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'Wir sind doch Schwestern': Generationenportrait von Anne Gesthuysen

Anne Gesthuysen: Wir sind doch Schwestern
Anne Gesthuysen: Wir sind doch Schwestern © RTL interactive/ Kiepenheuer & Witsch

Leseinfo zu 'Wir sind doch Schwestern'

Die drei Schwestern vom Niederrhein durchleben ein ganzes Jahrhundert deutsche Geschichte. Ort des Geschehens ist der Tellermannshof, auf den Katty mit dreizehn Jahren zur Ausbildung geschickt wurde und dort ihr ganzes Leben verbrachte. Dort treffen sie zum einhundertsten Geburtstag der ältesten der drei sehr unterschiedlichen Damen zusammen. Die drei betagten Schwestern sind die letzten von insgesamt elf Geschwistern, die noch leben.

Über 'Wir sind doch Schwestern'

Katty, das Nesthäkchen, ist mit ihren 80 Jahren die Gastgeberin für das große Fest. Dem explosiven Gemisch der Geschwisterbeziehungen steht eine besondere Herausforderung bevor. Gertrud soll nach einem Leben als alleinstehende Lehrerin zu Katty auf den Hof ziehen. In Zeitsprüngen quer durch das Jahrhundert versteht man immer mehr, warum dieses Anliegen lang versteckten Groll und Bitterkeit hervorrufen kann. Die drei Schwestern drücken sich vor einer klaren Aussprache, denn jeder hat seine eigene Geschichte und Geheimnisse, die bewahrt werden müssen.

Quer durch das Jahrhundert erleben Katty, Gertrud und Paula eine unbeschwerte Jugend in ärmlichen Verhältnissen. Mit einem ungewöhnlich offenen und belesenen Vater stand den Töchtern die Welt offen. Doch die endet für Gertrud im spießigen Duisburg und die anderen beiden Schwestern bleiben im biederen Dunst des Niederrheins gefangen. Die große Liebe wird gestreift, erlebt jedoch bei keiner der Frauen ein Happy End. Sie haben gute und schlechte Zeiten erlebt, Kriege durchgestanden und stehen nun vor der Entscheidung, weiter zu schweigen oder endlich die Vergangenheit zu thematisieren und sich versöhnlich zu zeigen.

Schulbildung haben der ländlichen Biederkeit nichts anhaben können. Natürlich sind es die Umstände, die die Schwestern geprägt haben. Und trotzdem, ein bisschen Ärger über die Verstocktheit ist bei mir geblieben. Der Roman 'Wir sind doch Schwestern' ist stellenweise etwas langatmig, doch bei diesem gut beobachteten Sittengemälde ist das zu verzeihen. Der Blick auf das Leben der Familien ist ehrlich und zeichnet einen teils erschütternden Blick auf ein Leben unter Kriegen, Nationalsozialismus und schlussendlich der bigotten Adenauer-Ära.

Insgesamt ist der Roman ein Frauenbuch geworden, das für gemütliche Stunden auf der Couch sorgen kann. Ein absolutes Muss für den Bücherschrank ist es jedoch nicht.

Über die Autorin Anne Gesthuysen

Anne Gesthuysen ist 1969 am unteren Niederrhein in dem kleinen Dorf Veen geboren und aufgewachsen. Nach dem Abitur ging sie in die Großstadt. Sie hat Journalistik und Romanistik studiert. Seit 1987 arbeitet sie als Reporterin und Autorin von Dokumentationen für diverse Fernsehsender. Zwischendurch machte sie einen Abstecher zum französischen Radio. Seit 15 Jahren steht sie auch vor der Kamera. Sie lebt mit Mann und Kind in Köln. Das Buch 'Die drei Schwestern' hat reale Vorbilder: Die drei Großtanten gab es wirklich und Anne Gesthuysen kann sich an ihre Tanten noch gut erinnern.

(Text: Amelie von Kruedener)

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