LIEBE LIEBE

Wer zahlt beim Essen: Sind wir im Restaurant nicht emanzipiert?

Wer zahlt beim Essen?
Wer zahlt beim Essen? "Zusammen oder getrennt?" 00:01:23
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Wer beim Essen zahlt, ist keine Frage der Emanzipation

Das erste Date - das erste Herzklopfen! Ausgelöst durch die Frage: Wer zahlt die Rechnung? Früher selbstverständlich der Mann. Und heute? Sind wir doch emnazipiert und zücken selber die Kreditkarte oder? Von wegen! Laut einer neuen Studie will die überwältigende Mehrheit immer noch, dass der Mann zumindest beim Essen die Zeche zahlt! Es geht nicht ums Geld - es geht um die Geste. Aber was steckt da wirklich hinter?

Von Dagmar Baumgartner

Weiß so ein Kellner eigentlich in was für einer verdammten Schlüsselrolle er sich befindet? Seine Bühne ist Tisch 7. Die Hauptdarsteller sind ein Pärchen, das sich hier zum ersten Mal trifft und er ist der heimliche Regisseur! Sein Text ist eine scheinbar lapidare Frage, aber sie entscheidet über das Sein oder Nichtsein einer Beziehung. Er ist der Erste, meist sogar noch vor den Betroffenen selbst, der weiß, ob das Pärchen das da vor ihm sitzt eine gemeinsame Zukunft hat. Also genießt er seinen Auftritt. Das Bedienen ist eigentlich nur das Aufwärmen. Dabei kann er sich ja schon mal angucken, wie die Chemie so zwischen den Beiden wabert. Wie oft gucken sie sich an, wie oft streicht sie sich durch die Haare. Ist ihr Knie zu ihm hin oder von ihm abgewandt – kichert sie verzückt, obwohl der Typ eigentlich nur Stuss labert? Der kluge Kellner weiß: Je besser es zwischen den Beiden läuft, umso spannender wird sein Finale!

Mit bedeutenden Schritten nähert er sich schließlich dem Tisch. Vor sich trägt er ein silbernes Tablett, auf dem sich bedrohlich die Rechnung räkelt. Genüsslich entlässt der Kellner dann die Frage der Fragen in die Freiheit: "Zusammen oder getrennt…..?"

Die Spannung steigt, die Luft knistert. Sie lächelt - ihm läuft eine winzig kleine Schweißperle an der Schläfe herunter. Äußerlich wirken die Beiden scheinbar gelassen. Doch in ihren Köpfen tobt ein dramatischer Dialog.

Sie: "Sag jetzt nix Falsches", Er: "Was mach ich jetzt bloß?", Sie: "Bitte, es war doch so ein schöner Abend, oute dich jetzt nicht als kleinkarierter Geizkragen!", Er: "Wenn ich jetzt zahle, hält sie mich dann für einen altmodischen Macho?",Sie: "Oh, nein - er zögert. Ich bin ihm das also nicht wert!", Er: "Sie ist so eine unabhängige tolle Frau, würde es sie womöglich beleidigen, wenn ich jetzt so auf Großkotz mache?", Sie: "Gott, ist das peinlich - wie lange will er denn noch warten??"

Es geht nicht ums Geld - es geht um die Geste

Amüsiert genießt der Kellner die Spannung, diese bedeutungsschweren Sekunden, die dem Pärchen wie Stunden vorkommen: Er weiß jetzt schon, dass der Herr hier gepatzt hat. So geht es nach dem Essen jedenfalls nicht reibungslos mit wildem Geknutsche im Taxi weiter. Oder kann er das Steuer noch mal rumreißen?

Erwartungsvoll, fast sehnsuchtsvoll guckt sie ihn an. Doch ihre Hand scheint schon resigniert zu haben, denn die bewegt sich bereits auf das Portemonnaie in ihrer Handtasche zu. Doch dann endlich überwindet der Gentleman den geizigen Zauderer in ihm und er erlöst die wartende Lady "Ich übernehm das, wenn Du erlaubst!" Klarer Fall von gut gemeint ist schlecht gemacht. So ein Zögern bei der Rechnung ist eine echte Sollbruchstelle für eine romantische Beziehung. Während sie artig ein Dankeschön aufsagt, denkt sie innerlich: "Na warte, so wie du mich jetzt hier vor dem blöde arrogant guckenden Kellner hast zappeln lassen, lass ich dich gleich an ganz anderer Stelle verhungern!"

Eine neue Studie aus New York beweist: Auch im Jahr 2013 steht konventionelles Kavalierverhalten hoch im Kurs. Der Mann zahlt, die Frau lässt sich einladen. Das sollte für 84 Prozent der Männer und 59 Prozent der Frauen so laufen. Fälschlicherweise denken die Männer oft, dass es den Frauen dabei um das Geld an sich geht! Und kommen dann mit der Emanzipations-Debatte. Wer gleich viel verdienen will, soll auch gleich viel zahlen! Das ist rational ja auch richtig. Aber trotzdem totaler Quatsch. Es gibt Frauen, die ihren Männern das Geld wiedergeben, die es ihnen vielleicht sogar im Voraus geben, damit er sie "einladen" kann! Klingt paradox, aber bei der Frage wer zahlt, geht es um die kostbare Geste. Es geht darum, das Grundbedürfnis befriedigt zu bekommen, umworben zu werden. Du bist mir das wert, deshalb lade ich dich ein. Alle sollen das sehen, dass ich dich gerne einlade.

So und jetzt an alle, die das mal wieder als Beweis sehen, dass ja nur Weiber so irrational sind: Männer zahlen für ganz andere Dinge bzw. Bedürfnisse, die genauso gut ihre rechte Hand erledigen könnte, ohne dass man sich ein paar Wochen danach mit verschämten Blick beim Arzt einfinden muss!

Menschen sind eben oft irrational. Wir wollen auf der einen Seite unsere finanzielle Unabhängigkeit. Wir wollen auch Gleichberechtigung. Wir wollen aber auch Romantik. Gerade in einer sonst so taffen Welt. Und dazu gehört eben auch ein wenig das "Gentleman wirbt um begehrenswerte Frau, die sich dafür in seine starken Arme fallen lässt"-Spiel.

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