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Vorspiel: Es geht auch ohne - oder etwa nicht?

Vorspiel muss immer sein? Von wegen!
Vorspiel

Vorspiel muss immer sein? Von wegen!

Was Sex angeht, geistert seit ewigen Zeiten ein Mythos umher: Der vom schwachen Geschlecht. Von Frauen als sanften und rehhaft scheuen Wesen, die stundenlang mit Worten, Blicken und Berührungen gefügig gemacht werden müssen, damit sie endlich Sex gewähren. Den sie eigentlich nicht wirklich wollen. Das führt zu massiven Konflikten mit Männern.

Denn diese geben in Umfragen zu: Wir träumen von spontanem Sex. Ohne Vorspiel-Tamtam. Ohne Klimbim wie Kuschelmusik, Räucherstäbchen und Massagen. Für Männer soll Sex wie Fußball sein: Anpfiff - und los Richtung Tor. Männer bleiben in diesen Umfragen gern anonynm. Denn wer traut sich schon, heututage laut zu sagen, dass er recht schlicht gestrickt ist, was sein Begehren angeht?

Männern wird seit der Frauenbewegung in den 70er Jahren immer wieder um die Ohren gehauen: Du bist spitz wie Nachbars Lumpi, okay, aber nimm dich zurück, fahr einen Gang runter. Damit SIE behutsam in die Gänge und irgendwann auch zum Orgasmus kommt. So wurde das Vorspiel erfunden.

Dabei steckt hinter dem geheimen männlichen Wunsch nach Sex ohne Anwärmphase nicht das Tier im Mann, sondern etwas zutiefst Rührendes und Menschliches. Nämlich die Angst, nicht geliebt zu werden. Männer wollen, dass Frauen gleich zur Sache kommen wollen, weil nichts ihnen deutlicher signalisiert: Ich bin gut. Sie will mich. Jetzt und auf der Stelle. Sie liebt mich! Das ist der Beweis! Kein Wunder, dass Männer keinen gesteigerten Wert auf lange Vorspiele legen. Sie sind der Abgesang unserer Liebe für sie.

Ich möchte diesem Mythos, dass alle Frauen ein Vorspiel brauchen, an die Substanz gehen und ihn demontieren. Denn die Wahrheit ist, dass auch für Frauen Lust keinen Aufschub duldet. Es ist ja das Wesen der Lust, dass sie einen überfällt, dass man die Beherrschung verliert. Sie hat etwas Animalisches. Nichts gegen Champagner im Bauchnabel und Sahne auf dem Busen - aber alles zu seiner Zeit. Wer wirklich scharf ist, hat keine Zeit zu verlieren.

Das Geheimnis der Lust ist nicht das Vorspiel!

Deshalb: Wenn eine Frau mit einem Mann ins Bett gehen will, dann tut sie es. Ohne Umschweife. Viel wichtiger ist, dass Männer sich beim Akt ins Zeug legen und die Veranstaltung nicht nach spätestens 15 Minuten vorbei ist, wie leider bei einem Drittel aller Paare. Da liegt der Hase im Pfeffer.

Wenn ein Vorspiel für Frauen eine Bedeutung hat, dann ganz woanders! Im Alltag. Frauen brauchen in der Tat Zeit, aber nicht, um Lust zu kriegen! Das wirkliche Vorspiel passiert nämlich gar nicht im Bett, sondern im Kopf. Nicht vor dem Geschlechtsverkehr, sondern lange davor. Beim Kennen- und Liebenlernen. In einer Beziehung.

Das muss ein großer Liebhaber wissen. Im normalen Leben muss er alles geben. Humorvoll sein, galant, phantasievoll. Die Frau muss das Gefühl haben, die Begehrenswerteste der Welt zu sein. Indem man entrückt den Schwung ihres kleinen Zehs bewundert und dabei beseelt ist wie ein Junge am Regal mit den Porsche-Spielzeugautos. Vor dem ersten Mal sowieso, aber auch in einer festen Beziehung.

Vorspiel heißt: Eine Daueratmosphäre der Erotik schaffen. Dafür gibt's ein schönes Wort, das besser klingt als Vorspiel: Verführung. Sie schließt das ganze Leben ein, das ist eine Haltung gegenüber den Frauen. So hat das Casanova gemacht. Er war in jedem Moment seines Daseins ein Verführer.

Das ist zunächst anstrengender für den Mann als fünf Minuten "Ei Ei" machen, eine Kerze anzuzünden und den Rücken der Frau einzuölen. Aber: Es lohnt sich für ihn. Auf einem perfekt gestimmten Piano kann man immer wieder formvollendet spielen. Mit wenigen Fingerübungen, aber ohne es jedesmal neu von Grund auf zu justieren. Dann reicht einfach ein Blick, und die Lust der Frau ist da. Und damit der Sex, wie Männer und Frauen ihn lieben: spontan, leidenschaftlich, laut, heftig.

Birgit Ehrenberg

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5 Tipps für ein heißes Vorspiel Raub ihm den Verstand 00:01:10
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