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Was taugen Kinderkrankheiten-Apps?

Erste-Hilfe-Tipps für Eltern: Geben Apps die richtigen Tipps?

Im Krankheitsfall ist es gerade für Eltern immer eine schwierige Situation: Was tut man, wenn das Kind plötzlich Bauchschmerzen oder erhöhte Temperatur hat, oder wenn es zu einem Notfall kommt? Zwei neue Apps versprechen, für jede Krankheit das angeblich richtige Hausmittelchen auszuspucken. Selbst bei Notfällen soll es da sofort den richtigen Ratschlag geben. Ob diese Apps wirklich etwas taugen - wir haben den Test gemacht.

Mutter Susann Tilmann bekommt von uns die erste Aufgabe gestellt: Sie soll ihrer Tochter unter den Augen eines Kinderarztes einen Druckverband anlegen. Wie genau das geht, erklärt ihr die Notfall-App. Wir stoppen die Zeit. Kinderarzt Dr. Ludwig Stapenhorst ist überrascht, wie sehr sich Mama Susann von der App stressen lässt, denn sie findet auf Anhieb nicht die richtige Kompresse. Endlich ist der Druckverband fertig. Nach drei Minuten und dreiunddreißig Sekunden. "Unter der Vorstellung, dass alles schon da ist, sind natürlich 3 Minuten 30 doch schon eine gewisse Zeit. Gut, der Druckverband an sich ist nicht schlecht. Bei einer stark blutenden Wunde hätte man ihn vielleicht noch ein bisschen strammer binden müssen", lautet Dr. Stapenhorsts Urteil.

Die nächste Aufgabe: Ein Kind hat sich verschluckt. Die Ansage lautet: "Kopf und Bauch nach unten auf den Unterarm legen und mit flacher Hand dem Kind kräftig zwischen die Schulterblätter klopfen, um den Fremdkörper aus der Luftröhre zu entfernen." Susann will das Kind nicht verletzen und klopft daher viel zu sanft. Der Kinderarzt macht es ihr vor.

Wenn's drauf ankommt, ist die App für Susann also keine Hilfe: "Als vorbereitende Maßnahme würde ich's schon empfehlen, dass man sich einfach mal was durchlesen kann, was im Kopf bleibt. Aber in Notsituationen, würde ich es jetzt persönlich nicht empfehlen. Für mich wär's nichts." Auch Dr. Stapenhorst meint: "Lieber einmal mehr den Notarzt anrufen und sich Hilfe holen, als sich auf so eine App zu verlassen."

Wir wollen noch eine zweite App testen: Die Hausmittel-App.

Lorenz ist schon den ganzen Tag schlecht. Er behält weder feste noch flüssige Nahrung bei sich. Was empfiehlt die App bei Übelkeit? Sie rät zu verschiedenen Tees und Mamas Hühnersuppe - mit dabei ist auch ein genaues Rezept. Lorenz wird erstmal untersucht und die Diagnose des Kinderarztes ist klar: "Das Kind hat einen Magen-Darm-Infekt und der Magen-Darm-Infekt selber braucht eigentlich keine Medikamente, solange die Kinder ausreichend trinken. Diese Hausmittelchen sind wunderbar, denke ich, gerade bei einer Magen-Darm-Erkrankung ist das gut." Da hat die Hausmittel-App ja genau die richtigen Tipps gegeben!

Dustin ist der nächste Patient. Er hat einen Ausschlag. Die App rät zu verschiedenen Bädern, Lotionen und Kompressen. Und was sagt der Arzt? "Klare Sache: Das Kind hat einen Scharlach. Also müssen wir Antibiotikum geben. Dann geht's dem Kind schnell wieder besser." Hier lag die App daneben. Die Behandlung ausschließlich mit Hausmittelchen wäre sogar gefährlich: "Man kann es halt im Einzelfall nicht immer selber diagnostizieren. Und das ist ein klassisches Beispiel dafür", so Dr. Stapenhorst.

Was also sagt der Arzt zur Hausmittel-App? "Es spricht ja gar nichts dagegen, dass man das begleitend macht. Das Problem ist aber immer, gerade bei den Kindern wirklich sicher zu sein, dass nichts Schlimmeres dahinter steckt. Dafür ist es manchmal notwendig, auch einen Arzt hinzuzuziehen." So ganz ohne geht's halt doch nicht. Sich trotzdem zu informieren, was im Notfall zu tun ist, kann aber sicher auch nicht schaden.

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