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#WeAreAllOne - Was wir vom Flüchtlingsteam lernen können

Die Flüchtlinge haben sich in Kenia auf ihre Wettkämpfe vorbereitet
Sportlerinnen des Athlete Refugee Teams © Jordan Maddocks

Eine Begegnung mit dem Athlete Refugee Team bei der Leichtathletik-WM in London

Es ist Leichtathletik-WM in London, 2000 Athleten aus 205 Nationen treten an. 205 Nationen und ein Flüchtlingsteam: Die fünf jungen Top-Athleten, die unter dem Kürzel ART (Athlete Refugee Team) antreten, sind vor Konflikten geflohen, haben Krieg überlebt. Sie haben eine Botschaft, die weit über den Sport hinausgeht. 

Von Daniela Altmayer

„Ob Afrikaner, Flüchtling oder wer auch sonst, wir sind alle eins. Es geht nicht darum, irgendein Land zu vertreten. Das hier ist für Flüchtlinge auf der ganzen Welt. Denn im Sport sind wir alle ein Volk: Athleten“, sagt Gai Nyang aus dem Athlete Refugee Team. Deshalb treten die Sportler des ART unter dem Motto #WeAreAllOne an.

"Ich bin nicht nur Flüchtling, ich bin ein Mensch"

In Kenia haben sich die Athleten des ART auf die WM in London vorbereitet
Vorbereitung auf die Leichtathletik-Weltmeisterschaft in London

Die Botschaft der Athleten berührt. „Ich bin nicht nur Flüchtling, ich bin ein Mensch! Und auch ein Flüchtling kann großartige Leistungen vollbringen!“, sagt einer der Athleten. Die Sportler des Athlete Refugee Teams treten in London an, um auf das Schicksal von mehr als 65 Millionen Flüchtlingen weltweit aufmerksam zu machen.

Wie alle Leistungssportler träumen sie aber auch davon, bei einem großen Wettkampf Erfolge zu feiern. Ihre Trainingsbedingungen sind allerdings ganz anders als bei anderen Athleten.

UN-Friedensbotschafterin Tegla Louroupe hat die WM-Teilnahme möglich gemacht

Der deutsche Coach Volker Wagner hat die Sportler Kadar Omar, Dominic Lokinyomo, Bashir Ahmed, Anjelina Nadai Lohalith und Rose Lokonyen in zehn Monaten für die Herausforderung WM fit gemacht. Er arbeitet eng zusammen mit UN-Friedensbotschafterin Tegla Louroupe, der ehemaligen Marathon-Weltrekordlerin, die die Teilnahme des ART bei der Leichtathletik-WM möglich gemacht hat. Mit ihrer Friedensstiftung und ihren sozialen Projekten setzt sie sich in Kenia und anderen afrikanischen Ländern seit Jahren dafür ein, mit Sport ein Zusammengehörigkeitsgefühl und letztlich mehr Frieden zu erreichen.

Eine Begegnung, die mich Demut lehrt

Athlete Refugee Team: Kadar Omar, Dominic Lokinyomo, Bashir Ahmed, Anjelina Nadai Lohalith und Rose Lokonyen
Athlete Refugee Team der Leichtathletik WM 2017 © Matt Alexander

Ich habe diese beeindruckende, starke Frau und die fünf Athleten in London bei einer Foto-Ausstellung ihres Ausstatters, des Schweizer Sportartikelherstellers On, getroffen. Was ich erwartet habe: Bewegende Geschichten von vor Leid und Krieg Geflüchteten zu hören, die jetzt bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften in der reichsten Stadt Europas antreten.

Doch die Begegnung mit den jungen Athleten hat meinen Blick verändert. Ich habe hier keine Leidensgeschichten zu erzählen. Es sind starke Menschen, die viel erlebt haben und die mit aller Kraft ihr Schicksal in die Hand nehmen.

Rose Nathike Lokonyen vom ART
Rose Nathike Lokonyen vom Athlete Refugee Team © Jordan Maddocks

Rose Lokonyen sagt mir: „Das Laufen ist meine Chance auf Entwicklung. Das Laufen ist meine Chance auf Freiheit.“ Sie kann auf diese Art ein anderes Leben führen als es der klassischen afrikanischen Frauenrolle entspricht. „Der Sport hat mir das Leben zurückgegeben“, sagt Rose.

Und so gibt die Begegnung mit dem Athlete Refugee Team auch mir eine Botschaft mit auf den Weg. Nutze deine Möglichkeiten! Nutze deine Chancen!
​Diese Menschen haben, seit sie als Kinder aus ihrem Land geflohen sind, unter härtesten Bedingungen gelebt. Unter ganz anderen Bedingungen als wir hier in Europa. Die Chance, die sie haben, nutzen sie.

Daran können wir uns alle ein Beispiel nehmen.

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