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Wo feiere ich Weihnachten? Bei den Eltern? Wann wird es Zeit für eine eigene Tradition?

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SO wird Ihr Weihnachten ganz entspannt Oh, du Schreckliche? 00:02:11
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Heute hier, morgen dort…

Welches Lied trifft unsere Befindlichkeit an Weihnachten am besten? Wir schlagen den Hannes-Wader-Klassiker „Heute hier, morgen dort. Bin kaum da, muss ich fort!“ vor. Schließlich sind die Feiertage oft von reger Reisetätigkeit geprägt: Zur Bescherung zu den eigenen Eltern. Am ersten Weihnachtstag bei seinen Eltern Mittagessen mit üppigem Kaffee-Gedeck im direkten Anschluss. Und am zweiten Weihnachtstag müssen wir dann noch unbedingt bei Tante Erna vorbeischauen. Liegt ja fast auf dem Weg und gehört sich so. Wirklich?

Von Ursula Willimsky

Alle Jahre wieder stellt sich die Frage: Mit wem verbringe ich Heilig Abend?

Alle Jahre wieder stellt sich die Frage: Wo und mit wem feiere ich, feiern wir Weihnachten? Die eigenen Eltern bieten sich als Top-Adresse an; wenn dieses Arrangement zur eigenen Gefühlslage und den eigenen Lebensumständen passt, ist diese Lösung einfach wunderschön. Was aber, wenn man Single ist und Heilig Abend statt mit Mama und Papa mit seinen besten Freunden verbringen will? Paare auch mal unter dem eigenen, gemeinsamen Tannenbaum sitzen und nicht schon wieder dem Liebsten in Hannover via Smartphone mitteilen wollen, dass er einem hier in Erding ganz arg fehlt? Wenn man keine Lust hat, an diesen drei Tagen 1.038 Kilometer zurückzulegen, nur um ungefragt noch eine Bratenscheibe auf den Teller gelegt zu bekommen?

Tja. Dann ist wohl die Zeit gekommen, in der man sich selbst und seinen Eltern beweisen muss, dass man erwachsen geworden ist. Und für die Eltern wird es dann Zeit, sich zurückzulehnen und zu sagen: Hey! Das Kind ist erwachsen und steht auf eigenen Beinen. Hab ich gut gemacht! Abnabelungsprozess nennt man das in der Psychologie; und der kann weh tun, beschwerlich sein – mitunter aber durchaus zur Zufriedenheit aller enden.

Für Paare kommt dieser Moment häufig, wenn sie selbst Eltern geworden sind: Im ersten Jahr wird das Baby eingepackt und zu den Großeltern gekarrt. Im Jahr darauf überlegen sich dann alle ganz genau, ob diese Idee wirklich so clever war; Omas Wohnung ist ja nicht unbedingt darauf ausgerichtet, dass eine ganze Familie samt Reisebettchen, Kinderstühlchen, Kuscheldecke, Babygläschen-Wärmer und Windelbergen sich bei ihr einnistet. Dann doch lieber die Großeltern zu sich einladen – es ist immer noch einfacher,  ein paar Leute mit kleinem Gepäck am Bahnhof abzuholen, als mit einem Kleinkind mit beginnender Magen-Darm-Infektion im Stau festzusitzen.

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Familie sind ja nicht nur die Eltern

Zudem: Familie besteht ja nicht nur aus der Familie, der man entstammt. Familie sind ja auch die Menschen, mit denen man nun sein Leben teilt, der Partner, vielleicht auch Kinder. Menschen also, mit denen zusammen man eigene Traditionen aufbauen will und nicht nur als lieber Zaungast miterlebt, wie er/sie Weihnachten schon immer gefeiert hat. Bestenfalls gelingt es Paaren, ihr ganz eigenes Weihnachtsfest als eine Melange aus verschiedenen Familientraditionen neu zu erfinden – in der sich eventuell sogar ältere Weihnachtsgäste ein Stück weit wiederfinden.

Außerdem: Die eigenen Kinder sollen später ja auch was zu erzählen haben, wenn sie sich an „Weihnachten früher“ erinnern: „Mama und Papa haben jedes Jahr gestritten, ob es an Heilig Abend Wiener Würstchen oder ein schickes Drei-Gänge-Menü gibt“, zum Beispiel. Oder „Mama war immer stinksauer, weil Papa den Weihnachtsbaum schon am 23. Dezember aufgebaut hat.“

So was kann nur entstehen, wenn man irgendwann den Schritt gewagt und gesagt hat: „Ich bin erwachsen, ich lebe mein eigenes Leben.“ Wichtig erscheint uns dabei, dass dieser Satz mit Dankbarkeit gesagt wird und gewürdigt wird, dass die eigenen Eltern einen dabei geholfen haben, ein eigenständiger Mensch zu werden, der eigene Entscheidungen trifft.

Was bedeuten kann, dass man sich aus freien Stücken an Weihnachten aufteilt oder alle nach Hannover fahren, ohne der Erding-Fraktion das Gefühl zu geben, dass ein Besuch bei ihr völlig stressig wäre. Eigene Entscheidung – das kann auch bedeuten, dass man eine gemeinsame Lösung findet, in der bestenfalls niemand zu kurz kommt oder Weihnachten alleine verbringen muss.

Manche setzen auf das Rotationsprinzip: Ein Jahr wird in Erding gefeiert, ein Jahr in Hannover und ein Jahr bei uns zuhause. Geht natürlich nur, wenn alle sich einigermaßen gut leiden können. Andere hüpfen an den Feiertagen von Daheim zu Daheim, haben aber den Heilig Abend für sich reserviert. Manche feiern in der neuen, kleinen Kernfamilie und laden aus der älteren Generation diejenigen ein, die sonst alleine wären.

Wann der richtige Zeitpunkt für ein eigenes Weihnachts-Modell gekommen ist, muss jeder für sich selbst herausfinden. Durch diese Entscheidung musste und muss jeder durch, was häufig nicht völlig harmonisch zu schaffen ist: So streiten sich 31 Prozent aller Paare in der Vorweihnachtszeit darüber, wo sie die Feiertage verbringen. In diesem Jahr kann man daran wohl nichts mehr ändern – aber vielleicht können wir uns ja vornehmen (Silvester ist ja auch nicht mehr weit) im nächsten Jahr schon am 24. Juni zu klären, wer mit wem wo Weihnachten feiert? Dann wären auch die Eltern rechtzeitig vorgewarnt, dass man das vierte Weihnachten mit Fritz jetzt auch mal mit Fritz verbringen will…

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