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Was bedeutet Glück wirklich?

Was brauchen wir, um glücklich zu sein?
Was brauchen wir, um glücklich zu sein? © photocreo - Fotolia

Glücklich macht ein Leben ohne Zukunftsangst

Was braucht der Mensch, um glücklich zu sein? Reichen Luft und Liebe allein - oder muss es Reichtum sein? Ändern sich die Ansprüche ans Glück mit der Lebenssituation? Mit Fragen wie diesen beschäftigten sich früher Philosophen. In unserer Zeit nehmen sich Soziologen des Themas an, die in Meinungsumfragen versuchen, die Wahrheit über das Glück zu erkunden. Und, siehe da, in Deutschland stellten sie in diesen Tagen eine neue Tendenz fest.

Von Christiane Mitatselis

Das Meinungsinstitut 'Ipsos' hat 2.000 Deutsche befragt, um herauszufinden, wie es ihnen geht und worauf sie bei ihren Zukunftsbetrachtungen besonderen Wert legen. Eines der zentralen Ergebnisse des 'Nationalen Wohlstands-Indexes', der in dieser Woche in Hamburg präsentiert wurde: 71 Prozent der Befragten wünschen sich ein Leben ohne Geldsorgen und Zukunftsangst. Oder anders ausgedrückt: Um glücklich zu sein, brauchen sie nicht immer mehr Wohlstand und Konsum, sie sind zufrieden, wenn ihnen das, was sie haben, nicht abhanden kommt. Der Erhalt des Erarbeiteten ist den Menschen wichtiger als Überfluss und Luxus.

Dieses Stimmungsbild wird als Folge der internationalen Banken- und Finanzkrise interpretiert - verständlicherweise: Im europäischen Vergleich geht es Deutschland zwar noch gut, doch rundherum bricht die Welt zusammen. Griechenland verarmt zusehends. Eltern bringen ihre Kinder dort bereits in SOS-Kinderdörfern unter, da sie sie nicht mehr ernähren können. Das Gesundheitssystem ist zusammengebrochen. Auch Schwerkranke, etwa Krebs-Patienten, die nicht bar bezahlen können, erhalten keine Medikamente mehr.

Europa-Krise: Unabhängigkeit als größtes Glück

Das schöne Spanien, in dem so viele Deutsche ihren Urlaub verbringen, wird ebenfalls von brutalem Sozialabbau und Massenarbeitslosigkeit heimgesucht. Genauso schlecht geht es den Menschen in Italien, Portugal und Irland. Viele Deutsche fragen sich: Wie lange kann das noch gut gehen mit unserer Oase, wie lange kann Deutschland noch inmitten von Ruinen prosperieren? Die Antwort kennt niemand, viele sind aber davon überzeugt, dass sich etwas Grundlegendes ändern muss.

Wenn diese Krise eine gute Seite hat, dann ist es diese: Menschen erkennen, dass die Anhäufung von Gütern, immer größere Autos und Häuser, nicht das Lebensziel sein kann. In Ländern, die es hart erwischt hat, hat diese Abkehr von den Paradigmen der Konsumgesellschaft bereits dazu geführt, dass sich vor allem junge Leute auf die Ursprünge ihrer Kulturen besinnen. Not macht erfinderisch: So haben sich auf der griechischen Insel Euböa junge Informatiker zusammengetan, die nicht mehr im krisengeschüttelten Athen leben wollen. Auf dem Land betreiben sie biologischen Obst- Gemüse und Olivenanbau; sie versuchen, sich selbst zu versorgen und nebenher Öko-Touristen anzuziehen. In den vielen ländlichen Regionen Spaniens betreiben Menschen, frustriert von der Perspektivlosigkeit in den Städten, zunehmend ähnliche Projekte.

Unabhängigkeit ist in diesen unsicheren Zeiten somit wohl das größte Glück. Zufrieden kann der sein, der sich keine Sorgen um seine Zukunft machen muss, da sie nicht mehr von den Befindlichkeiten des Finanz- und Bankensystem bestimmt wird.

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