Weibliche Genitalverstümmelung: Immer mehr Mädchen und Frauen werden Opfer

Tag der weiblichen Genitalverstümmelung: Immer mehr Mädchen und Frauen werden Opfer
Rund 200 Millionen Mädchen und Frauen werden jährlich genital verstümmelt

70 Millionen mehr Opfer im Jahr 2015

Weltweit leben etwa 200 Millionen Mädchen und Frauen, die an ihren Genitalien verstümmelt wurden! Es ist eine erschreckende Zahl, die das Ausmaß der grausamen Tradition auf brutale Weise verdeutlicht. Noch schlimmer ist jedoch, dass die Zahl der Opfer im vergangenen Jahr um 70 Millionen höher liegt als noch 2014. Das Kinderhilfswerk Unicef schlägt nun Alarm. Doch wie ist das überhaupt möglich?

Schuld daran soll zum einen das immense Bevölkerungswachstum sein, zum anderen seien diesmal aber auch neue Daten aus Indonesien erfasst worden. Insgesamt wurden Daten aus 30 Ländern ausgewertet.

Rund die Hälfte der Opfer leben demnach in Indonesien, Ägypten und Äthiopien. In indonesischen Kliniken wird die weibliche Genitalverstümmelung oft sogar als Komplett-Paket direkt zur Geburt angeboten – Ohrlochstechen inklusive. Doch während die Zahl der Mädchen und Frauen, denen so etwas angetan wird, in diesen Ländern von Jahr zu Jahr meist konstant bleibt, ist etwa in Liberia, Burkina Faso und Kenia ein Anstieg der brutalen und häufig lebensgefährlichen Praktiken zu beobachten.

Viele Opfer erleiden schwere körperliche und seelische Schäden

Bei der extremsten Form der Beschneidung wird das gesamte äußere Genital entfernt und die Schamlippen über der Scheide und dem Harnröhrenausgang zugenäht. Übrig bleibt nur eine kleine Öffnung für Urin und Menstruationsblut. Dieses Loch wird dann nach einer Hochzeit mit roher Gewalt wieder geöffnet, um Geschlechtsverkehr und eine Geburt zu ermöglichen.

Da die Instrumente für den Eingriff nur selten sterilisiert werden und mehrmals zum Einsatz kommen, ist die Sterberate hoch. Viele Mädchen verbluten, bekommen eine Sepsis (Blutvergiftung) oder stecken sich mit Hepatitis an. Viele von ihnen werden auch mit dem Aidserreger HIV infiziert. Von den psychischen Qualen, die sie ein Leben lang begleiten werden, mal ganz abgesehen. Rund 15 Prozent der beschnittenen Mädchen – meist aus muslimischen Ländern West- und Nordostafrikas - erleiden diese Art der Verstümmelung, die auch Infibulation genannt wird.

Für eine Exzision werden die äußere Klitoris und die kleinen und großen Schamlippen abgetrennt. Anders als bei der Infibulation wird die Wunde hinterher aber nicht vernäht, das Gewebe vernarbt einfach. Bei der niedrigsten Form der Genitalverstümmelung wird nur die Klitorisspitze entfernt, um dem Mädchen das Lustempfinden zu nehmen.

Doch warum wird ihnen das überhaupt angetan? Die Begründungen dazu sind immer gleich: Die Mädchen sollen rein sein, ihre Libido und ihr Temperament sollen gleichzeitig kontrolliert werden. Die Kontrolle über Sex, Lust und Familie obliegt ausschließlich dem Mann. Eine unbeschnittene Frau gilt daher als nicht vermittelbar und dabei spielt es keine Rolle, ob die Familie in Afrika, Asien oder Europa lebt.

Diese Gemeinschaften von der Falschheit und Brutalität des Rituals zu überzeugen ist schwer. Dennoch kämpfen Hilfsorganisationen seit Jahren unermüdlich gegen die Genitalverstümmelung bei Mädchen und Frauen. Seit 2003 gibt es zudem den Tag gegen weibliche Genitalverstümmelung, der an jedem 6. Februar auf diese schrecklichen Praktiken aufmerksam macht.

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