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Warum werden die meisten Frauen im Herbst schwanger?

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Der beste Zeitpunkt um schwanger zu werden? Der Herbst!
Der beste Zeitpunkt um schwanger zu werden? Offenbar der Herbst, denn statistisch gesehen werden hier die meisten Frauen schwanger.

Es geht um Sex. Es geht um Familienplanung. Es geht um die Frage, warum die meisten Babys im Oktober, November und Dezember gezeugt werden. Wer könnte darauf eine bessere Antwort geben als die Experten vom Statistischen Landesamt Baden-Württemberg? Die sagen klipp und klar, wenn auch etwas unromantisch: „Die Ursachen sind eher verhaltensbedingt und kaum biologischer Natur.“ Aber welche verhaltensbedingten Umstände treiben Paare dazu, bevorzugt im Herbst aktiv an der Fortpflanzung zu arbeiten? Keiner weiß es genau, aber Theorien gibt es viele.

Von Ursula Willimsky

Im Juli, August und September kommen in Deutschland besonders viele Babys zur Welt – sie alle wurden in den davorliegenden Herbstmonaten gezeugt. Das ist aber erst seit den 80er Jahren der Fall, sagt das Statistische Bundesamt. Vor dem Zweiten Weltkrieg und auch noch Jahrzehnte später lag das Maximum der Geburten in den Monaten Februar und März, nur im September gab es auch schon dereinst ein kleines Zwischenhoch.

Damals wurde oft erst nach getaner Arbeit (Einbringen der Ernte) geheiratet und über den Winter (wenn klar war, dass niemand wird Hunger leiden müssen) alles erledigt, was zu einer anständigen Ehe so gehört (unter anderem für Nachwuchs sorgen), zitiert 'Die Welt' Sebastian Klüsener vom Max-Planck-Institut für Demografische Forschung. In der monatelangen Hauptarbeitszeit fehlten dann vermutlich Kraft und Zeit für produktive Zweisamkeit. 

Sie wollen auch schwanger werden? Mit dem Eisprungkalender können Sie Ihre fruchtbaren Tage am besten berechnen.

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Wonnemonat Mai hat ausgedient: Frauen werden im Oktober, November und Dezember öfter schwanger

Irgendwann hatte dann der Mai ausgedient als Wonnemonat – den Job erledigen jetzt seine Kollegen Oktober, November und Dezember. Für Zahlenfans, die es ganz genau wissen wollen: Der geburtsstärkste Monat heutzutage ist laut 'destatis' der Juli. So kamen beispielsweise im Jahr 2010 in diesem Monat 9,3 Prozent aller Neugeborenen - also 61.900 Babys - zur Welt. Berücksichtigt man zusätzlich unterschiedliche Monatslängen, war die Zahl der Geburten pro Tag im September 2010 am höchsten: An jedem Septembertag kamen durchschnittlich 97 Kinder mehr zur Welt als im Jahresdurchschnitt. Der Monat Juli lag mit täglich 75 Geburten über dem Jahresdurchschnitt erst an zweiter Stelle.

Warum? An saisonalen Schwankungen in Sachen Fruchtbarkeit wird es nicht liegen - es gibt kaum Hinweise, dass sich bei Männlein und Weiblein da etwas verändert hätte; es gibt ja noch nicht einmal Hinweise, dass die Fruchtbarkeit sich je nach Jahreszeit verändert. Wer will, kann diese These gerne mit unserem Eisprung-Rechner überprüfen …

Experten sagen daher: Es könnte an ganz schnöden - aber nichts destotrotz nachvollziehbaren - Überlegungen liegen: Wer im Sommer hochschwanger ist, kann sich teure Winter-Umstandskleidung sparen. Kommt das Kind im Spätsommer oder Herbst zur Welt, kann man später prima Geburtstage draußen im Freien feiern. Ein Forscher glaubt gar, dass die Frauen den Geburtstermin in den Spätsommer legen, weil sie dann in einer relativ ruhigen Zeit in Mutterschutz gehen können. Seit Paare die Familienplanung mit Empfängnisverhütungsmitteln steuern können, können solche Aspekte eine Rolle spielen.

Aber vielleicht ist es ja auch ganz einfach die Liebe – konkret: das Fest der Liebe, das seine Wirkung ausstrahlt, schließlich werden im Dezember besonders viele Babys gezeugt. Belegen lässt sich diese These quasi im Ausschlussverfahren: Der israelische Wissenschaftler Michael Friger fand 2009 bei einer Studie heraus, dass es das dazugehörige Geburtenhoch im September bei jüdischen und muslimischen Frauen nicht gibt.

Vielleicht beflügelt das Fest der Liebe ja Paare? Immerhin gibt es Anzeichen dafür, dass eine positive Grundstimmung, dass Euphorie und Begeisterung ein prima Nährboden sind, um schwanger zu werden. So durften im März und April 2007 Hebammen und Ärztinnen in deutschen Entbindungsstationen Sonderschichten fahren. Neun Monate vorher war Deutschland bei der Fußball-Weltmeisterschaft durch ein Sommermärchen getaumelt. Und im März 2017 herrschte auf den isländischen Entbindungsstationen Hochbetrieb: Am 27. Juni 2016 (neun Monate vorher also) hatte der Fußball-Zwerg den Riesen England mit einem unglaublichen 1:2 im EM-Achtelfinalspiel bezwungen. Auch hier: Euphorie pur.

Aber eigentlich ist es ja egal, ob rationale oder emotionale Gründe Babys Geburtstermin beeinflusst haben: Süß sind sie ja alle. Die Februar-Kinder genauso wie die September-Kinder.

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