Weltmeisterschaft im Mittelalter-Vollkontakt: Stahl statt Bikini

"Es ist ein Kampfsport wie jeder andere, sieht eben nur cooler aus“

Meistens ist der kleine Ort Trogir in Kroatien ein friedlicher Ferienort, doch zur Weltmeisterschaft im Mittelalter-Vollkontakt geht es dort zu wie im Krieg. Bei 35 Grad Hitze dreht sich für rund 150 Kämpfer dann erst einmal alles um ihre historisch korrekten Rüstungen. Dann wird probiert und gefeilt, bevor es aufs Schlachtfeld geht.

Weltmeisterschaft im Mittelalter-Vollkontakt:"Es ist ein Kampfsport wie jeder andere, sieht eben nur cooler aus“
Weltmeisterschaft im Mittelalter-Vollkontakt: Stahl statt Bikini

„Die meisten Unfälle passieren durch falsche oder schlecht sitzende Rüstungen. Wenn die Rüstung richtig passt, passiert im Normalfall auch nichts. Ein blauer Fleck ist aber natürlich immer drin“, erklärt Einzelhandelskaufmann Alexander Sihorsch. Und auch wenn die Männer und Frauen bei der Mittelalter-Vollkontakt-WM mit harten Bandagen kämpfen, so benutzen sie dabei keinesfalls echte Waffen: „Die sind nach historischer Vorlage zugelassen“, weiß Teilnehmer und Bautechniker Valentin Zerr. Denn umbringen wollen sich die Kämpfer auf ihrem Schlachtfeld, einem mit Holzbalken abgegrenzten Ring, natürlich nicht.

Aus 32 Ländern sind die Teams angereist, um sich einzeln oder in Mannschaften von fünf gegen fünf wie spätmittelalterliche Ritter zu schlagen. Es sind Kämpfe, bei denen sich die Kontrahenten nichts schenken. Und die Zahl der Kämpfer wächst überall, weltweit sind es bereits ein paar Tausend. Dabei ist dieser Sport nicht ohne, erklärt Valentin Zerr weiter: „Wir sind keine Wochenend-Ritter. Wenn man was erreichen möchte, muss man jeden Tag trainieren.“ Das weiß auch Sebastian Coors. Der Fachinformatiker trainiert zwölf Mal die Wochen, hält sich mit boxen, laufen und Krafttraining fit.

Und diesen Sport betreiben nicht nur Männer. Auch Frauen wagen sich in voller Rüstung in den Kampfring: „Es ist etwas anderes vom Alltag, denn man schlüpft in andere Rollen. Man legt viel Wert auf Handwerk und Werte, die es heutzutage nicht mehr so gibt. Es ist sportlich und immer sehr fair“, erzählt zum Beispiel Ruth Wichmann. Dass dieser Sport für Frauen zu hart sei, dagegen wehrt sich die 25-jährige Denise Brinkmann: „Das ist totaler Quatsch, denn dann könnte man auch sagen, dass Karate ein reiner Männersport ist. Die Faszination zum Mittelalter war bei mir schon immer da und ich habe dann irgendwann zum Geburtstag ein Schwert bekommen und dachte mir: Wenn du jetzt schon ein Schwert hast, dann nutze es auch.“ Jetzt trägt sie im Sommer eben Stahl statt Bikini.

So gerüstet schlagen die Damen dann aufeinander ein. Sich in voller Rüstung in einen Schwertkampf zu stürzen, scheint ein beträchtliches Suchtpotential zu haben. „Man fühlt sich dank des Adrenalins so unglaublich. Es ist ein Kampfsport wie jeder andere, sieht eben nur cooler aus“, sagt Denise.

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