Warum wir den Weltmädchentag auch 2017 immer noch brauchen

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Weltmädchentag 2017: Immer noch keine Gleichberechtigung für Mädchen
Weltmädchentag 2017: Auch heute noch sind viel zu viele Mädchen Opfer von Gewalt oder Benachteiligung.

1,1 Milliarden Mädchen auf der Welt brauchen unsere Aufmerksamkeit

Heute ist Weltmädchentag. Und? Was soll´s? Brauchen wir den wirklich noch? Da antworten wir im tiefstpinken Brustton der Überzeugung: Ja! Brauchen wir noch! Wir – und vor allem die 1,1 Milliarden Mädchen irgendwo da draußen, in der Nachbarwohnung oder auf dem fremden Kontinent, der tausende von Kilometern von uns entfernt ist.

Von Ursula Willimsky

Der Weltmädchentag trägt pink: Diverse Gebäude werden in Farbe angestrahlt

Die Farbe des Tages ist ganz klar ein knalliges Pink. DIE Statementfarbe, wenn es um Gleichberechtigung geht. Pink ist unter anderem die Kampagnenfarbe von 'Because I am a Girl'. Mit dieser Bewegung kämpft 'Plan International' für eine Welt, die Mädchen wertschätzt und ihre Rechte fördert. Der Kinderrechtsorganisation verdanken wir auch den Weltmädchentag. 2011 griffen die  Vereinten Nationen die Idee auf, seit 2012 ist der 11. Oktober der 'International Day of the Girl Child'.

Und dieser 11. Oktober trägt gerne pink. Allein in Deutschland werden heute Abend 50 bekannte Gebäude, Wahrzeichen und Denkmäler in sattes rosa Licht getaucht. Sieht hübsch aus – und ist vor allem nicht zu übersehen. Was wichtig ist an einem Tag, der daran erinnern soll, dass Mädchen immer noch benachteiligt werden. Dabei wären Gleichberechtigung und Bildung für Jungen und Mädchen Hauptwege aus der Armut heraus, betont 'Plan International'. Und auch das Kinderhilfswerk 'Unicef'  weist in seinem Blog zum Weltmädchentag darauf hin, was Mädchen  „bewegen können, wenn man ihnen die Chance dazu gibt“.

Alle fünf Minuten stirbt ein Mädchen an den Folgen von Gewalt

Justin Trudeau beteiligt sich an der Aktion zum Weltmädchentag 2017
In mehr als 60 Ländern räumen Männer ihren Chefsessel für ein Mädchen (oder schieben zumindest einen zweiten Sessel an den Schreibtisch). Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau macht auch bei der Aktion mit. © REUTERS, JOSHUA ROBERTS, JPR/LP

Noch müssen beide Organisationen jedoch auch auflisten,  mit welchen Problemen Mädchen zu kämpfen haben: Neun von zehn Mädchen leben in einem Land mit niedrigem bis mittlerem Einkommen. 60 Millionen Mädchen werden nie eine Schule besuchen. Nimmt man die Mädchen im höheren Schulalter dazu, sind es 130 Millionen Mädchen.

Jedes dritte Mädchen in Entwicklungsländern wird vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet. Rund zwölf Millionen Mädchen werden Mutter, bevor sie selbst erwachsen sind. Wenn Kinder selber Kinder bekommen, bedeutet das fast immer auch das Ende ihrer Schulbildung und ihrer weiteren Entwicklungschancen; zudem zählen Teenagerschwangerschaften zu den häufigsten Todesursachen für Mädchen zwischen 15 und 19 Jahren.

Jedes Jahr sind drei Millionen Mädchen in Gefahr, Opfer von Genitalverstümmelung zu werden. Alle fünf Minuten stirbt ein Mädchen an den Folgen von Gewalt! 120 Millionen Mädchen und junge Frauen unter 20 – rund jede zehnte  – haben in ihrem Leben bereits sexuelle Gewalt erfahren.

Man will es kaum mehr lesen! Also sollte man etwas dagegen tun!

Dafür ist der Weltmädchentag da: Er erinnert daran, dass nicht jeder Missstand festgezurrtes, unveränderbares Schicksal ist. Zum Beispiel, weil junge Frauen, die länger zur Schule gehen, später heiraten und weniger und gesündere Kinder bekommen, die ebenfalls mit größerer Wahrscheinlichkeit zur Schule gehen werden.

Das kann wunderbare Folgen haben, rechnet 'Unicef' vor: Jedes Grundschuljahr erhöht das spätere Einkommen eines Mädchens durchschnittlich um zehn bis 20 Prozent. „Wenn alle Mädchen in Entwicklungs- und Schwellenländern eine weiterführende Schule abschließen würden, rechnen Experten mit einem Rückgang der Kindersterblichkeit um die Hälfte.“

Und einige könnten vielleicht sogar die Geschicke dieser Welt ändern, wenn sie die Macht dazu  bekämen. Sprich: In Führungsrollen arbeiten könnten. Wie sich das anfühlen mag, können zumindest 500 Mädchen für einen Tag testen.

Zum Weltmädchentag räumen in mehr als 60 Ländern Männer ihren Chefsessel

Um den Weltmädchentag herum hat 'Plan International' über 500 Takeover-Aktionen angeregt. In mehr als 60 Ländern räumen Männer ihren Chefsessel für ein Mädchen (oder schieben zumindest einen zweiten Sessel an den Schreibtisch). Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau teilte sein Büro für einen Tag mit einer jungen Kanadierin. In Uganda übernahm ein Mädchen die Rolle des Polizeichefs. Der Bürgermeister von Zürich gibt sein Amt an ein Mädchen ab und auf den Philippinen übernehmen zwei Mädchen die Rolle des Präsidenten und des Vizepräsidenten.

Was das bringen soll? Wer weiß? Vielleicht nur ein bisschen Aufmerksamkeit für eine wichtige Sache. Vielleicht auch ein bisschen Zuversicht und Motivation. Vielleicht auch die Erfahrung, dass sich ein Sessel, von dem aus man aktiv einen kleinen Teil der Welt verändern kann, gar nicht so schlecht anfühlt.

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