FAMILIE FAMILIE

Wie fortschrittlich ist die deutsche Familie im Jahr 2014?

Familienbild in der Nido Studie
© picture alliance / Bildagentur-o

So hat sich das Familienbild in den letzten fünf Jahren verändert

Nach Nach der Geburt wieder arbeiten, noch bevor das Kind drei Jahre alt ist? Das ist in Deutschland mittlerweile fast normal. Es sind zwar immer noch die Mütter, die den Löwenanteil der Elternzeit absolvieren, doch immerhin ist es mittlerweile gesellschaftlich nicht mehr verpönt, wenn sie nach einem Jahr wieder in den Job einsteigen. Es hat sich also etwas an der Situation von Familien verändert - wie eine Studie des Elternmagazins 'Nido' zeigt.

Amelie von Kruedener

Egal, ob es um das ideale Arbeitsmodell für die Familie geht, den Anspruch auf eigene private Zeit oder die Verteilung der Elternzeit auf Mutter oder Vater, die Gesellschaft hat sich schon etwas bewegt. Vor fünf Jahren gab es noch das allgegenwärtige Schreckgespenst der Rabenmutter, die ihr Kind in die Kita gegeben hat. Heute ist das kaum mehr ein Thema, sondern Alltag.

Laut der 'Nido'-Studie hätte man sich nicht vorstellen können, dass heute 38 Prozent aller Väter in Elternzeit gehen. Im Jahr 2014 hat die große Mehrheit der Frauen mit Kindern einen Job, oft in Teilzeit, seltener voll. Es hat sich eben noch nicht gänzlich verändert, das Bild der Gesellschaft. Immer noch tief in den Köpfen verankert ist, dass es die Frau ist, die besser zu Hause bei den Kindern bleibt. In einer Umfrage des Magazins ist knapp die Hälfte aller Befragten der Meinung, dass das beste Arbeitsmodell genauso aussieht: der Vater in Vollzeit, die Mutter in Teilzeit. Lediglich ein Prozent will es anders herum und immerhin noch ein Viertel der Befragten sieht die Mutter am besten Zuhause aufgehoben.

Werden wir wieder konservativer in unseren Ansichten?

Es scheint ein Schwellenjahrzehnt zu sein, eine Zeit, in der gesellschaftliche Spannungen zu großen Veränderungen führen. Die heutigen Familien leben und denken anders als noch vor fünf Jahren. Immer mehr Eltern trauen sich ihr Bedürfnis, bei vielen ist es auch die reine Notwendigkeit, nach einer beruflichen Erfüllung auszuleben. Und die Männer unterstützen dieses Modell immer häufiger, immerhin nehmen 38 Prozent der Väter Elternzeit. Anders als bei unseren skandinavischen Nachbarn beschränken sich die deutschen Männer allerdings auf ein bis zwei Monate.

Und trotzdem – die alten Zöpfe machen sich immer noch breit. Manche Eltern stimmen immer noch dem Satz "Emanzipation wird auf dem Rücken der Kinder ausgetragen" zu. Waren es im Jahr 2010, 38 Prozent, hat sich die Meinung dazu im Jahr 2014 sogar gefestigt. 42 Prozent der Männer und 45 Prozent der Frauen sehen heute die Mütter in der Verantwortung zurückzustecken.

Obwohl sich gut 60 Prozent der Eltern ein Kind ebenso wünschen wie ihr Partner, hat das Modell Familie noch einen weiten Weg vor sich, damit Gleichberechtigung in den Köpfen der Gesellschaft ankommt. Arbeitgeber sind dabei genauso gefordert wie die Väter und natürlich auch die Mütter, die sich oft weniger fortschrittlich verhalten, als sie es sich wünschen.

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