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Was kostet ein Schulkind: Sind 6.500 Euro pro Schulkind wirklich ausreichend?

Der Staat gibt Milliarden für die Bildung der Kinder aus.
Unsere Autorin findet dennoch, dass 6.500 Euro pro Kind im Jahr nicht ausreichen!

Milliarden für Bildung – trotzdem zu wenig!

Deutschland gibt im Jahr durchschnittlich 6.500 Euro pro Schulkind aus. Das klingt viel – ist es aber nicht. Denn je nach Bundesland gibt es große Unterschiede. Durch den Bildungs-Föderalismus gehören Lehrermangel und marode Schulen vielfach immer noch zum Alltag – in einem der reichsten Länder der Erde.

Von Jutta Rogge-Strang

Im Jahr 2013 hat Deutschland für die Ausbildung einer Schülerin oder eines Schülers durchschnittlich 6.500 Euro ausgegeben. Dabei schwanken die Zahlen je nach Bundesland ganz erheblich: Am meisten haben Thüringen (8.100 Euro) und Hamburg (8.000 Euro) investiert, Nordrhein-Westfalen und das Saarland waren dagegen nur mit jeweils 5.700 Euro dabei.

Die mit Abstand größte Summe wird dabei für die Personalkosten aufgewendet: Durchschnittlich 5.300 Euro entfallen auf die Lehrergehälter, nur 800 Euro fließen in die Unterhaltung der Schulgebäude und Lehrmittel, 300 Euro für Baumaßnahmen und Sachinvestitionen. Dabei fallen bei den Grundschulen die geringsten Kosten an (5.600 Euro), Realschulen liegen bei 5.900 Euro, Gymnasien und integrierte Gesamtschulen jeweils bei 7.500 Euro, und Hauptschulen kosten die Länder im Durchschnitt 8.200 Euro pro Schüler und Jahr.

Die Schwankungen zwischen den einzelnen Bundesländern sind auf unterschiedliche Klassengrößen zurückzuführen, auf Gehaltsstrukturen und Verbeamtungspraxis bei Lehrern, auf die Verbreitung der Ganztagsbetreuung und unterschiedliche Zustände der Schulgebäude. Jedes Bundesland hat unterschiedliche Schulstrukturen und Unterrichtsangebote. Eine Ganztagsbetreuung kostet natürlich mehr, und daher kann man die Zahlen nicht unbedingt vergleichen. Eine geringere Investition der jeweiligen Bundesländer bedeutet also nicht automatisch, dass dort weniger Geld in Bildung investiert wird.

Die Zukunft der Schüler wird durch Sparzwang verfrühstückt

Insgesamt waren in den Etats der Länder im Jahr 2015 rund 123,7 Milliarden Euro für Kitas, Schulen, Hochschulen und Weiterbildung vorgesehen, 2,9 Milliarden mehr als im Jahr zuvor, so der aktuelle Bildungsfinanzbericht des Statistischen Bundesamtes. Doch das Geld wird vielerorts ineffizient eingesetzt.

Ein Paradebeispiel dafür ist das Land Berlin. In der chronisch klammen Hauptstadt wird die Zukunft der Schüler durch übertriebenen Sparzwang und falsche Prioritäten verfrühstückt. Na klar ist ein ausgeglichener Haushalt erstrebenswert. Aber dass seit vielen Jahren in Berlin Lehrer nicht mehr verbeamtet und damit schlechter bezahlt werden als in vielen anderen Bundesländern, ist einfach nur kurzsichtig: Da ziehen die besten Köpfe trotz coolem Hauptstadtgefühl irgendwann weg.

Nebenbei ist die jüngste Berliner Schulreform – Abschaffung von Haupt- und Realschulen zugunsten so genannter Sekundarschulen – gründlich in die Hose gegangen und hat Scharen von dauerkranken und überforderten Lehrern produziert. Hinzu kommt ein gigantischer Investitionsstau an den Berliner Schulen. Die Folge sind marode Turnhallen, schlecht geheizte, uralte schall-intensive Klassenzimmer, stinkende und kaputte Toiletten, gestresste Schülerinnen und Schüler.

Ach ja, und jetzt kommt auch noch die Inklusion: Großspurig verkünden Berliner Bildungspolitiker, sie seien die Spitze der Bewegung, wenn es um die individuelle Förderung von hoch begabten ebenso wie von schwerst mehrfach behinderten Kindern geht. Dass sie dafür nicht einen Cent mehr auszugeben bereit sind, obwohl gelungene Inklusion gefühlt etwa doppelt so viele Ressourcen erfordert wie das bisherige Schulleben, verschweigen sie. Stattdessen werden aber Milliarden von Euro in nicht eröffneten Flughäfen oder Renommierobjekten wie Stadtschlössern oder Ähnlichem versenkt. Noch Fragen?

Dabei gibt es keineswegs nur in Berlin Verbesserungsbedarf. Im Jahr 2012 hat Deutschland 5,06 Prozent der öffentlichen Gesamtausgaben in Bildung gesteckt und liegt dabei im internationalen Vergleich mit den Mitgliedsstaaten der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) gerade mal auf Platz 21. Zum Vergleich: Spitzenreiter Dänemark gab 8,72 Prozent aus. Im Jahr 2015 sollten die Ausgaben in Deutschland auf 10 Prozent gesteigert werden – auf dann immer noch mickrige 5,6 Prozent. Na dann: Gute Nacht!

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