Wirbel um Handgepäck-Regeln: Brauchen wir bald alle neue Koffer?

Weltluftfahrtverband fordert neue Kabinen-Koffer-Richtlinien

35 x 20 x 55 Zentimeter - diese Maße hat der Kabinen-Koffer der Zukunft. Zumindest, wenn die Airlines die Empfehlung des Weltluftfahrtverbandes umsetzen. Spätestens dann müssen sich die Fluggäste in Sachen Gepäck noch stärker einschränken als ohnehin schon. Denn beim Umpacken wird schnell deutlich: Es passt 40 Prozent weniger in die kleineren Maße, als bisher zugelassen.

Schlecht für die Kunden, gut für die Airlines. Kleinere Handgepäckstücke bedeuten weniger Gewicht und weniger Kerosinverbrauch. Was Passagiere nervt, könnte Airlines und Kofferherstellern zusätzliche Einnahmen bescheren.

Ärger ums Handgepäck gehört zum Fliegen wie schmale Sitze und Tomatensaft. Kleinliches Nachmessen, übervolle Gepäckfächer oder Streit um zerknitterte Jacken kennt wohl fast jeder Passagier. Und jetzt hat der internationale Airline-Verband IATA noch einen draufgesetzt und seine Größen-Empfehlung für das in der Kabine erlaubte Handgepäck drastisch reduziert. Fast 40 Prozent weniger als bislang passt in die neuen Koffer mit dem Label 'IATA Cabin OK' rein, die in dieser Woche auf der IATA-Weltjahrestagung in Miami vorgestellt wurden.

Obwohl die Vorgaben für die Airlines nicht verbindlich sind, werden sich die Passagiere wohl über kurz oder lang beim Handgepäck einschränken müssen. Große internationale Gesellschaften wie Lufthansa, Emirates und Qatar sollen laut IATA schon signalisiert haben, das neue Level zu akzeptieren. Als Grund für die kleineren Koffer nennt der Verband zunehmende Schwierigkeiten, sämtliches Handgepäck aller Passagiere in der Kabine unterzubringen. Mit den neuen Vorgaben könne das Boarding schneller werden.

Die beiden deutschen Anbieter Lufthansa und Air Berlin haben nach Angaben ihrer Pressestellen aber noch nicht entschieden, ob sie in Zukunft die neuen Höchstmaße von 55x35x20 Zentimeter anwenden. "Grundsätzlich machen solche Standards ja schon Sinn, aber der Zeitpunkt macht einen stutzig“, sagte der Reiserechtler Ronald Schmid, Sprecher des Fluggastportals FairPlane. Er vermutet kommerzielle Interessen hinter den Beschränkungen, die für die Fluggesellschaften zu zusätzlichen Einnahmen - etwa für aufgegebenes Gepäck - führen sollen. "Das machen längst nicht mehr nur die Billiganbieter, sondern das machen alle." Die einstmals angebotene Dienstleistung eines Fluges werde immer weiter entkernt und jedes Extra mit zusätzlichen Gebühren belegt.

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