereinen – das scheint vielen unmöglich. Ist es aber nicht. Ich liebe meinen Beruf und sehe ihn nicht als Belastung an, sondern als Bereicherung. Obwohl es nicht einfach ist, den Alltag mit Kind und Job zu meistern. Es bedarf viel Struktur und Planung, damit alles läuft und nichts auf der Strecke bleibt.

Zum Beispiel ist der Nachmittag für meinen Sohn reserviert, und zwar nur für ihn. In dieser Zeit wird nicht gearbeitet, nicht geputzt, nicht telefoniert. Und wir beide genießen das. Klar gibt es auch Tage, an denen ich gestresst aus dem Büro komme, mit meinen Absätzen im Spielplatzsand versinke, während mein Sohn sich kreischend auf dem Boden wälzt, weil ich ihm kein zweites Eis kaufen will. Aber das sind zum Glück die Ausnahmen.

Ein familienfreundlicher Arbeitgeber ist möglich

Voraussetzung für die Vereinbarkeit ist aber, und das sehe ich immer wieder, ein familienfreundlicher Arbeitgeber. Ich höre von vielen Müttern, dass sie im Berufsalltag gegen Klischees kämpfen, als unbequemer Störfaktor gelten und teilweise sogar gemobbt werden. Ich habe das Glück, dass Mütter in meiner Redaktion willkommen sind. Dienstpläne werden abgesprochen und wichtige Meetings finden in den Kerndienstzeiten statt. Und ist mein Sohn einmal krank, kann ich ohne schlechtes Gewissen bei ihm zu Hause bleiben. Auch das ist nicht überall selbstverständlich.

Manchmal ist es anstrengend, beide Rollen auszufüllen. Im Job bin ich ein ganz anderer Mensch als zu Hause. In beiden Welten gibt es ganz unterschiedliche Herausforderungen, denen man sich stellen muss. Aber genau diese Herausforderungen machen doch das Leben spannend!

Ich arbeite aber auch für meine finanzielle Unabhängigkeit. Als mein Vater mich letztens besorgt ansah und meinte, ich sähe ganz schön gestresst aus und mir ans Herz legte, ich solle doch einfach mal mit dem Arbeiten aufhören, schließlich müsste ich das doch gar nicht – da war ich schlichtweg entsetzt. Aus finanzieller Sicht müsste ich nicht zwingend arbeiten. Mein Mann hat einen guten Job. Aber wie wäre das, ohne eigenes Geld? Könnte ich mir dann immer noch guten Gewissens Schuhe kaufen, die ich eigentlich gar nicht brauche? Wahrscheinlich müsste ich ihn vorher fragen. Nein, das geht nicht. Wir sind doch nicht im Mittelalter.

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