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"Was verdient eigentlich mein Kollege?": Lohngerechtigkeit zwischen Männern und Frauen beschlossen

Transparente Löhne für Männer und Frauen
Transparente Löhne für Männer und Frauen Lohngerechtigkeit in Unternehmen 00:00:30
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Wieviel verdient der Mann neben mir?

Manuela Schwesig, Familienministerin aus der SPD, hat sich für ein Gesetz stark gemacht, das nun vom Kabinett gebilligt wurde. Durch mehr Transparenz soll die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen geschlossen werden. Frauen in Betrieben ab 200 Mitarbeitern können künftig Auskunft darüber verlangen, was Männer in gleichen Positionen verdienen. Es hört sich erst einmal gut an, allerdings ist es nicht so einfach, wie es klingt.

Von Christiane Mitatselis

Frauen verdienen in Deutschland im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer - ein europäischer Spitzenwert. Das jetzt durchgewunkene Gesetz "zur Förderung der Transparenz von Entgeltstrukturen" soll helfen, diese Lücke zu schließen. Frauen können allerdings nicht einfach hingehen und sagen: "Ich möchte wissen, was der Mann verdient, der das Gleiche tut wie ich (oder tun sollte, in Wahrheit telefoniert er die ganze Zeit" und mit dieser Summe in die nächste Gehaltsverhandlung marschieren.

Es ist viel komplizierter. Wer in einem Unternehmen mit mindestens 200 Mitarbeitern arbeitet, hat einen so genannten "individuellen Auskunftsanspruch". Liegen Hinweise vor, dass fünf oder mehr Kollegen des anderen Geschlechts, die eine gleiche oder gleichwertige Leistung besser entlohnt werden, so ist es möglich, die Durchschnitts-Brutto-Gehälter anonymisiert vergleichen zu lassen - einschließlich zweier Boni, die in dem Betrieb üblicherweise gezahlt werden. Auch Männer, die sich gegenüber Frauen im Nachteil fühlen, können das tun.

Was kann man tun, wenn man weiß, man verdient weniger?

Ein erster Knackpunkt: Was wird als Hinweis gewertet werden? Kursierende Gerüchte, ein zufälliger Blick auf den Gehaltszettel des Kollegen? Hat sich der Kollege womöglich verplappert? Sehr schwer zu sagen, wie dieser Punkt in der Praxis gehandhabt wird. Warum ist es nicht einfach möglich, ohne die Hürde der Hinweise einen Überblick über die Durchschnitts-Bruttogehälter der Männer zu erhalten, die in vergleichbaren Positionen tätig sind? Die landesweite Gehaltslücke von 21 Prozent ist Hinweise genug.

Das nächste Problem: Was kann eine Frau tun, die erfährt, dass ihr Gehalt unter dem Schnitt der Männer liegt? Die traurige Antwort lautet: eigentlich nichts. Im Gesetz steht nur: "Bei geschlechtsbedingter Ungleichbehandlung ergreift der Arbeitgeber die geeigneten Maßnahmen zur Beseitigung der Benachteiligung." Das heißt: Es wäre schön, wenn er etwas unternähme. Falls er es nicht tut, muss er allerdings nicht mit Sanktionen seitens des Staats rechnen. Die benachteiligte Arbeitnehmerin kann nur vor Gericht gegen den Arbeitgeber und die Ungleichheit klagen."

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