Weihnachten immer mit der ganzen Familie feiern?

Weihnachten: Verona Pooth lässt Mutter allein
Weihnachten: Verona Pooth lässt Mutter allein © dpa, Ursula Düren

Verona Pooth feiert Weihnachten ohne ihre Mutter

Verona Pooth feiert Weihnachten in diesem Jahr mit ihrer Familie – ohne die Oma. Die bleibt alleine in Hamburg unterm Tannenbaum sitzen. Immerhin hat Verona ja zwei Kinder. Aber ist so viel "Egoismus" zum Fest der Liebe erlaubt?

Von Jutta Rogge-Strang

My home is my castle - diese Regel löst sich zu Weihnachten in Luft auf. Eigentlich gibt es nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird man besucht oder man ist eingeladen. Denn zum Fest der Liebe hört der Spaß auf. Weihnachten im trauten Kreise der Familie, mit Oma und Opa und am besten mit Kindern unterm Tannenbaum sitzen, gut essen, viel trinken und Berge an Geschenken verteilen - so sieht das optimale Weihnachtsfest aus.

Verona Pooth hat einen anstrengenden Job und zwei kleine Kinder. Zudem hat sie wohl seit Jahren wenig Kontakt zur Mutter. Nicht ungewöhnlich, sich da in die eigenen vier Wände zu verkrümeln. Friedlich zuhause feiern, das wünschen sich viele Menschen. Verona ist mit ihrer Entscheidung nur konsequent, aber den Mut haben beileibe nicht alle.

Frohe Weihnachten ohne die ganze Familie?

Auch wenn es das ganze Jahr über mal Streitigkeiten gab, sind die Probleme angesichts des festlich geschmückten Baumes vergeben und vergessen. Zwar soll es auch an den Festtagen schon vorgekommen sein, dass unter dem Einfluss von teurem Rotwein oder einem Verdauungsschnäpschen der ganze Ärger wieder aufkeimt. Die Polizei kann dazu ein Liedchen singen…

Bis es jedoch soweit kommt, muss erst noch die wichtigste Frage geklärt werden: Wo wird gefeiert, bei deinen oder meinen Eltern? Häufig prügeln sich also zwei Familienclans um den Heiligen Abend. Denn nur der 24. Dezember zählt, der 25. oder gar 26. gehört der Verlierer-Familie.

Da hilft nur eins: Heute hier, morgen da, am besten im jährlichen Wechsel. Quer durch die Republik sieht man Familien in festlicher Kleidung über die Autobahn flitzen. Mal mehr, mal weniger weit sind die Wege, die es zum nächsten Tannenbaum zu bewältigen gilt. Hauptsache, "die Kinder sind endlich da"!

Weihnachten mit Familie oder lieber in den Urlaub?

Und dann ist es so richtig schön und harmonisch, ganz ohne Streit. Alle sind beisammen und es wird gemütlich: Leicht angesäuselt schwärmt Opa beim Stichwort "Autobahn" von den guten alten Zeiten ("Der Hitler hat ja viel für die Volksmobilität getan"), Onkel Heinz macht wieder auf aktuelle Politik ("Die Merkel ist der beste Kanzler, den wir je hatten") und Mutti sorgt sich letztlich doch nur um den Seelenfrieden: "Warum willst du denn nicht mit in die Kirche?". Und rumms, schon geht es rund und es fliegen die Fetzen. Weil Streit und Schreierei den Mund so austrocknen, wird immer schön nachgekippt. Das macht die Argumente zwar nicht besser, dafür steigt aber auch der Adrenalinpegel.

Auch Singles können sich am Heiligen Abend nicht aus der Affäre ziehen, denn da gehen einem schnell die Argumente aus. So wie früher bei den Eltern feiern, die sich liebevoll ums Wohlergehen kümmern: "Wie läuft es denn im Job?", "Warum hast du denn immer noch keine Freundin/ keinen Freund?", "Wir haben das früher ja ganz anders gemacht, kein Wunder…". Da kommt Freude auf! Sich zu späterer Stunde in die nächste Kneipe zu verziehen und mit Gleichgesinnten den Ärger runterspülen, kann da eine Lösung sein. Aber das nächste Mal kommt bestimmt!

Auch als Gastgeber-Familie ist man aus der Nummer nicht raus: Dann findet der Streit eben unter dem eigenen Weihnachtsbaum statt. Dafür hat man allerdings noch den Stress mit den Vorbereitungen, den Einkäufen und der Geschenke-Koordination. Zusammen mit übertriebenen Erwartungen nach Harmonie und Freude kann das nur in die Hose gehen.

Dummerweise erfüllt sich die stille Hoffnung auf Naturkatastrophen nicht in jedem Jahr. Am besten fliegt man über die Feiertage also weit weg in den Urlaub und gönnt sich nur ein kurzes Telefonat. Ansonsten bleibt wohl nur noch die vorgetäuschte üble Weihnachtsgrippe: "Wir haben uns beim Tannenbaumschlagen schwer verkühlt…". Oder aber: Man redet mit allen Beteiligten Klartext und verbietet von vornhinein Gespräche über Politik und Kirche. Vielleicht klappt es ja dann mit einem frohen Weihnachten.

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