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Wegen Sex-Video gemobbt und sich das Leben genommen: So können sich Mobbing-Opfer wehren

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Das ist Tiziana Cantone, die sich das Leben nahm, weil ein ganzes Land sie mobbte. © Instagram / tizianacantonereal

Der tragische Fall der Tiziana Cantone

Tiziana Cantone  war jung, schön und lebte in der Nähe von Neapel ein normales Leben, bis sie vor einem Jahr zu einer traurigen Berühmtheit wurde. Sie schickte ihrem Verflossenen, wohl aus Rache, ein Video, das sie beim Sex mit ihrem Neuen zeigt. Der Ex stellte das Video auf seine Facebook-Seite. Es verbreitete sich in Windeseile im ganzen Land. Falcone wurde beschimpft und verhöhnt. Der Satz: „Ma stai facendo un video, bravo!“ („Du machst ein Video, bravo“), den sie in dem Video sagt, wurde zum geflügelten Wort, sogar bekannte Fußballer beteiligten sich an der Häme. Cantone kämpfte, sie nahm einen neuen Namen an, ging gerichtlich gegen die Verbreitung des Videos vor - und bekam sogar Recht. Sie musste aber 20.000 Euro Gerichtskosten zahlen. Und erhängte sich schließlich. Sie war 31 Jahre alt.

Von Christiane Mitatselis

Der Fehler ihres Lebens

Der Fall ist tragisch, besonders weil die junge Frau leichtfertig den ersten 'Fehler' beging. Das Video stammte von ihr selbst, sie unterschätze offenbar sowohl ihren Ex-Freund als auch die Gefahren der digitalen Verbreitung. Bilder, die ins Internet gelangen, können nicht mehr zurückgenommen werden. Da helfen auch Verbote nicht wirklich. In versteckten Winkeln des weltweiten Netzes können alle Inhalte überleben.

Cantone hatte keine Chance, sie hätte nur abwarten und hoffen können, dass es irgendwann vorbei ist, weil die nächste Sau durch Netz getrieben wird. Währenddessen hätte sie sich am besten von Psychologen betreuen lassen. Oder das Land gewechselt.

Cybermobbing: Es gibt keine speziellen Gesetze

Cybermobbing ist besonders gemein, da die Mobber im Netz anonym auftreten können und Dinge von sich geben, die sie sich sonst nicht trauen würden. Es ist zwar möglich, gerichtlich gegen Cybermobbing vorgehen, spezielle Gesetze dafür gibt es aber nicht. Man kann etwa wegen Beleidigung oder auf Wahrung von Persönlichkeitsrechten klagen. Dafür braucht man immer Geduld und Geld.

In Italien, wo Cantones Fall Betroffenheit ausgelöst hat, fordern Politiker bereits spezielle Gesetze gegen Mobbing im Internet. Und wahrscheinlich würde es manche Mobber tatsächlich abschrecken, wenn sie wüssten, dass sie auch für anonym verfasste Beleidigungen schnell belangt werden könnten.

Der wichtigste Schluss aber, den man aus dem traurigem Fall ziehen sollte, ist dieser: Persönliche Fotos oder Videos sollten privat bleiben und weder gepostet noch verschickt werden. Man kann schon  wegen vermeintlich harmloser Bilder Mobbing-Opfer werden. Etwa, weil die digitale Meute eine Pose auf einem Foto oder einen Satz in einem Video lächerlich findet. Schon manch ein armer Mensch hat auf diese Weise ungewollte Popularität erlangt. Also bitte: Erst denken, dann senden!

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