Wenn der Ex-Partner wieder Vater wird: Es kann ein Riesengewinn sein

Wenn der Ex-Partner wieder Vater wird: Es kann ein Riesengewinn sein
© imago sportfotodienst

Patchwork-Konstellationen können „riesige Chance“ sein

Sabia bekommt ein Baby von Rafael van der Vaart. Damit komplettieren die beiden ihre Patchwork-Konstellation um ein gemeinsames Kind. Sylvies Ex ist bereits Vater von Damian (7), Sabia Mutter von Amaya (3) und Daamin (2). Und bald soll Baby Nummer 4 kommen. Was vermutlich auch heißt, dass die Erwachsenen ihr Beziehungsgeflecht so ordnen müssen, dass es ihnen und den Kindern möglichst gut dabei geht. Keine leichte Aufgabe, aber machbar, findet Monika Czernin: „Ob sich Kinder wohlfühlen, hängt davon ab, ob ihre Bedürfnisse erfüllt und ihre Beziehungen intakt sind - egal in welchem Familienmodell.“ Mit der Autorin (u.a. „Glückliche Scheidungskinder“) und Mediatorin sprachen wir darüber, wie man als Frau damit umgeht, dass der Ex ein Kind mit der Neuen bekommt. Und es vielleicht sogar gelingt, auf lange Sicht von der Tatsache zu profitieren, dass das eigene Kind Halbgeschwisterchen (und Stiefgeschwister) hat.

Von Ursula Willimsky

„Wenn eine Zweitfamilie entsteht, müssen alle sehr sensibel und bewusst miteinander umgehen“, betont die Familien-Coachin. "Vor allem der Vater sollte darauf achten, dass er den Kontakt zu den alten Kindern – die ja meist bei der Mutter bleiben – hält.“ Sonst bestünde die Gefahr, dass die Zweitfamilie ihre ganz eigene Dynamik entwickelt und die „alten“ Kinder auf der Strecke bleiben.

Besser: Ihnen auch in der Zweitfamilie einen definierten Platz zugestehen – mit einer Spielecke, Zeit für Hausaufgabenbetreuung und dem rituellen Fußballkick auf dem Bolzplatz. Dann fühlen sich die Kinder auch bei der Stieffamilie wohl. Und müssen nicht so große Angst haben, dass das neue Geschwisterchen ihnen den Vater (und vielleicht ja auch die nette Stiefmutter) wegnimmt.

Wenn sich die Kinder aber auch in der neuen Familie wohlfühlen, so Czernin, hat das „auf lange Sicht für die leibliche Mutter ungeheure Vorteile“: Trotz einer Trennung seien ja im Idealfall nachwievor beide Elternteile für die Erziehung der Kinder zuständig. Klappt es gut mit dem Ex und seiner Neuen, dann kann es auch in Sachen Erziehung gut klappen. Denn dann gebe es in Gestalt des Vaters jemanden, der einen Teil der Alleinerziehenden-Last übernehme. Bei dem die Kinder getrost übernachten können, wenn Mama mal für ein paar Tage verreisen muss. Und der auch die Klassenfahrt nach Rom finanziert, für die man sonst vielleicht allein aufkommen müsste.

Verbitterung verbaut familiäre Chancen

Noch besser – so die Mediatorin – sei es, auch zu der „Neuen“ eine Vertrauensbrücke zu bauen: „Wenn ich weiß, dass ich mit der neuen Freundin/ Frau meines Ex reden kann, dann muss ich keine Angst haben, dass etwas schiefläuft, wenn meine Kinder auf Papawochenende in der neuen Familie sind“. Zudem könne die Neue sogar eine bessere Ansprechpartnerin in Kinderfragen sein als der eigene Ex-Mann: Manches lasse sich einfach von Frau zu Frau besser besprechen und regeln.

„Na super!“, wird sich jetzt die ein oder andere denken. "Erst klaut die mir meinen Mann, und dann soll ich auch noch zulassen, dass die sich bei meinen Töchtern Liebkind macht und mir in die Erziehung reinpfuscht!“ Aber genau dazu rät Czernin: Familie leben, Kinder gut aufziehen, ihnen Geborgenheit geben – das bedeute immer auch, über den eigenen Schatten zu springen. „Das Ziel kann doch nur sein, dass es den Kindern gut geht“.

„Wer klug ist, fährt diese Strategie“, sagt die Expertin. Denn sie hat „on the long run“ ungeheure Vorteile. „Was auf den ersten Blick sehr altruistisch klingt, tue ich im Grunde auch für mich selbst. Denn es erleichtert auch mein Leben.“ Wenn sich die Kinder in beiden Haushalten wohlfühlen, „habe ich automatisch noch jemanden, der sich um sie kümmert und muss nicht alles alleine machen und für alles alleine Verantwortung tragen.“ Wer aus Groll oder Verbitterung versuche, den Kontakt der Kinder zur neuen Familie zu unterbinden, der verbaue sich diese Chance.

Aber auch für die Kinder kann eine einigermaßen funktionierende Patchwork-Familie ein Riesengewinn sein: Häufig „gemeinden“ die neuen Großeltern auch die alten Kinder ein. Neue Opas und Omas, eine Stiefmutter, Halbgeschwister, Stiefgeschwister – das sind eine Menge Leute. Und damit – so Czernin – nach einem „dichtgewobenen sozialen Netz“. Ganz wichtig in einer Welt, in der immer mehr Menschen vereinsamen.

Vor allem die Geschwisterbeziehungen schätzt sie als immens wichtig ein für die Kinder: Auch Halbgeschwister verbindet ein ganz intensives emotionales Band. Und das kann ihnen Hilfe und Stütze sein – auch in späteren Jahren, wenn die Kinder erwachsen sind. Schön für die, bei denen Mama und Papa damals Sorge getragen haben, dass sie Geschwister, Halbgeschwister oder Stiefgeschwister haben, mit denen sie ihr Leben lang Kontakt halten. Und nicht ganz alleine dastehen.

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