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Work-Life-Balance: Jeder Fünfte ist nach Arbeitstag zu erschöpft für Freizeitaktivitäten

Work-Life-Balance: Jeder Fünfte ist nach Arbeitstag zu erschöpft für Freizeitaktivitäten
Jeder Fünfte hat nach der Arbeit keine Kraft mehr für Freizeitaktivitäten. © picture alliance / Bildagentur-o, Bildagentur-online/Tetra-Images

Work-Life-Balance ist bei 20 Prozent der Deutschen gestört

Eine neue Studie zeigt: Jeder fünfte Arbeitnehmer ist nach seinem Arbeitstag zu erschöpft für Freizeitaktivitäten – von Work-Life-Balance kann man hier nicht sprechen. An Treffen mit Freunden, Sport, Engagement im Verein und andere private Verpflichtungen ist für 22 Prozent nach Feierabend nicht mehr zu denken. Das zeigt eine repräsentative Umfrage der gesetzlichen Kranken- und Unfallversicherungen.

Die Umfrage soll dabei helfen, arbeitsbedingten Gefahren vorzubeugen. Sie wurde im Auftrag der Initiative Gesundheit und Arbeit (IGA) durchgeführt - befragt wurden 1960 Berufstätige. Die Umfrage fördert besorgniserregende Zahlen zutage: 18 Prozent der Befragten lassen hin und wieder private Termine wegen des Jobs ausfallen.

Das liegt in vielen Fällen an Überstunden: 38,5 Prozent der Befragten sagen, dass bei ihrer Tätigkeit Mehrarbeit erwartet wird. 21,7 Prozent der Arbeitnehmer müssen sogar in der Freizeit erreichbar sein. Das führt wiederum dazu, dass sich die Menschen aus dieser Gruppe stets einsatzbereit fühlen: 18 Prozent von ihnen lassen schon mal Freizeitaktivitäten ausfallen, weil eventuell ein Anruf vom Chef kommen könnte.

Die IGA empfiehlt klare Absprachen und ausreichende Zeitpuffer, was die Erreichbarkeit nach dem Feierabend angeht – so ließen sich möglicherweise die Erschöpfungszustände vorbeugen. Auch das Bundesarbeitsministerium nahm zu den Zahlen Stellung: Das Bundesarbeitsministerium zeigte sich grundsätzlich offen für Forderungen aus der SPD nach einem Anti-Stress-Gesetz, das die Verfügbarkeit von Arbeitnehmern grundsätzlich regeln soll.

Work-Life-Balance-Umfrage: Anerkennung wirkt positiv

Die Bundesregierung beobachte zwar mit großer Aufmerksamkeit die wachsende Zahl psychischer Erkrankungen. Allerdings reiche der Wissensstand noch nicht aus, um derzeit gesetzliche Regelungen umzusetzen. Gleichwohl wolle man noch in dieser Legislaturperiode zu konkreten Handlungsempfehlungen kommen, bekräftigte eine Sprecherin.

Die Umfrage liefert allerdings auch ein paar positive Erkenntnisse: Etwa 80 Prozent der Befragten sind der Meinung, dass ihre Tätigkeit sie fit hält und ihnen Anerkennung bringt. Rund zwei Drittel der Arbeitnehmer denken, dass die Arbeit in ihrem Leben den richtigen Stellenwert habe. Nur 21 Prozent würden bei einer guten Gelegenheit die Branche oder den Arbeitgeber wechseln wollen.

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