Weltmädchentag: So geht es den Mädchen weltweit

Weltmädchentag: So geht es den Mädchen weltweit

Erster Weltmädchentag: Es gibt viel zu tun

Ein kleiner Fußball aus Deutschland hat die Welt ein tüchtiges Stück verändert. Der Fußball war ein Geschenk für ein Patenkind aus Ghana – das Mädchen packte den Ball aus und spielte damit. Dass die Jungs aus ihrem kleinen, armen Dorf sie anfangs nur auslachten, war ihr egal. Und ihren Freundinnen auch. Die Mädels hatten so viel Spaß, dass um ihr Dorf herum immer mehr Fußballmädchen-Teams entstanden. Inzwischen gibt es viele solcher Gruppen, auch in anderen Ländern, aus denen Mädchen Kraft und Selbstvertrauen schöpfen. Und vielleicht sogar eine Zukunft: ein Fußball-Mädchen aus Togo wurde Schiedsrichterin – und pfeifft inzwischen sogar bei Männer-Spielen.

Von Ursula Willimsky

Weshalb wir diese Geschichte erzählen? Unter anderem, weil am 11. Oktober der erste Weltmädchentag ist. Und weil sie zeigt, wie wenig Einsatz (ein Fußball) manchmal nötig ist, um etwas zu bewirken. Die Frau, die damals den folgenträchtigen Fußball schickte, hatte über das Kinderhilfswerk „Plan“ eine Patenschaft für ein Mädchen aus einem Entwicklungsland übernommen. Und Plan führt nicht nur die Fußball-Projekte bis heute weiter. Die Hilfsorganisation setzt sich weltweit für Rechte und Chancen von Mädchen ein – unter anderem kämpft sie seit 2003 für einen offiziellen Weltmädchentag. Die Vereinten Nationen griffen die Idee auf: Am 11. Oktober findet der erste Weltmädchentag statt.

Ein wichtiger Tag, um zu zeigen, dass Mädchen weltweit nicht dieselben Rechte haben wie Jungen, aber enormes Potenzial, das sie aber oft nicht entwickeln können. Claudia Ulferts, Pressereferentin von „Plan“ schildert im Interview mit frauenzimmer.de die Ziele ihrer Arbeit so: „Wir wollen, dass die Mädchen vor allem Bildung bekommen, denn ein gebildetes Mädchen wird ein eigenes Einkommen haben, später heiraten, weniger, aber dafür gesündere Kinder bekommen. Und ihnen – als positiven Schnellballeffekt – ihr Wissen weitergeben.“ Studien belegten, dass ein einziges zusätzliches Schuljahr dazu führe, dass Frauen später im Durchschnitt ein bis zu 25 Prozent höheres Einkommen hätten.

Doch in den ärmsten Ländern schließt immer noch nur jedes zweite Mädchen die Grundschule ab, so Ulferts. Weltweit gehen etwa 75 Millionen Mädchen überhaupt nicht zur Schule – weil sie arbeiten müssen, im Haushalt mithelfen, oder die Eltern entscheiden, dass sie lieber den Bruder zur Schule schicken, das Mädchen wird ja ohnehin später mal heiraten… „Ein ganz wichtiges Ziel unserer Kampagne ist es, dass vier Millionen Mädchen zusätzlich mindestens neun Jahre zur Schule gehen können. Denn auf weiterführenden Schulen wird - im Gegensatz zur reinen Grundschulbildung – auch Wissen vermittelt, das in einem Beruf mündet“, betont Ulferts.

Für den Weltmädchentag engagieren

Dazu gehört auch, Schulen als geschützte Räum zu etablieren. Häufig begleitet in armen Ländern die Angst die Mädchen auf dem Weg in die Schule oder den Eltern ist der mehrstündige Weg zur Schule zu gefährlich. Oder die Mädchen fürchten Übergriffe und Belästigungen im Schulgebäude. Oft könnten hier schon – aus westlicher Sicht - kleine Veränderungen helfen, wie zum Beispiel nach Geschlechtern getrennte Sanitärräume. Oder größere Projekte wie Mädcheninternate, wie eines derzeit in Tansania fertigstellt wird.

Viele Prominente unterstützen den Welt-Mädchentag der Vereinten Nationen. Senta Berger, Wolke Hegenbart, Katja Riemann, Frieda Pinto, Ulrich Wickert, Eva Padberg, sie alle wollen auf die weltweite Benachteiligung von Mädchen aufmerksam machen. Jedes Jahr werden laut „Plan“ etwa 10 Millionen Mädchen zwangsverheiratet: Das bedeutet laut „Plan“, dass etwa alle drei Sekunden ein Mädchen irgendwo auf der Welt gegen ihren Willen verheiratet wird.

Mädchen droht häufiger Mangelernährung, so „Plan“. Wenn in Familien die Jungen bevorzugt werden, sei das Risiko, unterernährt zu werden, für Mädchen etwa dreimal so hoch wie für Jungen. Mädchen werden häufiger Opfer von Menschenhandel. Und ihnen werden häufiger Grundrechte nicht zuerkannt – bis hin zu dem Recht, überhaupt geboren zu werden. Die Liste der Diskriminierungen, aber auch der Chancen, etwas zu ändern, ließe sich noch lange weiterführen.

Um ein deutlich sichtbares Zeichen zu setzen, haben viele Länder , in denen Plan aktiv ist, anlässlich des Weltmädchentages Monumente in kräftigem, dunklen Pink erstrahlen lassen – als selbstbewusstes Leuchtsignal für die Rechte der Mädchen. Aber man kann auch selbst kleine, wichtige Signale setzen. Sich in einer Aktionsgruppe engagieren, eine Patenschaft übernehmen oder eine Hilfsorganisation mit einer Spende unterstützen. Oder eine Pyjama-Party für den guten Zweck organisieren. (Weitere Infos: www.biaag.de)

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