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Wechselwirkungen: Lebensmittel können Medikamente beeinflussen

So werden Medikamente keine bitteren Pillen

Wer Medikamente einnehmen muss, sollte auch darauf achten, was er isst und trinkt. Denn bei jedem achten Arzneimittel kann es zu Wechselwirkungen von Medikamenten mit Lebensmitteln kommen. Das kann die Medikamente unwirksam oder sogar schädlich machen. Mit diesen Tipps werden keine bitteren Pillen aus Ihrer Arznei. Sie sollten die Wechselwirkungen von Medikamenten prüfen.

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Medikamente und Lebensmittel: Überraschende Wechselwirkungen
Bestimmte Lebensmittel und Getränke können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. © picture-alliance/ dpa/dpaweb, Lehtikuva Marja Airio

Speisen und Getränke können die Wirkung von Medikamenten auf vielerlei Weise beeinflussen: Sie können sie erhöhen, herabsetzen oder Medikamente sogar ganz unwirksam machen. Es gibt rund 50.000 Medikamente, die Wechselwirkungen mit Lebensmitteln eingehen können.

Für Menschen, die nur hin und wieder eine Tablette oder ein sonstiges Präparat einnehmen, sind Wechselwirkungen eher zu vernachlässigen. Aber gerade Patienten mit chronischen Erkrankungen sollten Ihre Ernährung mit der Arzneimittel-Einnahme abstimmen.

Generell gilt: Tabletten sollten Sie immer mit Wasser einnehmen. Am besten übrigens mit Leitungswasser, weil das weniger Salze enthält. Dabei sollten Sie nicht nur einen Schluck, sondern besser ein Glas Wasser bei der Einnahme trinken, damit die Tablette auch wirklich runtergespült wird und nicht in der Speiseröhre stecken bleibt. Aus diesem Grund sollten Sie die Tablette auch nie im Liegen einnehmen.

Menschen mit chronischen Erkrankungen müssen besonders aufpassen

Und: Je mehr Sie trinken, desto besser löst sich die Tablette auf und umso schneller wirkt sie. Kaffee und vor allen Dingen Milch können die Aufnahme des Wirkstoffes verhindern (etwa bei Schilddrüsen-Medikamenten). Unbedingt verzichten sollte man auf die Einnahme mit Alkohol. Hier können gefährliche Wechselwirkungen entstehen.

Schon ein wenig Alkohol kann zu Reaktionseinschränkungen oder einer Verstärkung der Medikamentenwirkung führen. Auch Milch oder Säfte können die Wirkung des Präparats stark beeinflussen.

Auch wenn es manchmal schwer fällt, die Pille zu schlucken, sollten Sie die Medizin nicht zerteilen. Denn manche Tabletten sollen sich erst im Körper auflösen. Eine zerbrochene Tablette kann die Wirkung mindern.

Zur Sicherheit sei noch einmal erwähnt, dass die Lektüre des Beipackzettels Pflicht ist. Patienten begeben sich bei Missachtung der Hinweise mitunter in Lebensgefahr.

Und so verstehen Sie den Beipackzettel richtig: Die Medizin 'vor dem Essen' einnehmen bedeutet, etwa 30 Minuten vor der Nahrungsaufnahme die Tablette zu nehmen. Auf leeren Magen wirken Medikamente schneller. Manche Präparate, die ihre Wirkung erst im Darm entfalten sollen, müssen dafür einen leeren Magen durchwandern.

'Mit der Mahlzeit' bedeutet tatsächlich mit dem Essen. Dabei ist es egal, ob sie die Medizin fünf Minuten vor oder nach dem Essen einnehmen. Wichtig ist nur, dass die Tablette die Chance erhält, mitsamt dem Speisebrei den Magen zu durchwandern. Denn manche Medizin schadet der Magenschleimhaut und der Speisebrei schützt diese.

'Nach dem Essen' bedeutet mindestens zwei Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Grund: Manche Lebensmittel behindern die Wirkstoffaufnahme.

Wenn Sie einmal vergessen haben, die Medizin zu nehmen, keinesfalls beim nächsten Mal die doppelte Menge nehmen. Lieber den Arzt ansprechen oder in der Apotheke nachfragen.

Welche Lebensmittel beeinflussen welche Medikamente?

