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Wadenkrampf: So beugen Sie vor!

Dehnen hilft bei einem Wadenkrampf.
Ein Wadenkrampf tritt plötzlich auf und verursacht große Schmerzen. © Arthur Braunstein - Fotolia, Arthur J. Braunstein

Wie ein Wadenkrampf entsteht und was Sie dagegen tun können

Wahrscheinlich kennen Sie das: Mitten in der Nacht schrecken Sie hoch, weil ein höllischer Schmerz ein Bein durchzuckt. Die Rede ist vom Wadenkrampf. Wie aber werden Sie den Wadenkrampf schnell wieder los? Und wie beugen Sie richtig vor?

Vierzig Prozent aller Erwachsenen leiden hin und wieder unter Wadenkrämpfen. Diese machen sich als heftiger Stich in der Wade mit anschließender Verhärtung des Muskels bemerkbar. Wadenkrämpfe können beim Sport auftreten, aber auch im Zustand völliger Entspannung - wie nachts beim Schlafen. Was ist der Grund für die schmerzhafte Verkrampfung der Muskulatur? Und warum treten Wadenkrämpfe so häufig nachts auf?

Christian Maihöfner von der Neurologischen Klinik am Universitätsklinikum Erlangen erklärt das Phänomen folgendermaßen: "Tagsüber stehen wir oft und dehnen dadurch die Muskeln immer wieder. Außerdem reagieren wir im Wachzustand schon auf das erste Muskelzucken mit einer spontanen Dehnbewegung und verhindern so einen größeren Krampf. Im Schlaf bemerken wir den Krampf aber erst, wenn er den Muskel völlig verhärtet hat. Das schmerzt dann richtig und löst sich nicht so schnell". Klingt logisch, aber auch problematisch. Sind wir nächtligen Wadenkrampf-Attacken somit hilflos ausgeliefert?

Waden- oder Beinkrämpfe sind mehr ein Warnsignal oder Symptom als eine Krankheit. Viele schwangere Frauen können von Wadenkrämpfen ein Lied singen. Das liegt an dem veränderten Hormonhaushalt, durch den auch der Mineralstoff- und Wasserhaushalt durcheinandergerät. Aber auch ältere Menschen sind oft betroffen. "Erstens lässt mit dem Alter die reibungslose Nervenfunktion nach und der Muskel empfängt falsche Signale. Außerdem trinken ältere Menschen oft sehr wenig. Dann fehlen ihnen Flüssigkeit, Elektrolyte und Mineralstoffe für die Muskelversorgung“, erläutert Christian Maihöfner.

Wadenkrampf: Soforthilfe

Nächtliche Muskelkrämpfe treten oft auch als Begleiterscheinung neurologischer Erkrankungen auf. Dies kann bei Diabetes mellitus der Fall sein, aber auch bei Rauchern, deren Durchblutung gestört ist. Auch entwässernde Medikamente, Betablocker oder Medikamente für die Chemotherapie können Muskelkrämpfe begünstigen.

Das hilft im Notfall

Wenn Sie nachts einen Wadenkrampf bekommen, sollten Sie versuchen, das betroffene Bein zu dehnen. Ziehen Sie zunächst die Zehen des durchgestreckten Beins Richtung Schienbein. Massieren Sie außerdem den verkrampften Muskeln, um ihn wieder zu lockern. Aber auch ein warmer Wasserguß in der Wanne oder Dusche kann bei der Lockerung helfen.

So beugen Sie einem Wadenkrampf vor

Wadenkrämpfen können Sie am besten mit regelmäßigen Dehnübungen vorbeugen. Dazu können Sie beispielsweise von den Zehen auf die Ferse wippen oder die Füße nach innen und außen kreisen. Auch die Streckung der Beinrückseite kann helfen: Neigen Sie sich dafür mit durchgestreckten Beinen nach vorne gegen eine Wand und versuchen Sie, die Fersen dabei am Boden zu halten. Am besten führen Sie diese Übung barfuß durch.

Aber auch mit der richtigen Ernährung können Sie Krämpfen entgegenwirken. Denn häufig löst auch Magnesiummangel Krämpfe aus. Für Erwachsene wird eine Dosis von 300 bis 350 Milligramm Magnesium empfohlen. Gute Magnesiumlieferanten sind unter den Fleischprodukten Geflügel und Leber. Aber auch Fisch, Kartoffeln, Blattspinat, Kohlrabi, Sonnenblumenkerne, Hülsenfrüchte, Orangen, Bananen, Nüsse und Sesam enthalten viel Magnesium. Daher sollten Sie diese Lebensmittel nach Möglichkeit wöchentlich in Ihren Speiseplan integrieren. Im Zweifel kann eine Blutuntersuchung einen Magnesiummangel aufdecken.

Zur medikamentösen Behandlung eignet sich Chinin. Chininsulfat ist in Apotheken frei verkäuflich und hat sich als sehr effektiv erwiesen. Chinin wird bereits seit dem 20. Jahrhundert gegen neuromuskuläre Krämpfe eingesetzt. Chinin wirkt unabhängig von der Ursache für den Muskelkrampf - und zwar direkt an der Übergangsstelle von Nerven und Muskelfasern. Es hemmt den dort freigesetzten Botenstoff Acetylcholin, der im Normalfall die Muskelkontraktion auslöst. Folglich kommen zwar Reize am Nervenende an, aber sie erreichen den Muskel nicht mehr vollständig. Dadurch sinken die Erregbarkeit und die Krampfneigung des Muskels.

Mit dem richtigen Mix aus Bewegung, gesunder Ernährung und rezeptfreien Medikamenten sollten Sie die nächtlichen oder sportbedingten Krampf-Attacken aber in den Griff bekommen.

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