Was taugen billige Bio-Produkte?

Was taugen billige Bio-Produkte?

Die Zeiten, in denen Sie Bio-Gemüse und Bio-Milch nur für viel Geld im Bioladen mit der netten, aber langsamen langhaarigen Bedienung kaufen konnten, sind längst vorbei. Seit die Bio-Welle so richtig rollt, bieten auch die Discounter kontrolliert angebaute, schadstoffarme Produkte an. Doch wie gut sind diese Lebensmittel? Und vor allem: Ist überall da, wo Bio draufsteht, auch Bio drin?

Das Verbrauchermagazin Ökotest hat die Bio-Angebote der Discounter getestet. Das Ergebnis: Günstige Bio-Ware vom Discounter hält größtenteils, was sie verspricht.

Was taugen billige Bio-Produkte?

Untersucht wurde ein Sortiment aus jeweils neun Produktgruppen, die in Discountern und Supermärkten angeboten werden. Insgesamt wurden 75 Lebensmittel getestet.

Kaffee, Mehl und Brotbackmischungen bestanden den Test ausnahmslos mit "sehr gut". Auch zwei Marken Bio-Milch, nämlich die BioBio Vollmilch von Plus sowie die Naturkind Bio-Vollmilch von Kaisers Tengelmann, waren einwandfrei. Das Gleiche trifft auf die meisten Bio-Tees, Butter-Marken, Bio-Tiefkühlgemüse, Nudeln und Naturjoghurts zu.

Muffige Bio-Weichkäse

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Als Sorgenkinder erwiesen sich allerdings die Bio-Weichkäse. So roch und schmeckte etwa der Bio-Käse von Netto ziemlich stark nach Ammoniak, während der von Lidl eine muffige Note aufwies.

Für eine Überraschung sorgte auch die Untersuchung der gesunden Omega-3-Fettsäuren in Milchprodukten: Zwei Milchsorten und fünf Weichkäse enthielten sehr niedrige Mengen. Eigentlich müssten die Gehalte an Omega-3-Fettsäuren aber recht hoch sein, denn Bio-Kühe stehen noch auf der Weide und fressen viel Gras. Doch offenbar verfüttern gerade Bauern, deren Höfe in Ackerbauregionen liegen, oftmals Klee, Getreidestroh oder Silomais, anstatt größere Mengen Heu zuzukaufen.

Bio-Richtlinien

Was taugen billige Bio-Produkte?

Die Bio-Ware der Discounter entspricht den Vorgaben der EU-Öko-Verordnung. Das hierfür vergebene Label ist das staatliche Bio-Siegel. Danach muss Obst und Gemüse ohne chemische Pflanzenschutzmittel und mineralische Stickstoffdünger angebaut werden. Allerdings dürfen im Ausnahmefall auch verdünnte Gülle oder Geflügelmist auf das Feld, die das Grundwasser unter Umständen ebenfalls mit Nitrat belasten können. Rinder, Schweine und Hühner müssen artgerecht gehalten werden, in der Regel sind aber mehr Tiere pro Hektar oder Stallfläche zugelassen als bei den Bio-Anbauverbänden.

Das Futter kann zugekauft werden und muss zu 100 Prozent aus Öko-Anbau stammen. Ausnahme: Wenn Bio-Futter nicht in ausreichender Menge zur Verfügung steht, darf auch konventionell zugefüttert werden. Verarbeitete Produkte dürfen das Siegel tragen, wenn mindestens 95 Prozent der Zutaten biologischer Herkunft sind. Erlaubt sind 47 Zusatzstoffe sowie natürliche Aromen.

Noch strenger: Premium-Bio

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Strengere Richtlinien haben sich die acht deutschen Bio-Anbauverbände auferlegt. Die bedeutendsten sind Bioland, Demeter und Naturland. Ein wesentliches Kennzeichen ist der Gedanke der Kreislaufwirtschaft - das heißt, der gesamte Betrieb muss auf Öko umgestellt werden.

Öko-Futter ist bei den Bio-Anbauverbänden selbstverständlich, nur wenige konventionelle Ausnahmen sind zugelassen. Außerdem muss mindestens die Hälfte des Futters vom eigenen Hof stammen. Demeter ist noch strenger und fordert 100 Prozent biologisches Futter für seine Tiere. Gen-Technik ist absolut tabu - sowohl bei EU-Bio als auch den Verbänden.

Was taugen billige Bio-Produkte?

Das ist dann letztendlich der wesentliche Unterschied zwischen den günstigen Bio-Produkten und der sogenannten Premium-Bio-Ware: Die Richtlinien sind noch strenger und mehr auf ganzheitliches Umdenken angelegt. Wem das egal ist und wer einfach nur eine gesündere Milch kaufen will, die aber dem Geldbeutel nicht weh tut, der ist mit der Bio-Ware der Discounter gut bedient.

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