'Women against feminism': Was läuft schief mit dem Feminismus?

'Women against feminism': Was läuft schief mit dem Feminismus?
Stirbt der Feminismus in der jüngeren Generation aus?

Junge Menschen verstehen den Feminismus nicht mehr

Im Frühjahr startete die 'Junge Alternative für Deutschland' eine Kampagne gegen Feminismus. Nun gibt es die Bewegung auf im weltweiten Netz als 'Woman against feminism'. Hat der Feminismus ein Problem? Muss er sich ändern? Warum verstehen ihn viele junge Frauen nicht mehr?

Von Christiane Mitatselis

Auch die Antifeministinnen der internationalen Internet-Bewegung veröffentlichen selbstaufgenommene Selbstporträts mit selbstgeschriebenen Schildern. Ihre Kommentare zielen in die gleiche Richtung wie die der "Jungen Alternative für Deutschland", die im Frühjahr vor den Europawahlen aktiv geworden war. "Ich brauche keinen Feminismus, weil ich es mag, wenn mein Mann Komplimente über meinen Körper macht." Oder: "Ich brauche keinen Feminismus, weil Kinder keine Strafe sind, weil es keine Unterdrückung ist, für meinen Mann zu kochen, weil andere nicht für mich kämpfen müssen…"

Es ist ein klassisches Dilemma. Der Feminismus hatte in Deutschland seine erste große Welle Anfang des 20. Jahrhunderts, als es gesellschaftliche Norm war, dass Frauen keine Rechte hatten. So wurde das feminine Wahlrecht hierzulande erst 1919 eingeführt. Auch die zweite große Feminismus-Welle in den 60er und 70er Jahren kämpfte noch gegen eklatante Missstände, um die Würde der Frauen, die damals ohne Einwilligung des Gatten nicht arbeiten durften. Dieses Recht wurde ihnen erst 1977 bewilligt. Bis 1962 konnten verheiratete Frauen ohne Zustimmung des Mannes kein Bankkonto eröffnen.

Niemals ging es darum, Frauen zu verbieten, Hausfrau und Mutter zu sein, sondern darum, Frauen Türen zu einem selbstbestimmten Leben zu öffnen. Feministinnen mussten radikal und stark sein, um wahrgenommen zu werden und sich durchzusetzen. Und sie haben viel erreicht, Frauen können heute so leben, wie sie wollen, genießen alle Freiheiten der Männer, können glücklich und unbeschwert leben. Wer jung ist (und nicht besonders viel nachdenkt), versteht den Feminismus deshalb wahrscheinlich gar nicht, findet ihn alt und engstirnig und wendet sich gegen ihn. Es ist, wie gesagt, ein Dilemma.

Frauen: Wir müssen einander verstehen lernen!

Dabei gibt es auch heute noch jede Menge gesellschaftliche Ungerechtigkeiten: Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt trotz besserer Schul- und Universitätsabschlüsse weniger als Männer, es gibt kaum Frauen in Führungspositionen, Frauen übernehmen einen Großteil der Familienpflichten und werden von Männern nicht ausreichend entlastet – und so weiter. Es gibt Gründe, weiter eine kritische Haltung einzunehmen und zu kämpfen; Frauen sind in der westlichen Welt noch lange nicht vollständig gleichberechtigt.

Natürlich hat muss man beide Seiten sehen. Warum werden Feministinnen als so engstirnig, lustfeindlich und intolerant wahrgenommen? Wie groß ist die feministische Toleranz gegenüber der klassischen Hausfrau? Wird sie ernst genommen – oder als konservatives Dummchen angesehen? Oder anders ausgedrückt: Auch wenn ihre Weltsichten unterschiedlich ist, sollten Frauen miteinander sprechen und versuchen, sich zu verstehen, anstatt sich gegenseitig zu verunglimpfen.

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