Medikamenteneinnahme, Tabletten, Medikamente
Aufgepasst: Antibiotika kann die Wirkung von Koffein verstärken. © picture-alliance / dpa, lehtikuva Matti Kolho

Antibiotika und Kalzium // Koffein

Viele Antibiotika verbinden sich mit Kalzium zu einem Komplex, der folglich nicht vom Körper aufgenommen werden kann. Daher sollten Antiobiotika nicht mit Lebensmitteln eingenommen werden, die Kalzium enthalten, Dazu zählen Milch und Milchprodukte (Käse, Quark, Joghurt), aber auch mit Kalzium angereicherte Säfte (Zutatenliste beachten!). Antibiotika verstärken die Wirkung von Koffein, weil sie die koffeinabbauenden Enzyme hemmen. Folglich kann es zu innerer Unruhe,

Herzklopfen und Schlaflosigkeit kommen.

Antidepressiva und Eiweiß

Viele eiweißreichen Lebensmittel, wie zum Beispiel Käse, Fleisch, weiße Bohnen oder auch Sauerkraut, enthalten die Substanz Tyramin. Diese führt in Verbindung mit den sogenannten Monoaminoxidase-Hemmern, die in Anti-Depressiva enthalten sind, zu einem gefährlichen Blutdruckanstieg. Daher sollten Sie bei der Einnahme von Antidepressiva auf entsprechene Lebensmittel verzichten.

Asthmamittel und schwarzer Pfeffer, Tee und Walnüsse

Der Abbau von Theophyllin, dem Wirkstoff der meisten Asthmamitteln, wird durch Wirkstoffe des schwarzen Pfeffers gehemmt. Auch auf schwarzen Tee, Himbeeren oder Walnüsse sollte während der Einnahme verzichtet werden, da sie die Wirkung der Medikamente deutlich herabsetzen können.

Blutverdünner und grünes Gemüse // Knoblauch

Grünes Gemüse wie Brokkoli, Spinat, Bohnen oder Erbsen enthält Vitamin K. Dieses weitgehend unbekannte Vitamin sorgt für eine stärkere Blutgerinnung. Damit setzt es die Blutverdünner praktisch außer Gefecht oder senkt zumindest deren Wirkung. Dies kann Schlaganfall- oder Herzinfarkt-Patienten zum Verhängnis werden. Knoblauch wiederum wirkt als natürlicher Blutverflüssiger. Bei einer größeren Menge in Kombination mit chemischen Blutverdünnern kann sich der Effekt so verstärken, dass sich Wunden unter Umständen nicht mehr schließen. Auch kleinere, innere Blutungen können so zur Gefahr werden.

Diuretika und Lakritz

Wasserabführende Medikamente senken den Kaliumspiegel. Den gleichen Effekt hat Lakritz. Kombiniert kann es zu Kaliummangel kommen, der wiederum Herzprobleme nach sich ziehen kann. Lakritz erhöht außerdem den Blutdruck. Kalium ist auch wichtig für die richtige Funktion von Nerven und Muskeln.

Eisenpräparate und Kaffee, Tee und Milch

Die Gerbstoffe im Kaffee und Tee, aber auch Milch binden Eisen im Darm und hemmen dadurch die Eisenaufnahme ins Blut.

Schlaf- und Beruhigungsmittel und Alkohol oder Grapefruitsaft

Diese Mittel wirken auf die Psyche. Solange Sie sie einnehmen, sollten Sie keinen Alkohol trinken. Alkohol - und auch Grapefruitsaft - verstärken die Wirkung dieser Medikamente. Schlimmstenfalls fühlen Sie sich am nächsten Morgen total wie nach einem Vollrausch - völlig verkatert.

Schmerzmittel und Fett // Ballaststoffe // Grapefruitsaft

Schmerzlindernde Mittel wie Ibuprofen oder solche, die Acetylsalicylsäure enthalten, sollten Sie nicht zusammen mit fettigem Essen einnehmen. Fett wird nur langsam verdaut, bleibt also länger im Magen und der Wirkstoff des Medikaments wird verzögert aufgenommen.

Bei Schmerzmitteln mit Paracetamol haben Brot und Müsli den gleichen Effekt. Die enthaltenen Ballaststoffe binden chemische Substanzen, sodass diese nicht vom Körper aufgenommen werden können und der Schmerz bleibt. Paracetamol belastet zudem stark die Leber, weshalb Sie während der Dauer der Einnahme auf Alkohol verzichten sollten, da auch dieser die Leber beansprucht.

Kopfschmerzmittel in Kombination mit Grapefruitsaft können zu schlimmem Herzrasen führen. Beim Grapefruitsaft gelten die enthaltenen Flavonoide (Bitterstoffe) als die Übeltäter. Sie blockieren ein Leber-Enzym, das für den Abbau von 50 Prozent aller Medikamente notwendig ist.