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WhatsApp in der Familie: Sind Familien-Gruppenchats Fluch oder Segen?

WhatsApp in der Familie: Sind Familien-Gruppenchats Fluch oder Segen?

Familien-Chats haben Vor-, aber auch viele Nachteile

Wer in einer WhatsApp-Gruppe ist, muss schnell und selektiv sein. Täglich erhält er massenweise Nachrichten auf sein Smartphone von den vernetzten Freunden - und noch mehr Kommentare zu den frisch verkündeten Neuigkeiten. „Wow“, „toll“, „LOL“ – etc. Auf mindestens die Hälfte der Nachrichten könnte man in der Regel verzichten, man überfliegt sie und vergisst sie sofort wieder. In Familien, die per WhatsApp kommunizieren, sieht es ähnlich aus. Das wurde gerade einem Vortrag von Lisa Altmaier Vortrag „Familien-Chats aus der Hölle“ auf der Messe re.publica in Berlin erörtert.

Von Christiane Mitatselis

Dass Mutti sich blonde Strähnen gemacht hat, ist ja nett – aber nur mäßig interessant für ihren Bruder oder den 14-jährigen Sohn. Papis Fotos mit dem neuen Laubbläser, auf den er so stolz ist, sind im besten Fall unfreiwillig komisch – aber gut. Jeder teilt mit, was er mitzuteilen hat. Man liest, schaut und vergisst.

Beim Chatten ist Fingerspitzengefühl gefragt

Grundsätzlich ist Chatten eine gute und einfache Sache. Man tippt ein bisschen und muss nicht lange sprechen. Das Problem ist nur: Nicht jeder Chatter kennt die Grenzen dieser Kommunikationsform, nicht jeder ist empathisch genug, um zu wissen, was er den anderen zumuten kann. Grenzen werden auch in der Familie-Gruppe überschritten, wenn sie etwa über den eigenen Gesundheitszustand informiert - und sie wissen lässt: „Hatte Verstopfung, heute endlich wieder auf dem Klo gewesen. Fühle mich befreit.“

Zudem gibt es ernste Themen, über die man sich nicht schriftlich in der Gruppe, sondern auf jeden Fall mündlich austauschen sollte. Es wäre nicht schön, wenn die Oma der WhatsApp-Familie lapidar mitteilte: „Opa war beim Arzt, Diagnose: Parkinson“. Oder, noch schlimmer: „Opa hat Krebs, die Ärzte geben ihm noch drei Monate.“

Man braucht beim Chatten Fingerspitzengefühl, um die Mit-Chatter nicht zu belästigen der zu schockieren. Oder auch zu kontrollieren. Ein Teenager, der von den Eltern täglich mit Nachrichten bombardiert wird (wo bist du, was machst du, Hausaufgaben schon fertig?), wird sich verfolgt fühlen. Und irgendwann trotzig nicht mehr antworten.

Familienchats können so zur Familienhölle werden. Und das Schlimmste: Man kann sich nicht einfach aus der WhatsApp-Familien-Gruppe verabschieden oder dauernervende User für Nachrichten sperren. Denn das dürfte dazu führen, dann man in lange Krisen-Gespräche verwickelt wird.

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