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Wenn Kinder krank sind: Der Horror für berufstätige Eltern

Ruhe ist das einzige, was kranke Kinder brauchen.
Kinder sollten im Krankheitsfall möglichst früh daheim bleiben. © picture alliance / Bildagentur-o

Nur Ruhe bekämpft die Krankheit

Kinder im Alter zwischen zwei und fünf Jahren bekommen im Durchschnitt zwölf Mal im Jahr eine Infektion, erklärt Dr. Martin Lang. Er ist Landesvorsitzender des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte e.V.. Für berufstätige Eltern ist das Horror: Pro Elternteil gibt es einen Anspruch auf Kinderkrankengeld von zehn Tagen. Da wird es bei zwölf Infekten pro Jahr knapp, sehr knapp.

Von Sabine Möller

Der Besuch beim Kinderarzt war frustrierend, wie immer. Mein Sohn saß da mit Pseudo-Krupp. Ansteckend, attestierte der Kinderarzt, und schrieb uns krank. Anderthalb Wochen zuvor waren wir schon einmal da - Infekt der oberen Atemwege. Verschrieben bekamen wir Hustensaft aus Efeu-Extrakt. Mehr nicht. Wie sollte ich das bloß meinem Arbeitgeber erklären?

Diese Frage scheinen sich viele Eltern zu stellen. Wie Kinderarzt Dr. Martin Lang in einem Interview mit dem Bayrischen Rundfunk erklärt, kommen Eltern kranker Kinder häufig mit den Erwartungen in seine Praxis, schnelle Hilfe zu bekommen. "Ärzte reagieren auf diesen Druck oft, indem sie unnötigerweise Antibiotika geben. Damit fördern wir aber die Resistenzen gegen Antibiotika, ohne dass wir die Ursachen überhaupt bekämpfen."

Was für eine traurige Entwicklung: Der Druck im Job ist für viele Eltern so groß, dass sie sich eine lange Abwesenheit nicht erlauben dürfen. Dennoch wissen sie auch, dass die Gesundheit des Kindes an oberster Stelle steht. Ein zweischneidiges Schwert.

Bei Fieber und Durchfall daheim bleiben

Mir geht es da nicht anders - innerhalb von zwei Wochen waren fünf Kinderkrankentage aufgebraucht. Mir schwant Böses, denn die Zeit der Erkältungen hat gerade erst begonnen. Da ist man versucht, den Kinderarzt um stärkere Medikamente anzubetteln. Aber nein, sagt Dr. Martin Lang. Der kindliche Körper muss ohne weitere Hilfen erfolgreich gegen solche Erreger kämpfen, damit das Immunsystem trainiert werde. Und das braucht Zeit.

Am besten für alle wäre es in der Tat, Kinder frühstmöglich daheim zu lassen, um sich Komplikationen oder starke Medikamente zu ersparen. Die Ruhe kann vorbeugen, damit es nicht schlimmer wird und andere nicht angesteckt werden. Spätestens aber bei Fieber, Durchfall oder anhaltendem Husten, der die Kleinen nicht schlafen lässt, sollten Kinder zu Hause bleiben.

Doch Husten, Schnupfen und Fieber haben auch etwas für sich: Die ganzen kleinen Erkältungen und Infekte trainieren das Immunsystem. Die gebildeten Abwehrkräfte bleiben in der Erinnerungsfunktion des Körpers und sorgen dafür, dass man spätestens im Schul- und Erwachsenenalter nicht mehr so oft krank wird.

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