Weltmädchentag 2015: "Die Rechte von Mädchen dürfen nicht länger mit Füßen getreten werden"

Weltmädchentag 2015: "Die Rechte von Mädchen dürfen nicht länger mit Füßen getreten werden"
Statistisch gesehen stirbt alle zehn Minuten irgendwo auf der Welt ein Mädchen als Opfer von Gewalt.

Diese Fakten zeigen Handlungsbedarf

Vergewaltigung, sexueller Missbrauch oder Genitalverstümmelung: Statistisch gesehen stirbt alle zehn Minuten irgendwo auf der Welt ein Mädchen als Opfer von Gewalt. Darauf hat die 'Stiftung Weltbevölkerung' anlässlich des Internationalen Mädchentages am 11. Oktober hingewiesen.

"Schätzungsweise 120 Millionen Mädchen weltweit haben sexuelle Gewalt erfahren", erklärte Geschäftsführerin Renate Bähr und forderte: "Die Rechte von Mädchen dürfen nicht länger mit Füßen getreten werden." Viele Mädchen litten ihr Leben lang an den körperlichen und psychischen Folgen von Gewalt.

Ein Beispiel ist Südafrika, wo laut der gerade veröffentlichten Kriminalstatistik in den zwölf Monaten bis einschließlich April jeden Tag 49 Menschen Opfer von Mord oder Totschlag wurden. Während die Polizei Vergewaltigungen angesichts der extrem hohen Zahl von Fällen seit 2008 nicht mehr einzeln, sondern zusammen mit vielen anderen Sexualstraftaten aufführt, kommt die Zeitung «Sunday Times» auf 118 pro Tag. Dabei ist die Dunkelziffer hoch: Nach Ansicht des Instituts für Sicherheitsstudien wird nur jede 13. Vergewaltigung angezeigt. Viele Täter kommen aus dem Umfeld des Opfers. Die Stiftung Weltbevölkerung fordert die Regierungen auf, rigoroser gegen Täter vorgehen, intensivere Gewaltprävention zu betreiben und auch schädliche Praktiken wie Genitalverstümmelung und Kinderehen abzuschaffen. Mädchen bräuchten zudem bessere Bildung und müssten über ihre Rechte aufgeklärt werden.

"Mädchen verdienen unsere Anerkennung"

Weltmädchentag 2015: "Die Rechte von Mädchen dürfen nicht länger mit Füßen getreten werden"
Zum Weltmädchentag am 11. Oktober wurden in ganz Deutschland mit Unterstützung der ehrenamtlichen Plan-Aktionsgruppen fast 50 markante Gebäude und Wahrzeichen pink beleuchtet. © dpa, Britta Pedersen

Auch die Fakten des 'Plan International'-Reports zeigen Handlungsbedarf: Jedes Jahr werden 15 Millionen Mädchen vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet. 62 Millionen Mädchen im Grund- und unteren Sekundarschulalter gehen nicht in die Schule. Für ein Mädchen in Südsudan ist es drei Mal wahrscheinlicher, an den Folgen von Schwangerschaft und Geburt zu sterben, als die Grundschule abzuschließen. Weltweit haben 30 Prozent der 15- bis 19-jährigen Mädchen Gewalt durch eine ihnen vertraute Person erfahren. Befragt wurden für den Report zudem mehr als 4.000 Mädchen in Ecuador, Nicaragua, Pakistan und Simbabwe.

"Die Vereinten Nationen haben die Stärkung von Mädchen und Frauen zu einem der drängendsten Ziele der neuen Nachhaltigkeits- und Entwicklungsziele (SDGs) gemacht", so Maike Röttger, Vorsitzende der Geschäftsführung von 'Plan International'. "Erst wenn wir konsequent gegen Kinder- und Zwangsheiraten oder Gewalt wie weibliche Genitalverstümmelung vorgehen und Mädchen angemessen beteiligen, können wir dieses Ziel erreichen. Wir halten es für wichtig, dass die Bundesregierung die Förderung von Mädchen als Schwerpunkt in der deutschen Entwicklungspolitik verankert. Dazu gehört, dass finanzielle Mittel für Projekte zum Schutz und zur Förderung von Mädchen und Frauen bereitgestellt werden."

Thomas Silberhorn, Parlamentarischer Staatssekretär, betont: "Wir dürfen es nicht hinnehmen, dass die Rechte und die Würde von Mädchen verletzt werden. Deutsche Entwicklungspolitik setzt sich weltweit dafür ein, dass Mädchen eine gewaltfreie Umgebung und Zugang zu Bildung haben. Oft sind es gerade Mädchen, die Veränderungen innerhalb ihrer eigenen Familien und in der Gesellschaft bewirken. Sie verdienen dafür unsere Anerkennung und Förderung."

Schauspielerin Marion Kracht, die sich seit Jahren für Plans 'Because I am a Girl'-Kampagne für Mädchenrechte einsetzt, drückte zum Auftakt einer bundesweiten Beleuchtungsaktion zum Welt-Mädchentag mit Staatssekretär Silberhorn symbolisch den Starthebel, um den Sitz des Entwicklungsministeriums, das elf Stockwerke hohe 'Europahaus' im Herzen Berlins, in leuchtendes Pink zu tauchen. "Die Benachteiligung von Mädchen kennt viele Gesichter - mit dem Report verleiht Plan ihnen eine Stimme. Ihre Geschichten und Schicksale überzeugen uns alle davon, dass wir sie in Zukunft noch gezielter fördern müssen, damit die Überwindung der Armut gelingt", so Kracht.

Zum Weltmädchentag am 11. Oktober wurden in ganz Deutschland mit Unterstützung der ehrenamtlichen Plan-Aktionsgruppen fast 50 markante Gebäude und Wahrzeichen pink beleuchtet.

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