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Wegweisendes Urteil: Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kein Verbrechen

Schwangere dürfen trinken
Urteil: Alkoholkonsum in der Schwangerschaft kein Verbrechen. © picture-alliance/ ZB, Arno Burgi

"Fall von enormer Bedeutung"

Ein Kind, das mit fetalem Alkoholsyndrom (FAS) geboren wurde, hat keinen rechtlichen Anspruch auf Entschädigung. Das hat das englische Berufungsgericht entschieden. Ein durchaus schwieriger Sachverhalt, da folgende Frage zur Debatte stand: Begeht eine werdende Mutter ein Verbrechen an ihrem Kind, wenn sie trotz besseren Wissens erhebliche Mengen Alkohol trinkt und ihr Kind infolge dessen mit schweren körperlichen und geistigen Schäden zur Welt kommt? Eine Problemstellung, die letztlich auf die Frage hinaus läuft: Ist der Fötus bereits ein Mensch, der losgelöst von seiner Mutter betrachtet werden muss.

Die englischen Richter entschieden: Nein, "nicht nach unserem Recht". Der Gerichtsreporter der BBC, Clive Coleman sagte: "Dieser Fall war von enormer Bedeutung. Wenn das Gericht geurteilt hätte, dass eine Mutter an ihrem ungeborenem Kind ein Verbrechen begeht, wenn sie es mit Alkohol vergiftet, dann hätte dieses Urteil den Effekt, dass es Schwangere, die Alkohol trinken, kriminalisiert".

Angeklagt war eine Mutter, die während ihrer Schwangerschaft täglich acht Dosen Starkbier und eine halbe Flasche Wodka getrunken hatte. Ihre siebenjährige Tochter leidet unter FAS, ist lernbehindert, hat Gedächtnisprobleme und ist stark verhaltensauffällig.

Die Kläger betonten, es sei ihnen nicht darum gegangen, irgendwelche Rechte zu beschneiden oder Schwangere zu kriminalisieren. Vielmehr wollten sie erreichen, dass das Kind Anspruch auf Leistungen aus dem staatlichen Fonds für Verbrechensopfer hat. Dafür müsste die Siebenjährige allerdings als Opfer eines Verbrechens gesehen werden. Dies aber gibt das britische Recht nicht her.

Rein juristisch ist der Fall also klar, bleibt die ethische und moralische Seite der Dinge. Wie schon Jutta Rogge-Strang am Ende ihres Artikels über das Gerichtsverfahren festhielt: "Das Gemeine ist: Das Kind kann absolut nichts dafür, dass es diese 'Krankheit' ein Leben lang mit sich herumträgt. Und ein ganzes langes Leben lang mit körperlichen und auch psychischen Problemen zu kämpfen hat. Wie soll man so etwas wiedergutmachen?"

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