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Welche Grundschule für mein Kind?

Welche Grundschule für mein Kind?
Wenn sich die Kindergartenzeit dem Ende neigt, stehen Eltern vor der schwierigen Frage, auf welche Schule ihr Kind nun gehen soll. © dpa, Arno Burgi

Die Qual der Wahl bei der Einschulung

Mein Sohn kommt in die Schule. Subjekt, Prädikat, Objekt. Klingt einfach und überschaubar. Leider habe ich in der Schule nicht gelernt, wie man das macht mit den eigenen Kindern und der Schule. Manchmal habe ich in den letzten Monaten gedacht: gäbe es doch einen VHS-Kurs "How-to-do-Einschulung" - ich hätte ihn besucht. Wobei, ein Kurs alleine hätte gar nicht gereicht. Vorher hätte ich noch "How-to-find-the-richtige-Schule" besuchen müssen.

Von Corinna Spieker

Seit in NRW die freie Schulwahl gilt, geht es drunter und drüber. Alle melden sich überall an. Merkt ja keiner, oder? Oh, doch! Die Daten werden an das Einwohnermeldeamt gekabelt und die petzen dann die Doppel-Anmeldungen an die jeweiligen Schulleiter. Und ganz schnell hat man dann die Direktrice an der Strippe mit der entsprechenden Nachfrage: "Auf welche Schule soll Ihr Kind den nun gehen?" Das sind die seltenen Situationen, in denen ich beim Telefonieren aufstehe.

Ein Einschulungs-Test jagt den nächsten

Ja, auf welche Schule soll mein Kind denn nun gehen? Die Grundschule nebenan befindet sich seit Monaten im Ausnahmezustand. Kommissarisch führt eine Direktorin einer anderen Schule diese Gemeinschaftsgrundschule. Die Klassen sind überfüllt. 30 Kinder und mehr sind keine Seltenheit. Die Folge: Die Lehrer sind häufig krank und der Unterricht fällt aus. Na super. Außerdem sind die sanitären Anlagen der Schule ungefähr so alt wie ich (um die 40 Jahre). In meinem Fall geht das noch mit dem Alter, für eine Durchschnittstoilette im Dauergebrauch geht das nicht mehr. Wer dann noch Seife oder Handtücher erwartet, erwartet zu viel.

Aber da ist doch noch die tolle, traditionsreiche Kölner Domsingschule - okay, zu Fuß geht das nicht mehr, aber die haben doch diesen musischen Anspruch, den Eltern mit geisteswissenschaftlichen Studienabschluss so lieben. Nach einer kurzen Nachfrage stellt sich raus: das Kind MUSS katholisch sein. Hmm, das hätten wir noch hinbekommen; aber mindestens ein Elternteil MUSS auch katholisch sein. Das war zu viel des Guten. Nächste Schule. Zwei Nachbarskinder gehen auch hin. Ist mit Hochbegabtenförderung - nicht schlecht, man weiß ja nie. Mein Sohn Tim wird zum Aufnahmetest geladen. Er ist ein so genanntes„Kann-Kind“, zumindest in NRW. In Berlin wäre er ein Pflichtkind - irgendwie komisch. Sind die Berliner Kinder anders? Egal, er macht den Test, und alles ist gut. Er darf auf die Schule. Ja, und wann ist Unterrichtsschluss? Aha, mal so mal so. Und was ist mit der Nachmittagsbetreuung? Ach, das ist ein anderer Träger, man muss sich extra anmelden und wenn man Glück hat, bekommt man einen Platz. Ich arbeite aber! Ich kann nicht auf Glück hoffen. Ich brauche einen Platz - es gibt aber keine Garantie.

Also geht die Suche weiter. Der Radius hat sich vergrößert. In drei Kilometern Entfernung liegt eine "Phorms" Schule. Ein neues Privatschulenkonzept. Meine Berliner Freunde schwärmen: "Hier gibt es schon zwei davon. Der Unterricht ist auf Englisch. Die Schule zweisprachig und die Betreuungszeiten sind super." Sie haben recht: der Unterricht ist von 9-16 Uhr und für Betreuung ist von 7:30-18:00 Uhr gesorgt. Das klingt himmlisch. Aber das ist bestimmt nur was für Superreiche, oder? Nee, stimmt nicht. Das Schulgeld richtet sich nach dem Einkommen. Das klingt gut, jetzt müssen wir nur noch einen Platz bekommen.

Und schon wieder werden wir zum Test geladen. Mit der schulmedizinischen Untersuchung ist es schon der dritte. Tim ist zum Glück ein geduldiger Junge. Und so schneidet er wieder brav Bötchen aus und klebt sie aufs Wasser, zählt anspruchsvoll von eins bis sechs, lässt sich eine Geschichte vorlesen, zu der er hinterher Fragen beantwortet. Puh, jetzt reicht es aber mit diesen Tests. Einige zittrige Wochen später kommt die Erlösung. Wir haben einen Platz, und das Schulgeld passt noch so gerade eben in unser Budget. Ob es die richtige Entscheidung ist? Das weiß ich erst in einigen Monaten. Und dann melde ich mich wieder, versprochen.

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