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WHO: Heiße Getränke können Speiseröhrenkrebs verursachen

Heiße Getränke können Speiseröhrenkrebs auslösen
Heiße Getränke können Speiseröhrenkrebs auslösen WHO-Studie belegt Zusammenhang 00:01:52
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Keine Belege für Krebsgefahr durch Kaffee

Noch vor 25 Jahren stuften Ernährungsexperten Kaffee als ungesund, sogar krebserregend ein. Und obwohl seither in zahlreichen Studien die positiven Effekte von Kaffee auf unsere Gesundheit nachgewiesen wurden – ein schaler Beigeschmack blieb doch. Aber nun rudert die Internationale Krebsforschungsagentur (IRAC), die zur Weltgesundheitsorganisation (WHO) gehört, zurück und verkündet: Kaffee erhöht das Krebsrisiko nicht. Allerdings sollte er nicht zu heiß getrunken werden. Denn Getränke, die heißer als 65 Grad getrunken werden, können das Risiko für Speiseröhrenkrebs erhöhen.

Für die neue Einschätzung wertete eine Arbeitsgruppe aus 23 Experten der IRAC insgesamt 500 Fachstudien aus. Dabei konnte sie keinen Zusammenhang zwischen einem regelmäßigen Kaffeekonsum und Krebs nachweisen. Im Jahr 1991 hatte die WHO Kaffee noch als „möglicherweise krebserregend“ eingestuft. Damals galt vor allem der Zusammenhang zwischen Kaffeekonsum und Blasenkrebs als erwiesen. Viele Studien hätten aber nicht genügend berücksichtigt, dass Menschen, die viel Kaffee trinken, eher rauchten, räumt die Behörde nun ein. Und Tabakkonsum steigert das Risiko für Blasenkrebs deutlich. Zudem konnten die Forscher nun nachweisen, dass Kaffee das Risiko für Gebärmutter- und Leberkrebs senkt. So positiv die Ergebnisse sind, so beunruhigend ist allerdings ein weiterer Zusammenhang, der bei Auswertung der Studien festgestellt wurde: Der regelmäßige Konsum sehr heißer Getränke kann Speiseröhrenkrebs verursachen. Dabei ist es nebensächlich, ob es sich um heißen Kaffee, Tee oder Kakao handelt. "Es hängt nicht von dem Getränk ab, sondern von der Temperatur", erklärt der Epidemiologe Dana Loomis vom IRAC. In Tierversuchen konnte nachgewiesen werden, dass der Genuss von Getränken, die wärmer als 65 Grad sind, vermehrt zu Tumoren in der Speiseröhre führt. Daher stuft die IRAC heiße Getränke nun als ‚wahrscheinlich krebserregend‘ ein.

Heiße Getränke können Speiseröhrenkrebs verursachen

Der Mechanismus der Krebsentstehung sei zwar nicht geklärt, betont die Gruppe. Aber vermutlich verursache die Hitze Zellschäden, als deren Spätfolge Krebs auftreten könne. "Heiße Getränke können zu Verletzungen und Schädigungen der Speiseröhre führen und damit auch das Risiko von Krebs erhöhen", sagte Gunter Kuhnle von der britischen Universität Reading, der nicht an dem Bericht mitwirkte. Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg ergänzte: "Verbrennungen durch heiße Getränke können im Nachhinein entzündungsartige Reaktionen verursachen." Diese könnten etwa die DNA schädigen oder die Apoptose, den programmierten Zelltod, verhindern. Dabei gilt offensichtlich: Je heißer das Getränk, desto höher die Krebsgefahr. Dies belegen Studien aus Ländern wie der Türkei, dem Iran oder südamerikanischen Ländern, in denen Tee traditionell sehr heiß getrunken wird.

Ein gute Nachricht in diesem Zusammenhang gibt es allerdings: In Europa nehmen wir Getränke in der Regel nicht so heiß zu uns. Tee trinke man mit einer Temperatur von etwa 60 Grad, Kaffee sogar noch kühler, so Loomis.

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