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Weizen: Wie ungesund ist das Getreide und macht es dick?

Macht Weizen uns wirklich krank und dick?
Macht Weizen uns wirklich krank und dick? Bestseller "Weizenwampe" polarisiert 00:04:01
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Der Bestseller "Weizenwampe" polarisiert - das sagen die Experten

Seit Jahrtausenden ist Weizen ein Grundnahrungsmittel. Doch seit einigen Jahren heißt es: Weizenprodukte seien ungesund. Weizen soll sogar dick und krank machen. Das jedenfalls behauptet der amerikanische Arzt William Davis in seinem Bestseller "Weizenwampe". Doch was ist dran an den Behauptungen? Ernährungsmedizinerin Monika Bischoff klärt uns auf.

Sätze wie "Weizenesser sterben früher" oder "Weizen gefährdet die Gesundheit" provozieren. Doch in welchen Punkten hat das Buch tatsächlich Recht? Seine erste Behauptung lautet: Weizen mache dick. Dazu sagt Monika Bischoff vom Zentrum für Ernährungsmedizin in München: "Das ist ganz einfach: Wenn ich von irgendetwas zu viel esse, dann werde ich dick und speziell halt auch vom Weizen. Weizen ist in Pizza, in Brötchen, in Kuchen. Und wenn ich zu viel Weizen esse, dann werde ich dick." Dass so viele Menschen ohne Weizen abgenommen haben, erklärt sie so: "Das ist nichts anderes als Low Carb, also eine kohlenhydratreduzierte Kost oder eine Diät. Da spare ich Kalorien ein. Und wenn ich Kalorien einspare, dann nehme ich ab."

Der empfohlene Tagesbedarf an Kohlenhydraten liegt bei etwa 1.100 Kalorien (264 Gramm). Mit viereinhalb Weizen-Brötchen wäre das beispielsweise erreicht. Das Problem ist also nicht Weizen, sondern die Menge.

Weiterhin behauptet der Autor: Weizen mache krank! Das liege aber nicht am "Übeltäter Gluten". Schuld seien noch andere Eiweiße im Korn, die sich verändert hätten. Mittlerweile gibt es dazu tatsächlich neue Erkenntnisse. Monika Bischoff weiß: "Das sind Allergene, die in dem Eiweiß drin sind. Das sind bestimmte Botenstoffe, die dann Allergien oder Unverträglichkeiten auslösen." Diese Stoffe seien eine natürliche Abwehr, das das Korn gegen Schädlinge schützen. Enthalten ist der Stoff in den Eiweißen im Mehlkörper des Korns. Bisher bekannt ist, dass bei einigen Menschen das Immunsystem auf das Kleber-Eiweiß Gluten reagiert - im schlimmsten Fall mit einer chronischen Entzündung im Darm.

Neue Diagnose "Weizen-Sensitivitäts-Syndrom"

Dass auch der korneigene Schädlings-Schutz Reizstoffe für uns enthält, ist neu. Dieses Eiweiß nennt sich ATI (Amylase-Trypsin-Inhibitor). Unser Immunsystem reagiert darauf wie auf krankmachende Keime. Es kann zu Entzündungen kommen – nicht nur im Darm. Manche fühlen sich dann müde oder können sich schwer konzentrieren. Forscher sprechen daher bei Allergien oder Unverträglichkeiten auf Weizen neuerdings von der Diagnose "Weizen-Sensitivitäts-Syndrom".

Der Autor glaubt: Das liege daran, dass das Korn überzüchtet und der Anbau unnatürlich sei. Ob die Anbau-Bedingungen für das Eiweiß in Getreide-Körnern eine Rolle spielen, daran wird aktuell noch geforscht. Einiges deutet allerdings darauf hin, dass glutenfreie Produkte nicht zwangsläufig die gesunde Lösung sind.

Eines findet die Ernährungsmedizinerin an dem Buch gar nicht schlecht: "Dass man ein bisschen nachdenkt, wo man Weizen überall findet. Aber dass man komplett drauf verzichten muss, das muss nicht sein. Wir müssen halt einfach weniger davon essen, wo das drin ist."

Zu einseitige Ernährung kann Unverträglichkeiten verstärken. Einmal am Tag Weizen-Produkte auf dem Speiseplan ist laut Ernährungsmedizinerin kein Problem. Wer seine Kalorienbilanz im Griff hat, und – auch wenn es abgedroschen klingt – sich ausgewogen ernährt, dem sollte zumindest die Weizenwampe erspart bleiben.

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