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Waschzwang: Zwangsstörung, die aus Angst vor Keimen entsteht

Zwangsstörung: Waschzwang
Zwangsstörung: Waschzwang Wenn Hygiene krank macht 00:04:53
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Waschzwang: Wenn Hygienezwang krankhaft wird

„Regelmäßig Hände waschen!“ Wer kennt nicht diesen Satz? Gerade zur kalten Jahreszeit, in der Menschen wieder vermehrt krank werden und ihre Bakterien verbreiten, sollten wir ihn uns hinter die Ohren schreiben.

Zwangsstörungen: Hände waschen mit Seife
Krankhaftes waschen kann den Säuremantel der Haut zerstören © imagesource/allure

Die Angst vor Infektionen und Bakterien ist gesund und tief in unseren Köpfen verankert. Es ist quasi eine angeborene Angst, die dafür sorgt, dass unsere Spezies überlebt. Bei manchen Menschen ist diese Angst jedoch lange nicht mehr gesund: Sie haben einen krankhaften Waschzwang.

Waschzwänge gehören zu den häufigsten Zwangsstörungen. Betroffene Menschen berichten häufig darüber, dass sie eine plötzliche Angst - meist im Teenager-Alter – ergreift und ihr Handeln übernimmt. Menschen mit einem Waschzwang wollen sich gar nicht so häufig die Hände waschen oder duschen, es ist der Kopf.

Waschen bis es blutet

Menschen mit Zwangsstörungen haben feste Rituale, die sie durchführen, um ihren Körper oder die Hände von Keimen zu befreien. Wird der Akt des Waschens gestört, etwa durch das Klingeln des Telefons, ‘muss‘ der Betroffene von vorne anfangen. Die Angst ist zu groß, nicht alle Bakterien beseitigt zu haben.

Die Ursachen für Reinigungszwänge sind leider nicht ausreichend erforscht. Psychologen meinen, dass Zwangsstörungen meist schon in der Kindheit entstehen und bei Stress- oder Trauersituationen ausbrechen können. Die Betroffenen versuchen auf diese Weise, ihr Leben zu kontrollieren und Katastrophen oder Schicksalsschläge abzuwenden. Das Zwangsverhalten wirkt angstreduzierend und soll Unsicherheiten ausgleichen. Menschen, die in ihrer Kindheit penibler Hygiene der Eltern ausgesetzt waren, sind eher anfällig für Zwänge, als Kinder, die ihre frühkindlichen Phasen voll ausleben konnten.

Ein Waschgang kann den Betroffenen manchmal sehr viel Zeit kosten, nicht selten waschen sie sich Körperstellen wund und sogar bis aufs Fleisch. Durch die Seife und diverse Desinfektionsmittel wird der natürliche Säuremantel der Haut zerstört, die Haut liegt dann quasi offen für Keime und Bakterien, was den Körper noch anfälliger für Infektionen machen kann.

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