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Weibliche Vorgesetzte: Besser, aber unerwünscht? Weg mit alten Klischees!

Weibliche Vorgesetzte: Besser, aber unerwünscht?
Was Frauen in Führungspositionen anders machen © dpa, Jan-Philipp Strobel

Das Klischee der zickigen Vorgesetzten

In einer Zeit, in der es fast täglich um Frauenförderung, die Quote und weibliche Aufsichtsratplätze geht, könnte diese Studie aus den USA Wasser auf die Mühlen der Kritiker gießen, die Frauenförderung in Unternehmen ohnehin für überflüssig halten. Denn eine Umfrage unter amerikanischen Arbeitnehmern hat ergeben: Nur ein Fünftel von ihnen wünscht sich eine Chefin.

Von Merle Wuttke

Es scheint also immer noch in vielen Köpfen herumzuspuken – das Klischee von der zickigen weiblichen Vorgesetzten, die wahlweise zu launisch ist, um gut zu führen oder kein Interesse daran zeigt, ihre Geschlechtsgenossinnen zu fördern. Oder wie kann man sich sonst das Ergebnis dieser Studie erklären?

Tatsächlich legen andere Umfragen aus den vergangenen Jahren genau das nahe: Frauen gaben hier oft an, dass sie sich von ihren Chefinnen nicht genügend unterstützt fühlten bzw. sogar Angst hatten, diese offen um gezielte Förderung zu bitten. Schade, denn genau diese Ängste und Vorbehalte befeuern das Schubladendenken von weiblichen und männlichen Arbeitnehmern. Und gerade Frauen stellen sich damit – mal wieder – selbst ein Bein.

Männer, insbesondere diejenigen, die den Aufstieg von Frauen in Unternehmen kritisch sehen, sehen in solchen Argumentationen nämlich das beste Beispiel dafür, dass Frauen ab einer bestimmten Führungsebene eben doch lieber weiter den Kaffee bringen, aber bitte nicht die Konferenz leiten sollten.

Frauengeführte Unternehmen gehen seltener pleite

Dabei gehören diese Vorurteile doch längst in die Mottenkiste: Frauen sind keine schlechteren Chefs als Männer, im Gegenteil, in manchen Dingen sind sie sogar besser. So kam eine Studie des Bundeswirtschaftministeriums vor zwei Jahren zu dem Ergebnis, dass frauengeführte Unternehmen seltener pleite gehen als die mit Männern an der Spitze, und dass sie eher auf ein Betriebsklima achten, in dem sich Karriere und Familie miteinander vereinbaren lässt.

Aber natürlich sind Chefinnen keine Heiligen, unter ihnen gibt es Zicken, Opportunistinnen, Cholerikerinnen – genau wie in der ganzen Männerriege. Nur wird ein Boss, der seine Mitarbeiter ständig zusammen schreit, im Zweifel sogar noch als besonders durchsetzungsstark angesehen – bei einer Frau heißt es: "Die hat sich nicht im Griff."

Und ja, der Ton, in dem Frauen führen ist oft ein anderer: leiser, offener. Hier wird mehr im Team entschieden, nicht im Alleingang. Da wird vielleicht auch mal länger über die Herangehensweise und die Umsetzung von Projekten diskutiert, aber das führt im Ergebnis eher dazu, dass weniger Probleme entstehen. Außerdem müssen Frauen im Team sich nicht ständig gegenseitig beweisen, wer mehr in der Hose hat - um mal im männlichen Bild zu bleiben. In der Regel geht es bei weiblich geführten Teams eben mehr um die Sache als um Machtdemonstrationen.

Wahrscheinlich ist das Klischee vom Zickenkrieg aber schon so viele Jahre alt, dass wir es manchmal selbst nicht mehr merken, wenn wir ihm gedanklich zum Opfer fallen. Und genau deswegen brauchen wir mehr weibliche Chefs - damit wir diese Schublade endgültig schließen können.

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