Wie sehr muss man sich als Mutter für das Kind verändern?

Muss man als Mutter prüde sein?

Kim Kardashian ist ja nicht so der dezent-mütterliche Typ. Uns war von vornherein klar, dass sie nach der Geburt von North West nur wenige Nano-Sekunden ihrer Elternzeit für den Rückzug ins Private reservieren würde. Aber mit ihren Cover-Fotos für die Zeitschrift 'Paper' hat sie es dann doch geschafft, auch abgehärtete Leserinnen von Klatsch-Blättern zu überraschen: Da drängelt sich nämlich ihr riesiger eingeölter Po in den Bildvordergrund - und bringt das Netz zum Beben. Wenigstens ist die Frau nicht nackt – zum Po hat sie lange schwarze Handschuhe kombiniert. Wir fragen uns aber trotzdem ganz matronenhaft: Darf eine junge Mama sich so freizügig zeigen? Was passiert, wenn ihre kleine North West später mal wegen genau dieser Fotos – im Sinne der Familientradition höchstwahrscheinlich ja vor laufender Kamera – von den Kollegen in der Krabbelgruppe gemobbt wird?

Wie sehr muss man sich als Mutter für das Kind verändern?

Von: Ursula Willimsky

Das fragt sich übrigens auch Naya Rivera (bekannt aus der US-Serie 'Glee'). Mit einem miesepetrigen "You´re someone´s mother…“ kommentierte sie auf Twitter Kims pralle Rückansicht. Ja. Mutter ist Kim. Das wissen dank unermüdlichem medialen Einsatz von High Heels im Kreißsaal auch die, die es eigentlich nicht wissen wollen. Aber offensichtlich hat bei der amtierenden Königin der Selbstvermarktung mit der Geburt nicht jene auffällige Wesensversänderung begonnen, von der viele andere Mamas heimgesucht werden.

Gestern noch permanent in der Szene unterwegs – und heute meinen sie, sie dürfen nach 20 Uhr nur noch wegen des Babys raus. Der Klamottenstil verändert sich dramatisch. Hohe Schuhe – no way! Die sind ohnehin nicht spielplatztauglich, und die anderen in der Müttergruppe bestellen ihr Outfit ja auch nur noch bei 'Bügelfrei&Fleckenresistent'.

Gut, sowas kann sich wieder geben. Irgendwann will man für das Kind nicht nur vom Lebenswandel, sondern auch von der Optik her wieder so was wie ein Vorbild sein. Dieses Zeitfenster heißt es nutzen! Spätestens ab zwölf ignoriert einen die nächste Generation ohnehin wegen permanenter Peinlichkeit. Zu diesem Zeitpunkt ist es dann schon wieder egal, ob man seinen Hintern mit Salatöl einschmiert oder einfach nur zu laut lacht. Ist eh peinlich.

Um eine gute Mutter zu sein, muss man sich nicht vollkommen verändern

Vom eigenen Kind gedisst und gemaßregelt – dieses Schicksal ereilt wahrscheinlich jede Mutter. Ganz gleich, wie viel Mühe sie sich vorher gegeben hat, um ihr eigentliches Ego zu unterdrücken, zu verändern oder zu verheimlichen. Alles aus der Überzeugung heraus, dass Mütter automatisch vernünftig, verantwortungsbewusst und allzeit vorzeigbar zu sein haben.

Zum Ich-werde-die-Supermutti-Mutationsprogramm gehört es, liebgewonnene Gewohnheiten gnadenlos auszumerzen oder nur noch im Verborgenen auszuleben: Tagsüber preist man die leckere Süße eines Apfelschnitzes, nachts plündert man das Küchenschrankfach mit der Schokolade. Muss ja keiner unter 18 wissen. Mit einer Stulle auf dem Sofa die trashige Lieblingsserie gucken? Geht nicht mehr. Im Sinne einer verantwortungsvollen Medienerziehung werden nur noch Qualitätsprogramme geschaut (wofür gibt es schließlich Video on Demand?)

Rauchen – ohnehin undenkbar. Mehr als ein Glas Prosecco auf der Party – undenkbar. Das sexy Oberteil – undenkbar. Man ist ja jetzt Mama!

Kim Kardeshian hingegen scheint ihre Vorbild-Rolle einen Hauch anders zu definieren. Was auch nicht zu verachten ist. Zum einen zählt sie offenbar zu den wenigen Privilegierten, die mit sich selbst völlig im Reinen sind und deshalb keinerlei Anlass zu irgendwelchen Korrekturen am Verhalten verspüren. Zum anderen gehört sie eindeutig zum derzeit propagierten Frauentyp "berufstätige Mutter".

Ja, Kim sorgt sich nach wie vor um das Familieneinkommen und überlässt nicht den ganzen harten Brotjob ihrem Kanye. Schließlich muss ja irgendwer die Kohle verdienen für die 60.000-Dollar-Malvorlagen für die Kleine! (Zum besseren Verständnis: North-Vater West kaufte seiner Kim zum Geburtstag eine edle Hermes-Tasche und ließ sie von Baby bekritzeln. Weil auch das auf reges öffentliches Interesse stieß, steht zu erwarten, dass North in etwa zwei Monaten ihre erste eigene Handtaschen-Linie herausbringen wird. Wir bleiben an dem Thema dran).

Die 34-Jährige zeigt ihrer Tochter, dass man auch als Mutter erfolgreich im angestammten Beruf sein kann. Kein Mensch würde doch von einer Konditorin verlangen, dass sie nach der Niederkunft keine Torten mehr backt, sondern nur noch Vollkorn-Dinkel-Brötchen. Und genauso hat Kim das Recht, weiterhin ihr Produkt zu vermarkten, das in diesem speziellen Fall eben aus Mummy herself besteht.

Ihre Kleine wird einfach in dem Glauben groß werden, dass der Himmel und das Haus immer und überall voller Kameras hängen. Bis sie zwölf ist. Dann (da sind wir uns sicher) wird sie sich im angesagtesten Vintage-Shop ein Handy des Baujahres 2003 holen. Garantiert ohne integrierte Kamera und ohne Internet. Und aus Trotz nur noch in hochgeschlossenen Schlabberpullis herumlaufen. Ja. So wird es kommen. Und wir werden alles in irgendwelchen Reality-Formaten mitbeobachten dürfen. Denn Mama Kim wird sich nicht ändern. Auch da sind wir uns sicher.

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