LEBEN LEBEN

WM 2014: Darum ist Fußball-Fieber so gesund

WM 2014: Darum ist Fußball-Fieber so gesund
Das WM-Fieber in Deutschland ist einfach ansteckend! © dpa, Matthias Balk

Wenn die WM-Stimmung überkocht - einfach mitziehen!

Die Autos sind beflaggt, fast alle Kneipen haben große Bildschirme aufgebaut, vor denen sich die Menschen zum Rudelgucken treffen - wer sich nur ein paar Schritte auf einer deutschen Straße bewegt, bemerkt sofort, dass die Fußball-WM in Brasilien begonnen hat. Zu viel Rummel? Nein! Es gibt viele Gründe, warum man diese Zeit genießen sollte.

Von Christiane Mitatselis

Es begann im Jahr 2006. Als sich damals bei der deutschen Heim-WM das so genannte Sommermärchen ereignete, wollten alle plötzlich Fußball sehen. Am Besten draußen, mit anderen, an einem lauen Sommerabend, an dem der Grill angeworfen werden kann. Auch Menschen, die sich sonst gar nicht für Fußball interessieren, sind seither dabei, wenn ein großes Turnier ansteht. Und man hat den Eindruck, dass es jedes Mal mehr werden.

Wird es womöglich zu viel? Sollte man in diesen Tagen der WM in Brasilien eine Anti-Haltung einnehmen, zum WM-Boykott aufrufen? Auf keinen Fall. Eine WM findet nur alle vier Jahre statt – und sie bietet so viele Möglichkeiten, sich gut zu unterhalten. Man muss ja nicht immer grillen und grölen. Man kann kreativ werden und seine Mitmenschen einfach mal überraschen, sogar alte Denkmuster durchbrechen. Und zwar so:

Es kursiert ja unter Männern immer noch das Gerücht, Frauen hätten keine Ahnung von Fußball. Und wenn eine Frau äußert, sie drücke den Italienern die Daumen, dann heißt es sofort: „Typisch Frau, nur weil die Italiener gut aussehen!“ Wer sich vorbereitet hat, der kontert: „Natürlich sehe ich gern gut aussehende Fußballer. Doch darum geht es nicht. Die Italiener haben ihren Stil geändert, sich vom Catenaccio verabschiedet und ihr Spiel auf Ballbesitz ausgelegt. Das war schon 2012 bei der EM zu erkennen. Ihr Trainer Cesare Prandelli ist ein Revolutionär!“ Nicht schlecht, oder? Die Experten-Münder werden offen stehen.

Die Zeit des Fußball-Fiebers muss genossen werden

Es ist keine Kunst, solche Sätze zu formulieren. Zur Vorbereitung muss man sich nur ein wenig durch die Presse lesen, die in diesen Tagen randvoll ist mit mehr oder weniger geistreichen Analysen und Experten-Kommentaren. Spielt Brasilien noch brasilianisch? Ist die Zeit des spanischen Tiki-Taka endgültig vorbei? Ist Lionel Messi besser oder Cristiano Ronaldo? Darf Holland mit fünf Verteidigern spielen – oder ist es Verrat an der traditionellen Spielidee der Oranjes? Ja, der Fußball bietet unendlich viel Stoff, sich als Experte zu profilieren. Vor allem deshalb lieben ihn Männern ja so sehr.

Und das Schöne ist: Fußball ist dennoch ein einfaches Spiel mit leicht verständlichen Regeln. Auch das (von Männern) gern mystifizierte Abseits ist eine simple Sache. Es geht nur darum, dass ein vor den gegnerischen Reihen postierter Spieler nicht angespielt werden darf. Mehr ist es nicht. Andere Sportarten, etwa Eishockey oder American Football, haben ein viel komplexeres Regelwerk, außerdem geht alles viel schneller.

Fußball ist zuschauerfreundlich. Jeder Mensch versteht in kürzester Zeit, worum es geht und kann mitfiebern. Außerdem kann man über Fußball wunderbar diskutieren, sich streiten und wieder vertragen. Man sollte die Zeit der WM und ihre Spiele genießen. Auch wenn die vielen Fahnen manchmal nerven können.

Anzeige