Weltmädchentag: Gute Absichten und schlimme Wirklichkeit

Förderung von Mädchen ist Schlüssel zur nachhaltigen Reduzierung von Armut

Achtung, nicht wundern, wenn sich heute in Eurer Stadt große Gebäude in riesige Knallbonbons verwandeln - es ist Weltmädchentag! Und in welche Farbe taucht man da alles? Natürlich in Pink! Süß, oder? Blutig und grau würde den Kern aber leider eher treffen. Erschreckend, wie schlimm die Situation für Mädchen immer noch ist. Bei uns hapert es immer noch mit der Gleichberechtigung - in anderen Ländern geht es oft um Leben und Tod, wenn man das falsche, also weibliche Geschlecht hat. Aber es gibt Hoffnung - nicht zuletzt durch echte Heldinnen.

Weltmädchentag 2013
Weltmädchentag 2013 : Immer noch keine Gleichberechtigung für Mädchen

Von Dagmar Baumgarten

„Ach, so ein blöder Rosa-Lolly-Tag, was soll das denn bringen?“, unken schon wieder viele im Vorfeld. Aber diese Pauschal-Resignation ist falsch! Am Anfang von großen Veränderungen stehen immer Aufmerksamkeit und viele kleine Erkenntnisse. Und an diesem Weltmädchentag, der zum zweiten Mal stattfindet, wird man eben doch wieder daran erinnert, dass es in vielen Teilen der Erde schmerzhaft, gefährlich und sogar tödlich ist, wenn man als Mädchen geboren wird. Viele kommen ja nicht mal so weit, überhaupt das Licht der Welt zu erblicken. Immer noch ist es in weiten Teilen Asiens üblich abzutreiben, wenn man weiß, dass es sich beim Baby im Bauch „NUR“ um ein Mädchen handelt.

Salut-Freudenschüsse für einen Jungen, Ohrfeigen für ein Mädchen, das man am besten schamhaft hinterm Vorhang versteckt - diese Stimmung herrscht auch immer noch in vielen arabischen Ländern. Schulbildung ist in weiten Teilen der Welt sowieso, wenn überhaupt, für Jungen vorgesehen. Mädchen sollen putzen, kochen und Jungen zur Welt bringen, dafür muss man schließlich nicht lesen und schreiben können.

Weltweite Aufmerksamkeit und Sensibilisierung für das Thema, eben auch durch solche Aktionen wie dem Weltmädchentag, sind eine wichtige Waffe gegen die Unterdrücker. Der Aufschrei, der durch die Welt ging, als mal wieder eine Frau in einem indischen Bus vergewaltigt wurde, hat zu einem Verfahren geführt, was es sonst niemals gegeben hätte. Und wenn Empörung über dieses unfassbare Unrecht nicht reicht, kann man an solchen Tagen auch darauf aufmerksam machen, dass es nicht nur human, sondern auch ökonomisch absolut notwendig ist, Mädchen gleichberechtigt zu behandeln!

So bestätigen es auch die von der UN unterstützten Organisatoren des Weltmädchentags: Wenn beispielsweise 1 Prozent mehr Mädchen zur Sekundarschule gehen, wächst das Bruttoinlandsprodukt eines Landes um 0,3 Prozent. Studien haben gezeigt, dass Förderung von Mädchen ein Schlüssel zur nachhaltigen Reduzierung von Armut ist. Wenn wir sicherstellen, dass Mädchen von Geburt an die gleichen Chancen wie Jungen erhalten, dann helfen wir ihnen und ihren Familien dabei, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen. Der Kampf für Gleichberechtigung und gegen Hunger gehen Hand in Hand.

Wir brauchen junge Heldinnen!

Übrigens - ein schönes Signal am Weltmädchentag wäre doch der Friedensnobelpreis! Für Malala Yousafza - ein Mädchen, das zur Heldin wurde. Schon mit elf Jahren hat sie sich dafür eingesetzt, dass Mädchen genauso zur Schule gehen dürfen wie Jungs. Eigentlich nur ein Kind, das bloggt. Aber für die Taliban so gefährlich, dass sie sie töten wollten. Malala wusste das. Trotzdem hat sie immer wieder die gleichen Rechte von Jungs und Mädchen eingefordert. Ihre zarte Stimme war dabei offensichtlich so durchdringend, dass die Taliban sie für immer zum Schweigen bringen wollten. Ein Mädchen, das mutig für ihre Rechte eintritt, ein Mädchen, das zur Schule geht und damit genauso klug und gebildet wird wie ein Junge? Unvorstellbar in der Welt der Taliban. Und extrem bedrohlich. So wie in vielen Ländern der Erde. Ganze Systeme bauen darauf auf, dass es den starken Mann gibt und die schwache Frau. Deren wichtigste Eigenschaft es ist, weniger wert zu sein. Deshalb darf sie auch geschlagen und vergewaltigt werden. Wenn es irgendetwas gibt, was in diesen Ländern noch weniger wert ist, als eine Frau, dann ist es ein Mädchen.

In einem Schulbus wollten die Taliban Malala töten. In der Hoffnung, sie endgültig zum Schweigen zu bringen, und gleichzeitig jedem anderen zu zeigen, was passiert, wenn ein Mädchen sich nicht an ihre Regeln hält. Stattdessen aber wurde Malala zu einer lebenden Märtyrerin! Sie überlebte nicht nur einen direkten Schuss in den Kopf, sie kämpft auch noch weiter gegen Unterdrückung! Auf der ganzen Welt setzt sie sich dafür ein, dass Mädchen die gleichen Rechte wie Jungen bekommen, und die gleiche Bildung! Sie symbolisiert den Weltmädchentag, denn sie zeigt, wie viel Unrecht und Schmerz Mädchen zugefügt wird, und wie stark und wichtig sie trotzdem sind. Ja, der Friedensnobel für sie wäre wirklich ein schönes Signal!

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