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Weniger Scheidungen: Ehen in Deutschland halten wieder länger

Weniger Scheidungen: Ehen in Deutschland halten wieder länger

Längere Ehen - dank Eheberatung und gemeinsamen Kindern?

Ehen halten in Deutschland wieder etwas länger, 14 Jahre und acht Monate waren Paare im Schnitt verheiratet, die sich 2013 scheiden ließen. Vor 20 Jahren dauerte eine durchschnittliche Ehe noch elf Jahre und sieben Monate, das ist den Zahlen zu entnehmen, die das Statistische Bundesamt in dieser Woche veröffentlichte.

Von Christiane Mitatselis

Von einer Renaissance der Ehe kann trotzdem nicht die Rede sein. Geschieden wird laut Statistik nach wie vor jedes dritte Paar. Zudem wird in Deutschland insgesamt weniger geheiratet. Für 2013 gibt es noch keine Zahlen. 2012 wurden 387.000 Ehen geschlossen, 66.000 weniger als 20 Jahre zuvor. Das heißt: Die Menschen heiraten zwar seltener. Wenn sie es tun, halten sie aber länger durch.

Dafür gibt es ein paar Erkärungsansätze. Bevor Paare sich scheiden lassen, suchen sie heute gern professionellen Rat bei Therapeuten und gehen zur Eheberatung. Früher kannte man das nur von verrückten New Yorkern aus Woody-Allen-Filmen. In den letzten zehn bis 15 Jahren ist Paartherapie aber auch hierzulande in Mode gekommen. Manchmal hilft es, häufig nicht - die Dauer der Ehe verlängert sich aber auf jeden Fall um die Dauer der Therapie.

Oft geht es auch um Kinder. Fast die Hälfte der 2013 geschiedenen Paare hatte gemeinsamen Nachwuchs unter 18 Jahren, um dessentwillen Eltern oft versuchen, eine kriselnde Verbindung zu retten.

In der Regel stellt sich aber heraus: Wenn eine Beziehung einen negativen Lauf genommen hat, wenn sich ein Paar grundsätzlich auseinandergelebt hat und das Gefühl erkaltet ist, lässt sich mit Therapie und gutem Willen noch ein Modus Vivendi finden. Man kann weiter zusammenleben, ohne sich gegenseitig zu schaden. Mehr aber nicht, Liebesglück flammt sehr, sehr selten ein zweites Mal auf. Immer häufiger trennen sich Paare dann, wenn die Kinder endgültig aus dem Haus sind. Dafür sprechen folgende Zahlen: 2013 ließen sich 24.300 Paare nach 25 Ehejahren oder mehr scheiden, 1993 waren es nur 14.300.

Scheidungen gehen häufiger von Frauen aus

Der Impuls zur Scheidung geht insgesamt häufiger von Frauen aus, sie reichten 2013 in 52 Prozent der Fälle die Scheidung ein. Männer kamen auf 40 Prozent, in den restlichen Fällen waren es gemeinsame Anträge. Therapeuten erklären das damit, dass Frauen höhere Erwartungen an das kommunikative Niveau einer Beziehung stellen. Männer neigen dazu, Probleme auszusitzen und sind weniger anspruchsvoll.

Es gibt - wie gesagt - keine Renaissance der Ehe, sie hält sich aber beständig in einer Zeit, in der vieles möglich ist. Zwar gibt es immer mehr Alleinerziehende, Patchwork-Familien und überhaupt Paare, die zusammenleben, ohne zu heiraten. Obwohl es Alternativen gibt, ist die Ehe trotzdem nach wie vor das Standard-Modell in der Lebensplanung der meisten Menschen.

Warum auch nicht? Man kann die Zahlen auch positiv lesen. Wenn jede dritte Ehe geschieden wird, dann bedeutet das gleichzeitig, dass zwei von drei Ehen Bestand haben, nicht nur 14 Jahre und acht Monate, sondern oft sogar lebenslang.

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